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14.05.20216680 Ansichtenverfügbar bis 21.05.2021

«Es ist kalt in Brandenburg (Hitler töten)» – Dokumentation über Maurice Bavaud

Dokumentation über das Leben des Schweizers Maurice Bavaud, der nach einem Attentatsversuch auf Hitler 1941 in Berlin hingerichtet wurde. Der Versuch der Autoren, die Stimmung jener Zeit und ihr Verhältnis zur Gegenwart nachvollziehbar zu machen, fördert Verdrängtes und Verstörendes zu Tage.

«Sie zogen mit Kamera und Tonband auf den Spuren des in der Schweiz jahrzehntelang totgeschwiegenen Hitler-Attentäters durch Frankreich, Deutschland und die Schweiz. Entstanden ist ein sehr trauriger Film», schrieb das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel nach der Premiere der Dokumentation «Es ist kalt in Brandenburg (Hitler töten)». Mit ihrem Versuch, den 1941 hingerichteten Schweizer Theologiestudenten Maurice Bavaud dem Vergessen zu entreissen, entfachten die Autoren Villi Hermann, Niklaus Meienberg und Hans Stürm einen rechten Aufruhr in der Schweiz, die sich plötzlich mit ihrer unmenschlichen Politik zur Zeit des Nationalsozialismus konfrontiert sah. Lange hatte man den Mythos gepflegt, die Schweiz sei nur dank ihrer entschlossenen Bürgerarmee vom Krieg verschont geblieben. Jene Schweizer aber, die gegen Nazi-Deutschland tatsächlich widerstanden hatten, wurden als Kommunistenfreunde verdächtigt. Einer, der wie Bavaud den Versuch, Hitler zu töten, mit dem Leben bezahltet hatte, wurde von den Schweizer Behörden als Nestbeschmutzer verunglimpft, alleingelassen und schliesslich totgeschwiegen. Der streng katholisch erzogene Maurice Bavaud wurde am 15. Januar 1916 in Neuenburg geboren. Spät berufen besuchte er die Missionsschule St. Ilan in der Bretagne, wo bei ihm der Entschluss wuchs, nach Deutschland zu reisen, um Hitler zu töten. Drei Mal, in Berlin, Berchtesgaden und München versuchte er, an Hitler heranzukommen. Das Unternehmen misslang. Im Zug München-Paris wurde er von der Gestapo aufgegriffen und in Berlin vom Volksgerichtshof 1939 zum Tode verurteilt. Nach 30 Monaten in der Todeszelle wurde Maurice Bavaud am 14. Mai 1941 hingerichtet, ohne dass von Bern oder von der Schweizer Vertretung in Berlin ernsthaft seine Rettung versucht worden wäre. Es war der bekannte deutsche Autor Rolf Hochhuth, der Bavauds Versuch, Hitler zu töten, in den 1970er-Jahren einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machte. Hochhuth hat dann auch Hans Stürm, Villi Hermann und Niklaus Meienberg dazu animiert, über den Fall Bavaud einen Film zu drehen. Nach dreissig Jahren Grabesruh leuchteten die drei Filmemacher in jenes Schweizer Nazi-Sympathisantennetzwerk, das vor, während und nach dem Krieg bis in die höchsten politischen, wirtschaftlichen und militärischen Kreise reichte. Der Einfluss der Leisetreter und Anpasser blieb lange wirksam. 1981 zeigte das Schweizer Fernsehen «Es ist kalt in Brandenburg» in einer zensierten Fassung. Grund: Im Film wird der damalige deutsche Bundespräsident Karl Carstens erwähnt, der Mitglied der NSDAP gewesen war. Ein früherer Leidensgenosse von Bavaud spekuliert im Interview, dass sich Carstens’ Gesinnung nach dem Krieg kaum gewandelt haben dürfte. Solche Aussagen hätten den anstehenden Schweizer Staatsbesuch Karl Carstens belasten können; deshalb griff das Schweizer Fernsehen zur Schere und strahlte den Dokumentarfilm ohne die entlarvende Szene aus. Um an den vor 80 Jahren hingerichteten Bavaud zu erinnern, zeigt Schweizer Radio und Fernsehen SRF «Es ist kalt in Brandenburg (Hitler töten)» diesmal in der integralen Fassung.

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