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14.10.20214134 Ansichtenverfügbar bis 21.10.2021

«Der Affront» – Tiefsinniges Drama

Wegen einer Banalität geraten Toni, Libanese und Christ, und Yasser, palästinensischer Flüchtling, aneinander. Die beiden landen vor Gericht und die Situation eskaliert. Eine höchst aktuelle, Oscar-nominierte Fabel aus dem Libanon über die Folgen einer verpassten Vergangenheitsbewältigung.

Aus Tonys (Adel Karam) Balkon in Beirut ragt ein seltsames Abflussrohr. Als er die Blumen auf seinem Balkon giesst, tropf Wasser auf Yasser Abdallah Salameh (Kamel el-Basha), Bauleiter eines Arbeitertrupps, der gerade in der Nähe beschäftigt ist. Yasser weist seine Arbeiter daraufhin an, das Rohr zu entfernen und stattdessen eine Leitung zum Fallrohr zu legen. Tony rastet völlig aus, er zerschlägt das neue Rohr mit einem Hammer – und wird daraufhin von Yasser beschimpft. Der Bauunternehmer Talal (Talal Jurdi) versucht zu vermitteln. Doch als Yasser eine Entschuldigung verweigert, eskaliert die Situation weiter und es kommt zu einer Schlägerei. Tony zieht Yasser daraufhin vor Gericht. Das folgende Gerichtsverfahren hat wenig mit dem banalen Wasserrohr zu tun, als vielmehr mit den darin involvierten Personen: Tony ist christlicher Libanese, Yasser ein palästinensischer Flüchtling. Und die beiden begegnen sich weniger als zwei Individuen, als vielmehr Repräsentanten ihrer jeweiligen Volksgruppe. Während der Fall sich vom Gericht immer mehr in die Öffentlichkeit verlagert, werden bei beiden Männern schmerzhafte Erinnerungen an den Bürgerkrieg wach. In «Der Affront» setzt sich Regisseur Ziad Doueiri mit den eigenen Wurzeln auseinander: 1963 geboren, erlebte er den Bürgerkrieg im Libanon als Jugendlicher und floh vor dessen Auswirkungen in die USA. Die Traumata, die auch seine beiden Protagonisten belasten, wurden mit der libanesischen Generalamnestie 1991 unter den Tisch gekehrt, wodurch die im Krieg verübten Menschenrechtsverletzungen ohne Folgen blieben. Gemäss epd Film zeigt «Der Affront» auf, was aus dieser verpassten Vergangenheitsbewältigung resultiert: «Ohne pädagogische Peitsche legt Doueiri die gefährlichen Mechaniken von Eskalationsspiralen offen und zeigt, wie aus (religiösem) Fanatismus, oberflächlichen Verallgemeinerungen, Vorurteilen und von Emotionen gesteuerten Diskursen ein wahrlich explosives Gemisch werden kann. Wie universell dieser Dominoeffekt ist, davon kann man sich ja derzeit leider fast täglich in den Medien überzeugen. Dass es in «Der Affront» völlig egal zu werden scheint, wer den Fall gewinnt, ist grosses Kino. Und zugleich steckt darin die traurige Erkenntnis, dass Doueiris Film kraft seiner Imagination der Wirklichkeit einen Schritt voraus ist.» Doueiri lernte das Filmhandwerk unter anderem auf dem Set von Quentin Tarantino, bei dessen Filmen er bis Ende der 1990er-Jahre als Kameraassistent mitarbeitete. Danach begann er als Regisseur und Drehbuchautor eigene Filme zu drehen. «Der Affront» war für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert und Kamel el-Basha – der Yasser im Film – wurde bei den Filmfestspielen von Venedig als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. «Der Affront» ist nicht nur top aktuell, sondern unterhält auch bestens. In «Delikatessen» ist er in Zweikanalton zu sehen.

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