Zahnbürsten-Herstellerin Trisa putzt sich heraus

Die Luzerner Firma Trisa produziert seit 128 Jahren Zahnbürsten in der Schweiz. Fast alle werden exportiert, weshalb der Frankenschock die Firma vor grosse Fragen stellte. Trisa hat die Antwort in der Automation von Abläufen gefunden. Und beschäftigt heute sogar mehr Angestellte.

Eine Mitarbeiterin sitz an einem Fliessband und hält einige Zahbürsten in die Luft. Sie trägt ein Haarnetz und einen hellblauen Anzug. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Bild täuscht: Für die Produktion der Zahnbürsten braucht es bei Trisa fast keine Menschen mehr. zvg

1 Million Zahnbürsten produziert Trisa jeden Tag in den Fabrikhallen im luzernischen Triengen. Die Produktion funktioniert vollautomatisch - von der Herstellung der Borsten bis zur Verladung auf den Zug. Trisa-Chef Adrian Pfenniger geht hinter einem Palett her, das in eine neue, riesige Lagerhalle mit rund 15 Regal-Stockwerken führt. Der Lift kommt automatisch, greift nach dem Palett und bringt es an den richtigen Platz.

Dieses Lager ist erst seit Kurzem in Betrieb. Vor vier Jahren, als der Franken gegenüber dem Euro zum ersten Mal ausschoss, hatte Trisa den Bau dieser Halle noch gestoppt und die Grossinvestition aufgeschoben. Dieses Mal nicht. «Wir sind nun zeitlich unabhängiger, können gleichzeitig ein- und auslagern. Seit dem Bau der Halle können wir die Prozesse auch besser organisieren und so Kosten einsparen», erklärt Pfenninger.

Mehr Angestellte als zuvor

Einen grossen Teil der Lagerhaltung hatte man vorher an Dritte vergeben. Nun macht das der Computer für Trisa - effizienter und günstiger. Die Automatisierung habe viel Wachstum gebracht, gar mehr Mitarbeitende als früher. Heute sind es rund 1'200. Sie arbeiten nun weniger in der Produktion, dafür mehr im Einkauf, im Verkauf, im Marketing und in der Forschung.

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Aufhebung des Mindestkurses

Am 15. Januar 2015 um 10.30 Uhr hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) praktisch alle überrascht: Sie hob den Euro-Mindestkurs von 1.20 Franken per sofort auf. Innert Minuten wertete sich der Franken – schockartig – um über 15 Prozent auf. Der Mindestkurs war im September 2011 eingeführt worden und sollte die Schweizer Wirtschaft stützen.

Zurück im Büro erzählt Adrian Pfenninger vom 15. Januar 2015, dem Tag, als die Nationalbank ihre Geldpolitik änderte. «Ich war geschockt und ging sofort zu den europäischen Kunden, um ihnen zu versichern, dass Trisa die Preise nicht erhöhen werde.» Bei einem Konsumgut sei das unmöglich. Wer zahle denn plötzlich 1.20 Euro statt 1 Euro für eine Zahnbürste, fragt Pfenninger, ohne eine Antwort zu erwarten.

Für die Firma sei der Preisaufschlag hart zu verkraften gewesen. Denn wenn gleich viele Zahnbürsten verkauft werden, dafür aber bis zu 20 Prozent weniger in die Kasse kommt, gibt es nur eine Devise - sparen. Die Mitarbeitenden mussten bei gleichem Lohn länger arbeiten. Dafür musste niemand entlassen werden. Das obligate Trisa-Fest für alle Mitarbeitenden samt Anhang fiel im 2015 trotzdem dem Sparen zum Opfer.

Standort Schweiz ist auch Vorteil

Der Standort Schweiz und die Angestellten in der Schweiz seien für das Gedeihen der Firma extrem wichtig, sagt Pfenninger. Die Firma liege in der Nähe von anderen zahnmedizinischen Schweizer Firmen. Dazu komme die 128-jährige Erfahrung und Kultur von Trisa. Das alle unterstütze die Entwicklung neuer Produkte.

Adrian Pfenniger führt den Betrieb in der vierten Generation. Er ist froh, als Familienunternehmen nicht kurzfristige Interessen der Aktionäre erfüllen zu müssen, zum Beispiel Mitarbeiter zu entlassen für ein besseres Ergebnis, um hohe Dividenden auszubezahlen. Doch die Situation bleibt herausfordernd. Trisa spart, schnallt den Gürtel enger - auch als Familie - und wünscht sich, dass der Wechselkurs im neuen Jahr die 1.10 Fr.-Grenze bald knackt.