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Wirtschaft Wie Reiche immer reicher werden

Die 300 Reichsten der Schweiz sind so reich wie noch nie – nicht nur in Milliarden, sondern auch im Verhältnis zum Durchschnitt. Ihr Vermögen wächst deutlich schneller als die gesamte Volkswirtschaft. Was ist das Geheimnis? Und: Wie funktioniert Reichtum?

Legende: Video Die Reichen der Schweiz abspielen. Laufzeit 06:50 Minuten.
Aus 10vor10 vom 27.11.2014.

Das Vermögen der Superreichen in der Schweiz wächst deutlich schneller als die gesamte Volkswirtschaft. Nur wer bereits Kapital hat, hat auch die Möglichkeit, gewinnbringend zu investieren.

Wer hat, dem wird gegeben – das ist nicht etwa ein Prinzip der Wirtschaftslehre, sondern ein Zitat aus der Bibel. So kann es denn nicht Unrecht sein, wenn die Allerreichsten in der Schweiz noch einmal reicher geworden sind. Häufig haben sie ihre Millionen oder gar Milliarden in Firmen investiert, halten also Aktien. Läuft es an der Börse gut, so wie dieses Jahr, verdienen sie kräftig mit.

Die Schere öffnet sich

Für Dirk Schütz von der Bilanz der Hauptgrund, warum die Reichsten noch einmal kräftig zulegen konnten. Nicht nur in absolut, sondern auch relativ zum Durchschnitt. Gegenüber «10vor10» sagt er: «Der Reichtum der Reichsten in der Schweiz wächst deutlich schneller als der Wohlstand der normalen Bürger. Das ist ein Phänomen, das wir in allen westlichen Ländern beobachten. In der Schweiz ist es nicht ganz so ausgeprägt wie beispielsweise in den USA. Aber der Trend ist eindeutig.»

Einer der 300 Reichsten ist der Uhren-Manager Jean-Claude Biver. Er besitzt geschätzte 175 Millionen Franken, 50 Millionen mehr als letztes Jahr. Fragt man ihn nach dem Geheimnis des Reichtums, holt er aus. «Reich wirst du, wenn du nicht versuchst, reich zu werden. Ausserdem braucht es viel Leidenschaft für die Arbeit und eine Vision, für die es am Markt Potential gibt. Und natürlich gehört auch Glück dazu.»

Wer riskiert, kann viel gewinnen

Spielt alles zusammen, wird die Sache richtig interessant, sagt Adrian Künzi, CEO der Privatbank Notenstein. «Im Gegensatz zu normalen Haushalten haben sehr Vermögende den Grossteil ihrer Vermögen nicht gebunden im selbstbewohnten Eigentum oder in der Pensionskasse, sondern können investieren. Entweder in eigene Unternehmen, in Beteiligungen oder in ein grosses Wertschriftenportfolio. Wer sich ein Risiko leisten kann, kann auch grosse Renditen erzielen.»

Wer bereits Kapital hat, wird also schneller reich, als jemand, der bei Null anfängt. «Die erste Million ist die schwierigste», so der Private Banker gegenüber «10vor10». Das Wissen das es braucht, um am Aktienmarkt teilnehmen zu können, ist in Zeiten des Internets weitgehend demokratisiert. Aber das allein reicht nicht. Adrian Künzi: «Man muss auch etwas mit dem Wissen anfangen, sprich Kapital investieren können. Von nichts kommt nichts.»

«Wer zu viel arbeitet, hat keine Zeit, Geld zu verdienen»

Die typische Tellerwäscher-Karriere hält Soziologie-Professor und Reichen-Kenner Ueli Mäder denn auch für eine absolute Ausnahme. «Es gibt in diesem Land viele, die sehr fleissig sind und trotzdem nie auf einen grünen Zweig kommen. Viel wichtiger ist es, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Ich habe schon oft von Reichen gehört, wer zu viel arbeite, sei selber schuld – denn der habe keine Zeit mehr, Geld zu verdienen.»

Auch die Herkunft hält Mäder für entscheidend: «Wer aus gutem Hause stammt, bringt häufig einen gewissen Habitus, ein Selbstvertrauen mit. Damit fällt es leichter, bei wichtigen Entscheidungen an sich selbst zu denken. Diese Winner-Mentalität hilft.» Ohne Startkapital schaffen es nur die Allerwenigsten nach ganz oben. Die grosse Mehrheit der 300 Reichsten hat denn auch einen Grossteil des Vermögens geerbt.

Nicht so Jean-Claude Biver. Harte Arbeit sei die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg, ist er überzeugt. Sein Arbeitstag beginnt jeden Morgen um vier Uhr in der Früh. Nur wer früher aufstehe, als alle anderen, schaffe sich den entscheidenden Vorteil, um nach vorne zu kommen. Doch viel wichtiger als finanzieller Reichtum sei ihm die eigene Gesundheit und die der Familie. «Wenn ich gesund bin UND reich, das ist echter Luxus.»

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107 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Treichler, Honolulu
    Ich bin erstaunt ueber gewisse linksgerichtete Kommentare die aus der Schweiz hier verbreitet werden. Ein Zeichen einer dekadenten Wohlfahrtsgesellschaft? Die frueher erzkommunistischen Laender Russland und Rotchina haben die marxistische Linksideologie laengst aufgegeben und sind ganz dem Kapitalismus verschrieben. Was bleibt ist deren Totalitarismus. Das hat man wohl unter den Linken noch nicht begriffen?
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  • Kommentar von Thomas Treichler, Honolulu
    JPSimon: seit wan sind groszuegigen Spenden ein Armutszeugnis? Diese verdrehte Logik der Linken die verzweifelt nach Argumenten sucht ist das wahre Armutszeugnis einer lange ueberholten Ideologie, die heute niemand mehr glaubt, nicht einmal in China und Russland. Es gibt keine ausgebeutete Schicht in Amerika. Die unproduktive schwarze Unterschicht lebt auf grosszuegiger Wohlfahrt. Wall Street ist nicht representativ fuer Amerika, spielt aber eine wichtige Rolle im internationalen Handel.
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    1. Antwort von JP.Simon Nietzscheaner, Bern
      T.Treichler,es muss ja wahrscheinlich aus ihrer Perspektive,die nur so durch Cash-Business-Denken trieft+dauernd nach Gewinnstreben hechelt, verständlich sein, dass Sie den Aspekt 'Armutszeugnis' nicht als das verstehen können, dass nicht alle, die auf Spenden angewiesen sind, mit breiten Lächeln und Glanz in den Augen, der in der Spiegelung der Weihnachtskugel noch mehr glänzt, antworten. Scham, Demütigung, Wut sind die Insignien, einer ungewollten und unverdienten Armut im System Kapitalismus
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  • Kommentar von Thomas Treichler, Honolulu
    Wohltaetigkeitsspenden in den USA betragen ueber $320 milliarden pro Jahr. Dies in der von den Europaeischen Linken verunglimpften USA, Hochburg des Kapitalismus. Was spendet man in Europa im Vergleich?
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Sage dazu nur: Detroit, California - pleite und miese Lebenskonditionen für Mio Menschen. Die 320 Mrd. sind nicht mehr als ein Tropfen auf dem heissen Stein des gesellschaftlichen niederganges eines kapitalistischen Systems am Ende seiner Laufzeit.
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    2. Antwort von Thomas Treichler, Honolulu
      Bernoulli:Vergleichen Sie nicht Detroit mit Kalifornien. Was Sie da sagen ist lachhaft und zeigt dass Sie Amerika nicht kennen. Wir haben mit meines Ausbildung phantastische 28 Jahre in Nordkalifornien Verbracht. Der Kapitalismus ist wohl auf, vom Niedergang keine Spur. Marxismus ist tot und nicht lebenwert. Das haben die letzten 100 Jahre bewiesen.
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    3. Antwort von JP.Simon, Bern
      T.Treichler, wohl ist das Geld, das dem Notleidenden zukommt nicht gewaschen, aber das Gewissen der Spender. $320 milliarden sind nicht wenig, ein Armutszeugnis für die USA, dessen Wallstreet-Kapitalismus extremes Beispiel ist, wie der Mensch Menschen ausbeuten kann, (Südamerika, Irak Afghanistan)um nicht im Felde von Etikettierungen (Linken) masslos wie der Reichtum ist, umherzuirren.
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