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Burka und Nikab: tolerieren oder verbieten?
Aus Forum vom 04.02.2021.
abspielen. Laufzeit 55:28 Minuten.
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Abstimmung «Verhüllungsverbot» Burka und Nikab: tolerieren oder verbieten?

Die Initiative «Ja zum Verhüllungsverbot» verlangt, dass religiöse Gesichtsschleier wie der Nikab verboten werden. Die Initiative führt aber auch zu Diskussionen über Religionsfreiheit und Toleranz. Wir diskutierten in der Sendung «Forum» mit Befürwortern, Gegnern und SRF 1-Hörerinnen und -Hörern.

Direkt zur Online-Diskussion

Am 7. März stimmt die Schweiz über die Initiative «Ja zum Verhüllungsverbot» ab. Für den Bundesrat und die Parlamentsmehrheit sind verschleierte Musliminnen ein Randphänomen. Schätzungen gehen davon aus, dass deutlich weniger als hundert Frauen in der Schweiz leben, die ihr Gesicht verhüllen. Deshalb wäre ein nationales Verhüllungsverbot übertrieben, sagt der Bundesrat.

Autonomie der Kantone

Ausserdem greife die Initiative in die Autonomie der Kantone ein: So haben zwei Kantone – Tessin und St. Gallen – ein Verhüllungsverbot beschlossen. Verschiedene andere – darunter Glarus, Schwyz und Zürich – haben ein solches jedoch explizit abgelehnt.

Symbol der Unterdrückung

Ganz anders schätzt das Egerkinger Komitee die Lage ein, das die Initiative lanciert hat: Das Komitee unter Führung von SVP-Nationalrat Walter Wobmann bezeichnet die religiöse Verschleierung als Symbol der Unterdrückung der Frauen. In unserem Kulturkreis sei es normal, dass alle Personen im öffentlichen Raum ihr Gesicht zeigten. Deswegen hätten die islamischen Gesichtsschleier Nikab und Burka in der Schweiz nichts verloren.

Mehr Sicherheit?

Ausserdem weisen die Initianten darauf hin, dass es in ihrer Volksinitiative auch um die Vermummung von Demonstrationsteilnehmern geht: Wer für ein politisches Anliegen auf die Strasse gehe, solle sich nicht hinter einer Maske oder einem Tuch verstecken dürfen. Das Verhüllungsverbot sorge also auch für mehr Sicherheit in unserem Land.

Grundsatzdebatte

Im Abstimmungskampf kommen auch grundsätzliche Fragen zur Sprache: Soll die Mehrheit einer kleinen Minderheit vorschreiben, welche Kleidung sie tragen darf und welche nicht? Und wie weit soll die Toleranz gehen: Kann man die Gesichtsverschleierung zwar ablehnen, aber gleichzeitig das Recht von anderen verteidigen, ihr Gesicht zu verhüllen?

Video
Pro und Contra Verhüllungsverbot
Aus 10 vor 10 vom 29.01.2021.
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Gäste im «Forum»

Über die Verhüllungsinitiative und über Fragen der Religionsfreiheit und Toleranz diskutierten am Donnerstag, 4. Februar 2021, in der Sendung «Forum» folgende Gäste mit Hörerinnen und Hörern (Radio SRF 1, 20 Uhr):

  • Gisela Widmer, Autorin und Kolumnistin aus Luzern. Sie setzt sich für ein Ja zur Initiative ein, weil sie ein Zeichen gegen die Unterdrückung der muslimischen Frauen setzen will.
  • Mariann Halasy, Sozialanthropologin aus Hinterkappelen (BE). Sie kämpft für ein Nein zur Initiative, weil das Verhüllungsverbot nicht zu unserem freiheitlichen Staat passe.

Diskutieren Sie mit!

Was halten Sie von der Initiative «Ja zum Verhüllungsverbot»? Diskutieren Sie jetzt schon online mit und schreiben Sie Ihre Meinung unten ins Kommentarfeld. Die Onlinediskussion fliesst am Donnerstagabend in die Livesendung ein.

Radio SRF 1, Forum, 04.02.2021, 20:03 Uhr

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197 Kommentare

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  • Kommentar von Niklaus Schmid  (n2sch7d)
    Ich möchte in einem Land leben, wo man sich das Gesicht zuwendet. Ich möchte, dass wir mit unserem Gesicht zu unserer Meinung stehen. Und ich möchte, dass wir das auch weiterhin ohne Nachteil machen dürfen.
    Wir Schweizer sind sehr tolerant, und das ist gut so. Aber einige Basics müssen auch wir verlangen: z.B. sich an die Gesetzte halten und sich unverhüllt den Anderen zuwenden.
  • Kommentar von Reto Meisser  (Reto Meisser)
    oh mann manchmal frage mich ob die Schweiz sich lächerlich mach mit ihren allen Abstimmungen.
    Ich war lange im Iran, und habe da unten sehr selten Frauen gesehen die Niqab getragen haben. Sie sind viel offener mit dem Thema umgegangen. Und am liebsten würde jede Frau ihren eigenen Weg gehen. Eine Frau darf durch die Kirche den Koran nie degradiert werden, wird sie aber bis heute und das wird schamlos ausgenutzt. Darum darf das hier nie zum Thema werden. Schweiz und Mut wann möglich.
    1. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Endlich einer, der das Problem beim Namen nennt: "oh Mann!" Nochmals für Sie: Hier ist nicht Orient, hier sind es nicht nur Niqab+Burka, sondern alle zur Schau gestellten, relig.Verhüllungen, die Frauen+Mädchen diskriminieren. Verhüllungen be/verhindern Sinne, Sport, freie Berufswahl. Aber auch die Männerwelt selber, sie merkt gar nicht, dass diese Verhüllungen ihnen unterstellt, haltlose Lustmolche zu sein. Das müsste ihnen eigentlich peinlich sein, zumal sie sich das selber eingebrockt haben!
  • Kommentar von Maria Kunz  (Toleranz)
    Wenn ich die Kommentare in dieser Diskussionsrunde lese, so erschrecke ich doch sehr über die Häme, die Intoleranz, die Respektlosigkeit und ja, auch den Hass, der hier den Musliminnen/Niqabträgerinnen entgegenschlägt. Und dies von Schweizer*innen, die in einem bislang freien, friedlichen Land, liberal und demokratisch, leben dürfen und viel Grund zu Dankbarkeit haben müssten.
    In Deutschland hat es auch so angefangen und zu einer furchtbaren Tragödie geführt. Wollen wir so etwas noch einmal?