Dieses Video kann leider nicht abgespielt werden. Inhalte mit Geoblocking können nur in der Schweiz abgerufen werden.Geoblocking: Mehr Informationen
19.11.20205610 Ansichtenverfügbar bis 26.11.2020

«Der Mann, der Don Quixote tötete» – Von Kultregisseur Terry Gilliam

An der Seite seines wahnsinnigen Don-Quixote-Darstellers stürzt ein Regisseur sich als Sancho Panza in ein tumultuöses Abenteuer. Terry Gilliam bringt sein Lebensprojekt nach einer langwierigen Entstehungsgeschichte doch noch auf die Leinwand – mit Adam Driver und Jonathan Pryce. Free-TV-Premiere.

Erfolgsverwöhnt und gelangweilt lümmelt der Werbefilmer Toby (Adam Driver) am Set seines neusten Clips in Spanien herum. Sein längst verloschenes Feuer lässt unverhofft eine Raubkopie seines Studentenfilmes wieder aufflackern: Vor vielen Jahren verfilmte Toby Cervantes Don-Quixote-Stoff mit einfachsten Mitteln, Amateuren und in schwarz-weiss. In einem Anflug von Nostalgie besucht der desillusionierte Filmer das Bergdorf von einst und seine Bewohner. Doch die Zeit ist nicht stehen geblieben: «Sein» Sancho Panza lebt nicht mehr, der Schuhmacher Javier (Jonathan Pryce), den Toby von der Werkstatt weg zum Don Quixote machte, scheint wahnsinnig geworden und noch immer in der Rolle des Ritters von trauriger Gestalt festzustecken. Zögerlich fügt Toby sich in der Rolle des Sancho Panza an die Seite des Don Quixote, teils aus Neugier, teils in der Hoffnung, etwas am Schicksal der blutjungen Wirtstochter zu ändern, die der Regisseur damals zu seiner Dulcinea gemacht und damit unwillentlich auf die schiefe Bahn gebracht hatte. Don Quixote und Sancho Panza brechen auf zu einem Abenteuer, in dem sich Realität und Fantasie, Vergangenheit und Gegenwart in einem wilden Trubel auflösen. «Und nun, nach über 25 Jahren des Schaffens und Abschaffens…» kündigen Texttafeln jenen Film an, dem der Filmemacher Terry Gilliam ein Vierteljahrhundert seines Lebens geopfert hat und dessen Entstehungsgeschichte sinnbildlich dafürsteht, was bei der Herstellung eines Filmes alles Erdenkliche schiefgehen kann. Der Dokumentarfilm «Lost in La Mancha» hatte schon 2002 die bizarren Widrigkeiten festgehalten, die einen früheren Quixote-Versuch Gilliams scheitern liessen. Nach dem Tod seines designierten Hauptdarstellers Jean Rochefort sowie seines Nachfolgers John Hurt ist erstaunlich, dass Gilliam in Jonathan Pryce nochmals eine so stimmige Besetzung des Quixote gefunden hat. Adam Driver mag die Selbstironie des einst vorgesehenen Johnny Depp abgehen, doch füllt er den Part des schnöseligen Künstlers ebenso gut aus wie er in jenen des von Idealen beseelten Abenteurers hineinwächst. Ob «Der Mann, der Don Quixote tötete» nun das Opus Magnum ist und all die Mühen dieser zahlreichen Jahre rechtfertigen kann, sei dahingestellt. Eines ist dieser bildgewaltige Film jedoch geworden: ein richtiger «Terry Gilliam» – grotesk und chaotisch, vollgepackt mit überraschenden Einfällen und Anspielungen und der Film gewordene Ausdruck von Terry Gilliams Erzählfreude und unverbrüchliche Liebe für das Kino. Schweizer Radio und Fernsehen zeigt «Der Mann, der Don Quixote tötete» als Free-TV-Premiere und zu Ehren von Regie-Altmeister Terry Gilliam, der am 22. November 2020 seinen 80. Geburtstag feiert.

Mehr von Film

Mehr aus der Sendung

Auch interessant