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10.01.20219226 Ansichten

Winterschwimmer – Die belebten Teiche von London

Sommers wie winters schwimmt eine verschworene Gruppe von Männern und Frauen in den Teichen des Londoner Parks Hampstead Heath. Selbst von Eis und Schnee lassen sie sich nicht abhalten. In den wechselnden Stimmungen der Szenerie finden sie nicht nur Bewegung und Spass, sondern auch inneren Frieden.

Als der 14-jährige Roy mit seinen Eltern vom Land in die Grossstadt London zog, fühlte er sich völlig verloren. Doch dann entdeckte er den nahen Park mit seinen Teichen. «Ich fühlte mich wie im Himmel», sagt er heute und kommt auch jetzt noch, mit 87 Jahren, zum Schwimmen hierher. Im hektischen Chaos der Grossstadt, in der mehr Menschen als in der ganzen Schweiz leben, sind die drei Teiche mehr als eine Insel der Ruhe. Hier schlottern die Menschen gemeinsam, wenn es kalt ist, aber sie witzeln auch und lachen, sie grübeln, weinen und trösten sich. Wer Gemeinschaft sucht, findet sie hier, und wer lieber für sich allein sinniert, kann auch das tun. Die Filmemacher Patrick McLennan und Samuel Smith porträtieren die Schwimmerinnen und Schwimmer und ihre Teiche über ein ganzes Jahr hindurch. Im Sommer finden sie ein überfülltes Bad, in dem die Tücher Saum an Saum liegen – «wie im Computerspiel Tetris», scherzt einer. In den kühleren Saisons, vor allem aber im Winter, treffen sich dann die Unentwegten. Der Winter ist auch die Zeit der tieferen Gespräche, in denen sich die Badegäste einander öffnen. So trifft man etwa die nachdenkliche Carrie, die zuerst ihre Mutter und Schwester wegen Brustkrebs verlor, und kurz darauf selbst die gleiche Diagnose erhielt. Hier tröstet sie sich singend und schwimmend und gedenkt ihrer beiden Lieben. Auch Red findet Trost in der poetischen Umgebung des Gewässers. Als junger Mann haderte er mit seiner schleichenden Krankheit, die ihm das Augenlicht nahm. Dann aber begann er sein Leben neben der Krankheit zu entdecken und sagt heute: «Wenn ich hier schwimme, vergesse ich, dass ich blind bin.» Das Auf und Ab der Lebensgeschichten verschmilzt in diesem feinsinnigen Film mit der Melancholie der wechselnden Jahreszeiten.

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