«Zeitungen werden noch teurer werden»

Für viele Zeitungen wird man dieses Jahr mehr bezahlen müssen. Das entspricht einem Trend: Zwischen 2010 und 2016 sind die Schweizer Zeitungsabos im Durchschnitt um 22 Prozent teurer geworden, wie die Werbewoche berechnet hat.

Zeitungen: Immer weniger Werbeeinnahmen

3:16 min, aus SRF 4 News aktuell vom 06.01.2016

SRF News: Wenn die Abonnemente für Zeitungen Immer teurerer werden, verprellt man damit nicht die Letzten, die noch Zeitungen abonniert haben?

Christoph Zimmer: Früher stammten rund 80 Prozent der Einnahmen einer Zeitung aus der Werbung. Heute sind es oftmals weniger als 50 Prozent, auch im vergangenen Jahr sind die Werbeeinnahmen der Tageszeitungen um 10 Prozent zurückgegangen. Deshalb bleibt den Zeitungen nichts anders übrig, als die Leser davon zu überzeugen, dass sie einen höheren Beitrag leisten müssen. Das hat nicht nur die Tamedia-Gruppe, sondern das haben auch die anderen Zeitungen in den letzten Jahren gemacht.

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Christoph Zimmer

Zimmer ist Leiter der Unternehmenskommunikation und Investor Relations der Tamedia AG. Er studierte an der Universität St. Gallen. 2009 bis 2014 war er verantwortlich für den Tamedia-Neubau.

Sind die Leute bereit, mehr zu bezahlen?

Tageszeitungen sind in der Schweiz im Vergleich zur Kaufkraft in anderen Ländern deutlich günstiger. Deshalb sind die Leserinnen und Leser bereit, diesen Mehrpreis zu bezahlen. Der Mehrpreis kommt ja nicht zuletzt zu Stande, weil auch in digitale Angebote investiert wird. Und diese Angebote schätzen die Leserinnen und Leser, darum sind sie bereit, mehr dafür zu bezahlen.

Sind die steigenden Abopreise ein Eingeständnis, dass die Zeitungen keine Ahnung haben, wie sie die sinkenden Einnahmen im Werbemarkt wettmachen sollen?

Zeitungen hatten früher sozusagen regionale Monopole auf Werbung. In vielen Regionen gab es eine oder vielleicht zwei Tageszeitungen. Heute spielt ein Wettbewerb auf internationaler Ebene. Dadurch sind die digitalen Werbeeinnahmen tiefer, als sie früher bei der Zeitung waren. Das heisst, es führt kein Weg daran vorbei, die Leserinnen und Leser davon zu überzeugen, dass sie einen höheren Beitrag zahlen müssen. Das wird die Zukunft für Tageszeitungen sein. Es bleibt sicher bei einem Modell, bei dem die Zeitungen durch Werbung finanziert werden, aber der Anteil der Leser wird höher sein.

Bedeutet das, dass die Print-Abos immer teurer werden?

Ich glaube, es hängt ganz wesentlich davon ab, wie sich die digitale Nutzung verändert. Dort spielen ganz andere Kostenfaktoren eine Rolle. Eine Zeitung wird nicht mehr täglich in einen Briefkasten zugestellt, sondern sie wird per Tablet, Computer oder Smartphone abgerufen. Deshalb sind digitale Abonnemente auch günstiger als gedruckte Zeitungsabonnemente. Das wird sicherlich einer der Faktoren sein. Aber in der Tendenz muss man davon ausgehen, dass Zeitungen in der Schweiz wie auch in fast allen westlichen Ländern weiterhin teurer werden.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.