Dieses Video kann leider nicht abgespielt werden. Inhalte mit Geoblocking können nur in der Schweiz abgerufen werden.Geoblocking: Mehr Informationen
14.06.20205769 Ansichtenverfügbar bis 21.06.2020

Zum Beispiel Suberg

In nur drei Jahrzehnten hat sich Suberg vom verschlafenen Bauern- zum anonymen Schlafdorf entwickelt. Mit feinsinnigem Humor zeigt der Filmemacher Simon Baumann am Beispiel seines Heimatdorfes die Veränderungen: Vereinsamung, Zersiedelung und der Druck der Rentabilität in einer globalisierten Welt. Simon Baumann lebt seit seiner Geburt in Suberg. Doch 32 Jahre lang hat der Filmemacher («Image Problem», 2012) das Dorf und seine Bewohnerinnen und Bewohner erfolgreich ignoriert. Anders als sein Grossvater, der als Bauer ein starker Ring in der Kette der Dorfgemeinschaft war, kennt Simon hier kaum jemanden. Aber viele kennen ihn: Seine Eltern waren das erste Nationalratsehepaar der Schweiz und haben sich als linke Politiker im Dorf viele Feinde geschaffen. Auf der Suche nach Anschluss trifft Simon deshalb nicht nur auf offene Türen, man droht ihm sogar mit Handgreiflichkeiten. Zu Zeiten von Grossvater Baumann war Suberg noch von einer kleinbäuerlichen Struktur geprägt. 14 Landwirtschaftsbetriebe belebten das Dorf. Die Bauern waren aufeinander angewiesen und halfen sich gegenseitig aus. 40 Jahre später ist die Einwohnerzahl von Suberg leicht gestiegen und die Anzahl der Haushalte hat sich verdoppelt. Aber nur die wenigsten Subergerinnen und Suberger arbeiten im Dorf. Bauernbetriebe gibt es gerade noch zwei. Wer wie Simon Baumann im Dorf nicht nur schlafen, sondern auch am Leben teilnehmen möchte, hat ein Problem: Es fehlt an Orten der Begegnung. Wohl gibt es noch einen Bahnhof und ein Schulhaus, aber schon lange keine Post und keinen Dorfladen mehr. Die ehemalige Dorfbeiz ist einem Restaurant für gehobene Ansprüche gewichen. Also versucht der Filmemacher, den ehemaligen Dorfplatz zu reanimieren, spricht mit Menschen, die das Dorf geprägt haben, und findet auf der Suche nach dem Lebensgefühl seiner Vorfahren schliesslich im Männerchor eine letzte, kleine, ebenfalls vom Aussterben bedrohte Oase des Gemeinsinns.

Mehr von CH:Filmszene

Mehr aus der Sendung

Auch interessant