Weniger ausländische Chefs in Schweizer Unternehmen

Der Anteil an ausländischen Managern der grössten Schweizer Unternehmen ist letztes Jahr zurückgegangen – erstmals seit zehn Jahren. Das geht aus dem sogenannten «Schilling-Report» hervor. Zugenommen hat dagegen die Zahl der Frauen in Verwaltungsräten.

Anteil Ausländer in der Geschäftsleitung Die Zahl ausländischer Manager in Schweizer Unternehmen stagnierte seit 2011. Die jüngste Erhebung zeigt nun aber einen Rückgang.

Lange hat es so ausgesehen, dass die ausländische Manager bald die Mehrheit der Chefposten in den Schweizer Grosskonzernen haben. Nun beobachtet Topkadervermittler Guido Schilling aber zum ersten Mal in zehn Jahren einen Rückgang des Anteils ausländischer Manager.

Rückgang um drei Prozent

In den grössten Konzernen stieg der Anteil der Geschäftsleitungsmitglieder mit ausländischem Pass zwischen 2006 und 2011 von 36 auf 45 Prozent. 2012 bremste sich der Anstieg, im vergangenen Jahr ging er auf 42 Prozent zurück, wie der am Montag präsentierte «Schilling-Report» festhält.

«Mit einem so deutlichen Rückgang der ausländischen Führungskräfte habe ich aber nicht gerechnet», sagte Guido Schilling. Der Headhunter hatte vor drei Jahren die Prognose gewagt, dass 2015 die Hälfte der Chefs der gut 100 grössten Schweizer Firmen Ausländer seien.

Andere Topkader-Arbeitsmärkte locken

Hauptgrund für den innert Jahresfrist beobachten Rückgang ist laut Schilling die Konkurrenz anderer Topkader-Arbeitsmärkte, eine Tendenz, die sich schon seit zwei oder drei Jahren abzeichnet: Deutschland und andere wirtschaftlich starke europäische Ländern böten Managern heute mehr attraktive Positionen im Heimmarkt.

Der Schilling-Bericht

3:12 min, aus SRF 4 News aktuell vom 03.03.2014

Mit der Zustimmung zur SVP-Zuwanderungsinitiative habe der Rückgang direkt nichts zu tun. Das Ja zur Initiative sei aber ein «Knieschuss», sagte Schilling. Die Diskussion um die Begrenzung der Zuwanderung schrecke einige Manager und ihre Familien von einem Umzug in die Schweiz ab. Auf die Unternehmen kämen Probleme bei der Rekrutierung von Führungskräften zu.

Mehr Frauen in Verwaltungsräten

Eine andere Welt sind die Verwaltungsräte: In den Aufsichtsgremien ist der Anteil der Ausländer mit 36 Prozent im vergangenen Jahr stabil geblieben. Dafür findet vermehrt eine Verschiebung zugunsten der Frauen statt: Innerhalb von fünf Jahren ist der Frauenanteil in den Verwaltungsräten von 10 auf 13 Prozent gestiegen.

Mehr als jeder fünfte frei gewordene Sitz in einem Verwaltungsrat wurde in letzter Zeit mit einer Frau besetzt, in den SMI-Unternehmen sogar jeder dritte vakante Sitz. Für Guido Schilling ist dies ein klarer Trend. Es werde aber grosse Anstrengungen brauchen, dass mehr Frauen berufen würden.

In den Geschäftsleitungen dominieren die Männer stärker: Dort stieg der Frauenanteil innerhalb von neun Jahren von 4 auf 6 Prozent. Mit Susanne Ruoff bei der Post, Jasmin Staiblin bei Alpiq und Suzanne Thoma bei der BKW zählt die Schweiz im Moment nur drei Konzernchefinnen.