Die BuchKönig bloggt Nach «The Circle» dreht sich Dave Eggers im Kreis – leider!

Aus fünf Gründen halte ich Dave Eggers neuer Roman «Bis an die Grenze» für Zeitverschwendung. Zwar habe ich schon immer von einem Adventure-Trip durch die Weiten Alaskas geträumt. «Bis an die Grenze» sprengt aber keine Grenzen.

Annette König hält Dave Eggers neuen Roman «Bis an die Grenze» mit Daumen nach unten in den Händen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Bis an die Grenze» erhält von mir nur eine Krone Zu schwach der Ruf der Wildnis, zu banal der Plot. AK

Zusatzinhalt überspringen

Die BuchKönig

Die BuchKönig

Ich, Annette König, bin Redaktorin bei SRF Literatur. In meinem Bücher-Blog teile ich meine Lese-Leidenschaft mit allen, die Bücher lieben. Nebenwirkungen wie Herzklopfen, Melancholie, Heiterkeit, Verzauberung, Unbehagen und Anzeichen schwerer (Sprach)Verliebtheit sind nicht ausgeschlossen.

Bewertung: eine von fünf Kronen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bewertung: 1 Krone Colourbox

Nach «The Circle» wird Dave Eggers als neuer George Orwell gehandelt. Doch seither dreht sich der Starautor selber im Kreis.Sein neuer Roman «Bis an die Grenze» enttäuscht meine Erwartungen.

Die Geschichte

Das Buch handelt von einer alleinerziehenden Mutter. Sie heisst Josie, ist vierzig Jahre alt und vom Leben in der Grossstadt verbittert. Mit ihren beiden kleinen Kindern flüchtet sie in die Wildnis Alaskas. Dort reist sie mit ihrem lottrigen Wohnmobil «Chateau» planlos durch die Wälder und findet sich selbst:

«Josie fand es in diesem Moment wundervoll. Wundervoll, dass dieser fremde Mann Ende fünfzig seinen harten Penis an ihr rieb, im Chateau, im tiefsten Alaska.»

Ächz, Stöhn! Bitte Dave Eggers: keine weiteren Einzelheiten. Schön, dass Selbstfindung so einfach geht. Wie wäre es mit ein paar echten Lebensweisheiten, mit denen auch ich etwas anfangen kann?

«Josie blinzelte in das schwache Licht eines langen Sommerabends auf einem Rastplatz in Südalaska. Sie war an diesem Abend glücklich, mit ihrem Pinot, in diesem Wohnmobil in der Dunkelheit, umgeben von unbekannten Wäldern, und wurde mit jedem neuen Schluck aus ihrer gelben Plastiktasse ein bisschen weniger ängstlich.»

OK. Alkohol als das Allerweltrezept. Ich kapituliere.

Daumen rauf

Dave Eggers schildert realitätsnah die Lebenssituation einer alleinerziehenden Bad Mama.

Daumen runter

  • Der Plot ist banal: Eine Frau geht auf Selbstfindungs-Trip und erkennt in Alaskas Wäldern, dass sie die ist, die sie sein will.
  • «Bis an die Grenze» ist ein Entwicklungsroman. Doch leider ist Josie am Ende nicht gescheiter als am Anfang.
  • Dave Eggers Roman hört ausgerechnet dann auf, wenn die Geschichte interessant werden könnte.
  • Viele Klischees! Berufstätige Mütter sind schlechte Mütter. Staranwälte sind böse. Frustrierte Frauen haben wilden Sex in der Wildnis. Männer, die ihre Familien verlassen, sind schlechte Väter. Das Leben in der Natur ist besser als das in der Grossstadt.
  • Und Eggers Sprache kann den Roman auch nicht retten.
Grafik, die zeigt wie banal Romanhandlung ist Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Josies Lebensrhythmus in Dave Eggers «Bis an die Grenze» SRF

Das zerknüllte Cover von Dave Eggers neuem Roman «Bis an die Grenze» auf weissem Teller Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Annette König hat den neuen Roman von Dave Eggers mit Mühe verdaut AK

Der Autor

Dave Eggers wurde 1970 in Boston geboren. Er schreibt Romane, Erzählungen, Drehbücher und ist Verleger. Sein Roman «Der Circle» war weltweit ein Bestseller.

Das Buch: Dave Eggers: «Bis an die Grenze» (2017, Kiepenheuer & Witsch)