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14.01.202110436 Ansichtenverfügbar bis 21.01.2021

«Womit haben wir das verdient?» – Österreichische Komödie

Als ihre Tochter zum Islam konvertiert, wird die Toleranz von Wanda arg strapaziert. Schliesslich war die Mutter einer Patchworkfamilie stets Vorkämpferin für Frauenrechte und Atheistin. Die leichtfüssige österreichische Komödie hinterfragt naive Selbstgewissheiten und dogmatische Verbissenheit.

Mutter Wanda (Caroline Peters) und Vater Harald (Simon Schwarz) warten auf der Couch der Therapeutin auf ihre 16-jährige Tochter (Chantal Zitzenbacher), damit die Familientherapie beginnen kann. Als Nina schliesslich auftaucht, fallen sie aus allen Wolken: Sie trägt einen Hijab und verkündet, dass sie heimlich zum Islam konvertiert ist, und zwar online. Sie will nun pünktlich beten, nur noch halal essen und ab sofort Fatima genannt werden. Wanda, die als Oberärztin arbeitet und seit der Scheidung von Harald glücklich mit einem jüngeren Mann zusammenlebt, kann als bekennende Atheistin nicht begreifen, wie das passieren konnte. Schon in WG-Zeiten kämpfte sie mit ihrer besten Freundin Elke (Pia Hierzenegger) für Frauenrechte, gegen Rassismus und die Auswüchse des Kapitalismus und glaubte bis anhin, dass ihre Patchworkfamilie ganz okay funktioniert. Jegliche Versuche, Nina zur Vernunft zu bringen, scheitern. Auch Harald, der mit seiner Neuen ein Kind erwartet, ist keine grosse Hilfe. Wanda sehnt sich nach der Zeit zurück, in der das Kiffen und Schulschwänzen ihrer Tochter ihre einzigen Sorgen waren. Als sie Hanife (Alev Irmak), die Mutter von Ninas muslimischer Freundin, trifft, findet sie ausgerechnet in ihr eine Verbündete. Denn Hanife kam als Kind mit ihren Eltern nach Österreich und ist fest entschlossen, ihre Tochter vor ebendem Frauenbild zu retten, das Nina neu zu verkörpern scheint. Die Weltoffenheit einer liberalen Wiener Patchworkfamilie kommt ins Schwanken, als die Teenager-Tochter zum Islam übertritt. Weltanschauungen prallen aufeinander, Sichtweisen verändern sich. Die Österreicherin Eva Spreitzhofer spielt in ihrem ersten Spielfilm mit Klischees und stellt dabei furchtlos und mit einer guten Portion Humor grosse Fragen. Das Filmbulletin lobt die Regisseurin: «Sie beherrscht die Regeln der Komödie souverän. Als Dialogautorin zielt sie treffsicher auf die Punchline. Sie nutzt stilsicher Boulevard und Slapstick und hat den Rhythmus im Griff. Auch ihr Casting erfüllt sämtliche Komödienwünsche.» Die Gratwanderung zwischen Reflexion und Anklage gelingt: «Spreitzhofer lässt zwar keine Zweifel aufkommen, was sie von Fundamentalismus hält, aber sie kämpft dagegen nicht mit dogmatischer Verbissenheit an, weil sie damit selbst in die fundamentalistische Falle tappen würde. Ihre Waffe ist reflektierte Komik.»

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