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08.04.20212928 Ansichtenverfügbar bis 15.04.2021

«Für Sama» – Aufrüttelnder Dokumentarfilm aus Syrien

Inmitten der Kriegswirren bringt eine junge Frau in Aleppo ein Mädchen zur Welt. Statt zu fliehen, zeichnet sie den Überlebenskampf in ein filmisches Tagebuch auf – für Sama. Persönlicher Dokumentarfilm zum Leiden der syrischen Zivilbevölkerung; ergreifend, doch keine leichte Kost. Free-TV-Premiere.

«Das einzige, was uns damals interessiert hat, war die Revolution», erzählt die 26-jährige Waad, Marketingstudentin an der Universität von Aleppo. Im Jahr 2012 beginnt sie mit ihrem Smartphone und einer Videokamera den Aufstand der Zivilbevölkerung gegen das Regime von Baschar al-Assad filmisch festzuhalten und auch Persönliches, so wie sie sich in den Medizinstudenten Hamza verliebt, der an den Demonstration Verwundete pflegt. Unter den Gräueltaten des Assad-Regimes, dem Fund lebloser von der Folter gezeichneter Körper und der unablässigen Bombardierung schwindet die anfängliche Aufbruchsstimmung der Einwohnenden Aleppos. Doch Waad und Hamza beschliessen, nicht zu flüchten, sondern auszuharren und zu helfen. In einer kleinen und einfachen Zeremonie mit Freunden heiratet das junge Paar. Nach der Bombardierung eines Spitals baut Hamza ein neues auf. Der Preis, den die Al-Kateabs zu bezahlen drohen, wird noch grösser, als Waad die kleine Sama auf die Welt bringt und dennoch nicht im Ausland Schutz sucht. Die Aufnahmen der jungen Filmemacherin sind nun Sama gewidmet. Als ahnte Waad bereits, dass von Aleppo nurmehr Trümmer übrigbleiben werden, bannt sie für Sama die geliebte Heimatstadt auf Film und was deren Bevölkerung erleiden muss. Das traurige Jubiläum von zehn Jahren seit dem Ausbruch der Unruhen begeht Syrien dieser Tage. Bilder und Augenzeugenberichte der Schandtaten an der syrischen Bevölkerung und mutwilliger Vernichtungsfeldzüge waren immer wieder zu sehen – doch zeigt «For Sama» den grausamen Konflikt auf einer persönlichen Ebene, die von neuem betroffen macht. Es sind Bilder, die mitunter schwer auszuhalten sind, auch von verzweifelten, verletzten und toten Kindern, daneben nüchterne Belege für die Luftangriffe auf die Zivilbevölkerung und nicht zuletzt auch unerwartete Momente, in denen das Leid von den Gesichtern der Nothelfenden abfällt, wenn jemand ein Lied anstimmt oder mit einem Kind spielt. Formal kann dieser mit einfachen Mitteln produzierte Dokumentarfilm der von einer Studentin zur Dokumentarfilmerin gewordenen Waad Al-Kateab zwangsläufig nicht allen ästhetischen Ansprüchen genügen, doch gelingt «Für Sama» die ureigenste Aufgabe des Dokumentarfilms aufs eindrücklichste: Er nimmt das Publikum mit nach Aleppo und zeigt, was dort vorgefallen ist – unmittelbar und ungeschönt.

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