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Hanspeter Rüegg und seine Frau stehen am Strand.
Legende: Auswandern mit 75 Jahren Hanspeter Rüegg und seine Frau leben mittlerweile in Brasilien. Vor fünf Jahren sind sie ausgewandert. zvg
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Altersmigration Wenn Pensionierte auswandern

Immer mehr Menschen über 65 verlassen die Schweiz und ziehen in ein anderes Land. Soziologin Marion Repetti erforscht dieses Phänomen.

Hanspeter Rüegg hat 75 Jahre lang in der Schweiz gelebt. Dann fasste er den Entschluss, mit seiner Frau nach Brasilien auszuwandern – eine Entscheidung, die ihn viel Mut kostete. «Mir war bewusst, dass es ein grosses Risiko ist, auszuwandern», sagt der heute 80-Jährige.

Er setzte sich das Ziel, vorerst fünf Jahre zu bleiben. Mittlerweile ist die Probezeit vorbei und Hanspeter Rüegg weiss ganz genau, wie es weiter gehen soll: «Hier in Brasilien bleibe ich.»

Mir war bewusst, dass es ein grosses Risiko ist, auszuwandern.
Autor: Hanspeter RüeggAuswanderer

So wie Hanspeter Rüegg, geht es immer mehr Rentnerinnen und Rentnern. Im Jahr 2019 lebten rund 168'000 pensionierte Schweizerinnen und Schweizer im Ausland. Im Vergleich zum Vorjahr sind es 5'300 Auswanderer mehr.

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Gemäss dem Bundesamt für Statistik hat das nicht nur damit zu tun, dass bereits ausgewanderte Schweizerinnen und Schweizer altern. Es wandern tatsächlich mehr ältere Menschen aus der Schweiz aus.

Angst vor der Altersarmut

Um herauszufinden, wieso Rentnerinnen und Rentner die Schweiz verlassen, ist Soziologin Marion Repetti nach Spanien gereist. Mehrere Wochen lang hat sie in einem Camper gelebt und mit Auswanderern vor Ort gesprochen.

Marion Repetti

Marion Repetti

Soziologin

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Marion Repetti ist Soziologin und Leiterin des Instituts für Soziale Arbeit der Fachhochschule Westschweiz-Wallis.

Meistens waren ökonomische Aspekte ausschlaggebend: «Viele Pensionierte gehen, weil sie mit ihrer Rente im Ausland besser leben können», sagt Marion Repetti. Durch das Auswandern wollen die Rentnerinnen und Rentner vermeiden, in der Schweiz in die Altersarmut abzurutschen. Dafür nehmen sie je nach Land andere Risiken in Kauf, wie eine unsichere Wirtschaft, ein fehlendes soziales Netz oder politische Unruhen.

Viele Pensionierte gehen, weil sie mit ihrer Rente im Ausland besser leben können.
Autor: Marion RepettiSoziologin

Dazu kommt, dass viele Rentnerinnen und Rentner darüber besorgt sind, ob sie sich in der Schweiz in Zukunft ihre Gesundheitsversorgung leisten können, sagt Repetti. Im Ausland fühlen sie sich sicherer, weil Arztbesuche und Versicherungen dort meist weniger kosten.

Mehr Wertschätzung im Ausland

Den Auswanderern geht es aber nicht nur ums Geld. «Weil sie einen besseren Lebensstandard haben, fühlen sie sich besser integriert», sagt Repetti. Einige der befragten Pensionierten haben Repetti erzählt, dass sie sich in der Schweiz als Belastung für die Gesellschaft fühlen.

Im Ausland haben sie das Gefühl mehr wertgeschätzt zu werden, weil sie in der jeweiligen Region einen Teil zur Wirtschaft beitragen. «Dort, wo es viele Auswanderer hat, gibt es meist weniger Arbeitslosigkeit», sagt Repetti.

«Auf und davon» mit neuen Abenteurern

SRF begleitet mit der Auswanderersendung «Auf und davon» seit zwölf Jahren Schweizerinnen und Schweizer, die ihr Glück in der Ferne suchen. Sie erleben Hindernisse und Abenteuer in der neuen Heimat. Die neuste TV-Staffel läuft momentan auf SRF 1. «Auf und davon» begleitet dieses Mal Familien oder Paare nach Ruanda, Spanien und Deutschland.

Es gibt aber auch Pensionierte, deren Traum es schon immer war, in ein neues Land zu ziehen. Mit Verpflichtungen, wie Familie oder Beruf, war das aber bisher keine Option. Oder sie wünschen sich ein Abenteuer. So war es auch bei Hanspeter Rüegg.

Er ist im Leben viel herumgekommen und hat Brasilien bisher mehrmals bereist. «Ich bin ein Abenteurer», sagt der mittlerweile 80-Jährige über sich. Er hat sich nicht nur in eine Frau aus Brasilien, sondern auch in das Land verliebt. Seine Frau spielte eine grosse Rolle bei der Auswanderung: «Sie hat mir sehr geholfen beim Abschluss des Aufenthalts in der Schweiz. Ohne sie hätte ich es nicht geschafft.»

Morgengast, 21.01., 07:20 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Beat von Känel  (sgritheall)
    "...weil sie sich als Belastung für die Gesellschaft fühlen." Das ist nicht weiter verwunderlich. Einige Medien - mit Abstand allen voran die NZZ - führen seit Jahren einen Kreuzzug gegen die ältere Generation. Mehr oder weniger unverblümt bezeichnet die NZZ die Pensionierten als Schmarotzer, denen endlich das Handwerk gelegt gehört. Mit der Mär, dass wegen Corona die Jungen leiden und die Alten tanzen hat sich die Situation noch verschärft.
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  • Kommentar von Thomas Keller  (xedos2000)
    Mein Vater ist auch ausgewandert. Den Ausschlag gab eine einfache Rechnung:
    Einkommen -Krankenkasse -Steuern -Miete -weiter Fixkosten = Auswandern.
    Er hat sich eingelebt und hat den Entscheid nicht bereut.
    Wer genug finanzielle Mittel hat, lebt in der Schweiz gut. Die anderen sollen schauen wo sie bleiben.
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  • Kommentar von Heiri Kugler  (Heiri Kugler)
    Es geht nicht nur ums Geld. Viele Auswanderer geniessen in einer neuen Heimat einen erheblichen Gewinn an echter Lebensqualität. Da akzeptiert man auch gerne eine nicht dem westlichen Demokratie-Ideal entsprechende Regierung.
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