Direkt vom WEF Wirtschaftsminister: «Trump kann offenbar auch zuhören»

  • SRF 1 hat live vom WEF berichtet. Debatten und Interviews mit wirtschaftlichen Schwergewichten und Politgrössen haben glasklar gezeigt, was der Welt unter den Nägeln brennt: Trump als neuer US-Präsident.
  • Doch auch andere Fragen haben zu reden gegeben: der Brexit, der Aufstieg der Populisten hier und da, die sich immer weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich und die sich scheinbar stetig vergrössernde Distanz zwischen politischer Elite und bürgerlicher Basis.

WEF 2017

Der Ticker ist abgeschlossen.
  • 18 :09

    Mit diesem doppelten Fazit schliessen wir unsere Live-Berichterstattung vom WEF 2017. Wir bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit.

  • 18 :00

    Und am Ende unseres WEF-Tages die Schlusseinschätzung unserer WEF-Experten Reto Lipp und Stephan Klapproth. Was nehmen sie mit aus Davos?

    Reto Lipp: «Die globale Elite hat sehr wohl verstanden, dass sie ein Glaubwürdigkeitsproblem haben. Das Verständnis ist nicht das Problem, aber eine Lösung fehlt. Grund dafür ist auch, dass die CEOs von heute wahnsinnig ausgelastet sind und kaum Zeit haben, sich grundsätzliche Frage zu stellen.»

    Stephan Klapproth: «Zwei Sachen sind mir besonders aufgefallen. Erstens, dass die westlichen Wirtschaftsführer dem chinesischen Präsidenten als Verfechter des Freihandels applaudiert haben. Und zweitens: Merken Sie sich Trumps Berater Anthony Scaramucci. Der hat hier in Davos Eindruck gemacht.»

  • 17 :57

    Schneider-Ammann: «Geben wir Trump eine Chance»

    Um den neuen US-Präsidenten einzuschätzen, kann Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann auf ein exklusives Erlebnis – sein Telefonat ins Oval Office – zurückgreifen. «Am Telefon habe ich feststellen können, dass Donald Trump auch zuhören und ruhig sein kann. So gesehen hat er mir Eindruck gemacht.»

    Er habe dem baldigen Präsidenten am Telefon durchaus auch die Position der Schweiz klargemacht, berichtet der Finanzminister. Er habe ihm gesagt, dass «die kleinen Länder offene Märkte brauchen – und dass sich die Schweiz nach Kräften gegen Protektionismus zur Wehr setzen wird.»

    Ein Urteil über Donald Trump will sich Schneider-Ammann, jetzt bevor dieser sein Amt angetreten hat, nicht anmassen. So oder so ruft er zur Zuversicht auf: «Geben wir ihm eine Chance. Wir haben eh keine Wahl.»

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    Vom Telefonat mit Trump

    0:51 min, vom 18.1.2017

  • 17 :39

    Die Grossbank ist optimistisch

    Credit Suisse-Chef Tidjane Thiam will sich weder durch Trump noch durch den Brexit verunsichern lassen: «Wir sind immer wieder mit Veränderungen konfrontiert, aber als grosse Bank haben wir die besten Möglichkeiten zu reagieren.»

    Auch die Nachfrage von Stephan Klapproth, dass Unsicherheit doch Gift für die Banken sei, lässt Thiam kalt: «Wir sind wirklich positiv gestimmt. Das Wachstum in den USA ist stark und wird noch anhalten. Auch China sehen wir positiv, und selbst Europa steht besser da als noch vor vier, fünf Jahren.»

    Auf die Perspektiven der Schweiz angesprochen, antwortet Thiam: «Es ist sicher kein Nachteil, ein sicheres Land in einer unsicheren Welt zu sein.»

  • 17 :27

    Die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCooper machen jedes Jahr am WEF eine Umfrage unter den Wirtschaftsführern, um der Stimmung den Puls zu fühlen. CEO Bob Moritz berichtet von positiven Resultaten: «Die Befindlichkeit ist gut, vor allem kurz- und mittelfristig. Langfristig befürchtet man mehr Risiken.»

    Eine grosse Herausforderung sei jedoch das verlorene Vertrauen der Öffentlichkeit: «Alle haben das Vertrauen verloren: Nicht nur die CEOs, auch die NGOs und die Medien. Wir brauchen eine bessere Verbindung, eine bessere Vernetzung mit der Öffentlichkeit, um zu zeigen, dass wir eine wichtige Rolle haben», so Moritz.

  • 17 :20

    Reto Lipp tauscht sich mit zwei CEOs über deren ramponiertes Image aus. Eine Umfrage zeige, dass die Menschen einem Durchschnittsbürger mehr vertrauten als einem Manager.

    Dazu Björn Johansson, CEO Dr. Bjorn Johansson Associates, relativiert: «Man sollte nicht jeder Umfrage trauen.» Doch er räumt ein: «Ich bin einverstanden, dass das Vertrauen in Firmenführer erodiert.» Das hänge auch mit historischen Veränderungen zusammen: «Früher waren die CEOs von Schweizer Firmen Schweizer, heute sind sie mehrheitlich Ausländer.» Weiter müsse man in Betracht ziehen, dass die heutigen Manager im Durchschnitt 4,6 Jahre auf ihren Positionen sässen. Früher habe ihre Lebensdauer 10 bis 20 Jahre betragen. Abgesehen davon betont Johansson, dass der CEO nicht für alles verantwortlich sei. Bei Kritik müsse das ganze Management-Team betrachtet werden.

    Colin Price, Executive Vice President von Heidrick & Struggles, streicht mit Blick auf die verschärfte Kritik an den Managern die Rolle der Medien heraus: «Wir leben in einer Zeit, in der dank Presse und Sozialen Meiden viel Transparenz herrscht. Sie erlaubt allen Kunden, eine Meinung zu haben – auch über den CEO.»

  • 17 :06

    Die Schweiz ist vorne mit dabei

    Zur Schweizer Wirtschaft haben wir heute noch eher wenig gehört, das WEF beschäftigt sich ja auch überwiegend mit globalen Fragen. Aber das Gespräch mit Adecco-CEO Alain Dehaze greift das Thema auf. Die Schweiz sei nach wie vor eine Top-Wirtschaftsnation und führe die Rankings an, meint Dehaze.

    Was braucht es, dass dies so bleibt? «Es ist wichtig, dass die Schweiz im internationalen Wettbewerb um Talente mithalten kann. Auch steuerlich muss das Land attraktiv bleiben. Aber wenn sich die Schweiz weiter so entwickelt, muss man keine Angst vor einem Abstieg haben», so der Geschäftsführer des bekannten Personalvermittlers.

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    Dehaze: «Die Schweiz hat viele Stärken»

    0:33 min, vom 18.1.2017

  • 16 :45

    Auch der altgediente französische Wirtschaftswissenschaftler Jacques Attali beschäftigt sich mit dem Phänomen Trump.

    Von Klapproth gefragt, was das Geheimnis des neuen Präsidenten sei, erwidert Attali: «Trump hat ja nicht überzeugt, er hatte Millionen weniger Stimmen als Clinton. Aber er wurde aufgrund eines bizarren Systems gewählt.»

  • 16 :39

    Nun geht es um die Beziehungen zwischen den USA und Russland. Russland-Kenner Bill Browder prognostiziert, dass der Umgang mit Russland auch für eine Regierung Trump schwierig bleiben werde. «Jeder Präsident denkt von sich, er sei der charmanteste Mann auf der Welt und könne deshalb mit dem russischen Präsidenten verhandeln. Aber sowohl Bush als auch Obama sind gescheitert.» Was immer Trump glaube, erreichen zu können, es werde ihm nicht gelingen.

    Video «Browder an Trump: «Vertraue Putin nicht» (Originalton)» abspielen

    Browder an Trump: «Vertraue Putin nicht» (Originalton)

    0:39 min, vom 18.1.2017

  • 16 :35

    Die Frauen für Technik interessieren

    Reto Lipp blickt auf die Technologie-Branche und lotet sie mit zwei Frauen aus: Lauren Flaherty, CEO von CA technologies und Maria Grazia Pecorari, Strategiechefin von Global Services.

    Warum immer noch so wenige Frauen in ihrer Branche arbeiteten, fragt der SRF-Redaktor. Laut Pecorari sei die Förderung der Frauen schon früh in deren Werdegängen gehemmt: «Schon an den Universitäten gibt es weniger Absolventinnen. Man muss bereits Mädchen für Mathematik interessieren. Das zeichnet den späteren Weg vor.»

    Ob Quoten helfen würden, will Lauren Flaherty nicht bestätigen: «Aus der Datenlage weiss man, dass Quoten zwar die Zahlen verbessern. Aber die Veränderung in den oberen Führungsetagen tritt nicht ein. Das heisst, man muss das Problem ganzheitlicher betrachten.» Konkret fordert sie ein gutes Mentoring und die Garantie einer guten Work-Life-Balance. Denn: «Es ist immer noch so, dass Frauen Kinder kriegen.»

  • 16 :18

    Mit Harvard-Professorin Iris Bohnet spricht Reto Lipp über das Problem der vielzitierten Blase, in der viele Menschen leben und denken – und die verhindert, dass wir andere Meinungen überhaupt noch wahrnehmen. Auch Bohnet gibt zu: «In meinem Freundeskreis denken alle ähnlich. So kenne ich praktisch niemanden, der für Trump gestimmt hat.»

  • 16 :15

    Die Brexit-Frage

    Am WEF wird viel darüber diskutiert, ob man die Globalisierung bremsen oder zumindest mehr kontrollieren müsse. Auch Paul Rowlinson, Chairman von Baker & McKenzie, macht sich Gedanken: «Man müsse die Globalisierung steuern, heisst es. Doch wie geht das? Das ist eine gute Frage.»

    Was den Austritt Grossbritanniens aus der EU betrifft, meint er: «Ein Hard Brexit muss auf jeden Fall vermieden werden. Wir haben nur zwei Jahre. Fünf Jahre wären realistisch.»

  • 16 :03

    Nun geht es um Grossbritannien und in diesem Zusammenhang natürlich um den Brexit. Nachdem Premierministerin Theressa May gestern ihren Willen zu einem klaren Schnitt mit der EU bekräftigt hatte, meint der CEO von Deloitte Schweiz, Simon Owen: «Gut, haben wir nun Klarheit.»

    Die englische Regierungschefin wird morgen in Davos erwartet.

  • 15 :41

    Meg Withman rät, von einem allzu ganzheitlichen Absatz abzusehen. «Was das Ziel einer Gemeinschaft ist, wird je nach kulturellem Hintergrund der Menschen und je nach wirtschaftlichem Entwicklungsstand der Gesellschaft unterschiedlich interpretiert. Mit den Sozialen Medien gibt es zwar wunderbare Kanäle, um diese Unterschiede zu überwinden. Aber die grundlegenden Differenzen dürfen wir nicht leugnen.»

    In diesem Sinn pocht sie auf eine Nivellierung der Unterschiede: «Es gibt 4 Milliarden Menschen auf der Welt, die nicht vernetzt sind. Das ist sicher ein Ziel, das es anzugehen gilt.»

  • 15 :27

    Die Gesellschaft als Orchester

    Ahmad Sarmast, Gründer des Nationalen Musikinstituts Afghanistans, bemüht das Bild des Orchesters: «Wenn verschiedene Menschen zusammenspielen, kommt etwas Schönes dabei heraus.» Und insofern die Politik ganz offensichtlich von der Musik lernen könne, sei es unerlässlich, in die Kunst und Kultur zu investieren.

    Mit der Dokumentarfilmerin Sharmeen Obaid-Chinoy wohnt eine weitere Kulturschaffende dem Panel bei. Sie streicht die Bedeutung des Geschichten-Erzählens heraus: «Geschichten erzählen ist eine gute Methode, um Mitgefühl auszulösen. Ferner muss man die Menschen manchmal etwas bremsen. Sie sollen nicht nur Medien konsumieren, sondern sich vielleicht auch einmal einen Film anschauen, der von jemand ganz anderem erzählt.»

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    Obaid: «Die jungen Menschen sehen die Wahrheit.»

    0:46 min, vom 18.1.2017

  • 15 :20

    Sheryl Sandberg, Mitglied der Geschäftsleitung von Facebook und nebst Lagarde eine weitere Debatten-Teilnehmerin, weist auf die zeitliche Gebundenheit der Menschen hin: «Wir müssen ein gemeinsames Verständnis der Vergangenheit haben und ein gemeinsames Ziel für die Zukunft. Die Frage der Resilienz war noch sie so relevant wie jetzt. Wie schaffen wir angesichts von Flüchtlingskrise und Terrorismus-Gefahr widerstandsfähige Gemeinschaften?»

    Ihr pflichtet Meg Whitman, Präsidentin und CEO Hewlett Packard, bei: «Um positive Geschichte zu scheiben, müssen wir uns überlegen, wie es dazu kommen konnte, dass wir hier stehen, wo wir stehen.»

  • 15 :14

    Aller Schwierigkeiten zum Trotz blickt Umfragen zufolge ein überwiegender Teil der Menschheit optimistisch in die Zukunft. Die aktuelle Diskussion beschäftigt sich mit der Frage, was Führungspersönlichkeiten tun können, um diesen Optimismus zu nutzen. Auf dem Podium sitzt unter anderem Christine Lagarde, Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF).

  • 14 :58

    Der Vorwurf, in einem Elfenbeinturm zu arbeiten, trifft nicht nur das WEF, sondern immer auch wieder die Universitäten. Grund genug für Stephan Klapproth, den ETH-Präsidenten mit dem entsprechenden Vorwurf zu konfrontieren. Doch Lino Guzzella weiss sich zu wehren: «Die ETH ist offen, geht auf die Gesellschaft zu. Sie gehört der Schweiz und ist für die Schweiz da.»

    Von Klapproth gefragt, ob denn Wissen weiterhin standortgebunden kultiviert werden könne, antwortet der ETH-Präsident: «Das Wissen ist nur ein kleiner Teil. Es braucht viel mehr, etwa Kreativität. Die kann man nicht über ein App herunterladen. Insofern wird die lokale Verankerung des Wissens fundamental bleiben.»

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    «Maschinen ersetzen Menschen nicht»

    0:28 min, vom 18.1.2017

  • 14 :52

    Shakira 'versetzt' Klapproth

    Eigentlich hätte in diesen Minuten Popstar und UNO-Botschafterin Shakira im SRF-Studio erscheinen sollen. Sie ist aber nicht bei Stephan Klapproth aufgetaucht. Er hatte sie zuvor aber bereits an einer Veranstaltung getroffen und nach ihrer Botschaft gefragt. Shakiras Aufruf: «Politik und Wirtschaft müssen enger zusammenarbeiten.»

    Video ««Private und öffentliche Hand müssen zusammenarbeiten»» abspielen

    «Private und öffentliche Hand müssen zusammenarbeiten»

    0:21 min, vom 18.1.2017

  • 14 :43

    Stefan Klapproth im Gespräch mit einem Gewerkschafts-Chef: Philip Jennings, Generalsekretär der UNI Global Union – einem internationaler Gewerkschafts-Dachverband. Er sieht schwarz mit Blick auf die neue US-Präsidentschaft. «Trump kann die Versprechen, die er gemacht hat, nicht einhalten. Schauen sie sich doch an, wer in seiner Regierung sitzt. Millionäre und Milliardäre. Nur für Jachten schafft Trump Platz.»

    Als SRF-Redaktor Klapproth erwidert, dass der neue Präsident doch Arbeitsplätze schaffen wolle, entgegnet Jennings: «Es geht nicht nur um die Arbeitsplätze, die er zurückholen will, sondern auch um die Arbeitsbedingungen. Man weiss, dass sich Trumps Arbeitsminister selbst nicht an die Vorgaben gehalten hat.»