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Wirtschaft Wenn der Junior nicht kann, muss der Patron länger ran

Rund 70'000 kleine und mittlere Betriebe in der Schweiz müssen sich in den nächsten fünf Jahren nach einem neuen Patron oder aber einem Käufer umschauen. Dass nun vermehrt geburtenstarke Jahrgänge ins Pensionsalter kommen, erschwert die oft heikle «Wachablösung» in Familienunternehmen zusätzlich.

Zwei ältere Personen und eine jüngere schauen in die Kamera: Alle drei tragen die gleiche Bluse.
Legende: Die Märithüsli AG ist heute noch in Familienhand. Keystone

Die Babyboomer: So manch einer von ihnen hat sich den Traum von der eigenen Firma erfüllt. Doch allmählich kommen die Unternehmer ins Rentenalter. Schon heute sind 55 Prozent aller KMU-Chefs in der Schweiz zwischen 50 und 65 Jahre alt. Dies zeigt eine neue Studie der Credit Suisse und der Universität St. Gallen.

Damit wird in vielen Fällen die Regelung der Nachfolge in den nächsten fünf Jahren zunehmend aktuell. Dass die Nachfrage von der jüngeren Generation gedeckt werden kann, sei rein bevölkerungsmässig fraglich, sagt CS-Ökonom Andreas Christen. So sei denkbar, dass Unternehmer künftig länger arbeiten und als Geschäftsführer tätig sein müssen.

Wachablösung in zentausenden KMU-Betrieben.
Legende: Zehntausende KMUs stehen vor einem Generationenwechsel an der Spitze. Keystone

Wenn es in der Familie bleiben soll

Viele Patrons wünschen sich zudem eine familieninterne Nachfolgelösung. Dass die eigenen Kinder in die Fussstapfen der Eltern treten, klappt allerdings nur in knapp der Hälfte aller Fälle. KMU-Expertin Miriam Bird von der Universität St. Gallen befürchtet gar, dass dies noch seltener funktionieren wird. Neben der demografischen Entwicklung mit weniger Kindern spiele auch deren Selbstverwirklichungswunsch eine bestimmte Rolle. Die familieninterne Übergabe werde deshalb zu einer grossen Herausforderung für die KMU in der Schweiz, sagt Bird.

Schon heute verkaufen über die Hälfte der Unternehmer ihre Firma an die Mitarbeiter oder an Externe. Doch ob firmenintern oder -extern – auch die Zahl der möglichen Kaufinteressenten nimmt aufgrund der Demografie ab.

Vermehrt Frauen an der Front

Hier könnten laut CS-Ökonom Christen vermehrt Frauen in die Bresche springen. Denn Chefinnen seien bei Schweizer KMU noch immer eine Rarität: «Der Frauenanteil in KMU-Führungsgremien ist zwar nicht tiefer als bei grossen Betrieben, aber halt doch relativ tief», sagt Christen: 20 bis 25 Prozent in Verwaltungsräten und Eigentümerschaften, aber nur etwa zehn Prozent in den Geschäftsleitungen.

Laut den Studienautoren sind Frauen aber bei den KMU auf dem Vormarsch: Immer öfter übernimmt auch mal eine Frau ein KMU, meist Töchter, die in die Fussstapfen ihrer Väter treten.

Fast ein Drittel schliesst für immer

Die Nachfolge lässt sich allerdings nicht immer regeln: Studien in Europa zeigen, dass bei rund 30 Prozent aller KMU niemand gefunden werden kann. Betroffen sind meist Kleinstunternehmen und Ein-Mann-Betriebe. Etwa ein Anwalt, der in Pension geht und sein Büro für immer schliesst. Nicht jedes KMU lebt also weiter.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Nikolas Wirz (Libertär «don't tread on me»)
    Kein Wunder bei der Regulationsflut und dem Bürokratiewahn der Politik, welcher Unternehmertum verhindert und grossen internationalen AGs ihre Monopolstellung sichert. Die Zeit in der die Schweiz attraktiv für Innovation war, ist schon lange vorbei. Bald wird es auch hier zur Abwanderung von Unternehmungen Schweizer und internationalen Ursprungs, welche Arbeitsplätze schaffen und Geld in die Sttatskasse bringen, kommen. Herzlichen Dank liebe SP...
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