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Caroline Bamert: «Ordnung halten kann man nur, wenn alles seinen Platz hat.»
Aus Morgengast vom 16.03.2021.
abspielen. Laufzeit 05:38 Minuten.
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Anleitung Frühjahrsputz Richtig Aufräumen und Gestalten will gelernt sein

Noch nie wurden in der Schweiz so fleissig Wohnungen und Eigenheime ausgemistet, aufgeräumt und aufgefrischt wie seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Profis geben Tipps, was es beim Aufräumen und Umgestalten zu beachten gibt.

Und plötzlich war der Mittelpunkt des Alltags gezwungenermassen innerhalb der eigenen vier Wände. Viel Zeit zu Hause bedeutet viel Zeit sich intensiv mit der eigenen Wohnung, dem eigenen Haus auseinanderzusetzen. Noch nie wurden in der Schweiz so fleissig Wohnungen und Eigenheime ausgemistet, aufgeräumt und aufgefrischt wie seit Ausbruch der Corona-Pandemie.

Recyclinghöfe und Baumärkte spüren den Trend

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Möbel stehen am Strassenrand.
Legende: Aussortierte Möbel zum Mitnehmen am Strassenrand. Keystone

Mehrere Betriebe des Verbandes Stahl- Metall- und Papier-Recycling Schweiz (VSMR) melden einen starken Anstieg beim Sperrgut, einzelne sprechen gar von einer Verdoppelung der Mengen, sowie der Frequenz. Auch hätten im vergangenen Jahr vermehrt Privatpersonen Mulden bestellt, um Gegenstände direkt vor der Haustüre zu entsorgen.

Dass die Wohnverschönerung eine hohe Priorität erhalten hat, spüren auch Baumärkte und Möbelhäuser. Laut Jumbo steche ein Mega-Trend heraus: Die Wandgestaltung. Die Verkaufsmengen von Farben, Spritzpistolen bis hin zu Bilderrahmen hätten um einen Drittel zugenommen. Bei Möbelbeschlägen, zum Beispiel Schubladengriffen, beobachte man mit 70 Prozent mehr Verkäufen einen neuen Rekord. Offenbar nutzten viele Menschen die vermehrte Zeit daheim, um sich nicht einfach Möbel neu zu kaufen, sondern ihre bisherigen instand zu setzen und zu verschönern.

Auch Coop Bau + Hobby verzeichnete eine erhöhte saisonale Nachfrage im Vergleich zu anderen Jahren bei Produkten zum Malen und Produkten zur Ordnung sowie Aufbewahrung. Möbel Pfister schreibt, man spüre, dass sich die Menschen bewusster mit ihren Wohnungen auseinandersetzen. Unter anderem stelle man folgende zwei Wohntrends fest: Ausmisten und Ordnung halten würden wichtiger und ebenso die Gemütlichkeit. Es werde mehr in Deko und in Pflanzen investiert.

Aufräumen ist ein Prozess, der gelernt sein will

«Vor Corona war eine Flucht, um sich zu erholen, sehr gut möglich», sagt Caroline Bamert. Sie ist professioneller Aufräum-Coachin. Jetzt verbringen die Menschen mehr Zeit zu Hause. Da werde ihnen bewusst, was sie verändern möchten.

Die Nachfrage nach professioneller Hilfe beim Aufräumen und deren Akzeptanz sei gestiegen. Hätten sich die Leute früher noch geschämt, Hilfe zu holen, gehöre die Unterstützung durch einen Aufräum-Coachin heute zu den normalen Dienstleistungen, wie wenn man einen Gärtner oder Maler für die Umsetzung eines Projektes engagiere.

Caroline Bamert

Caroline Bamert

Aufräum-Coachin und Ausbildungsleiterin

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Caroline Bamert arbeitet seit 2015 als professionelle Aufräum-Coachin. Seit 2018 bildet sie auch zukünftige Coaches aus. Mit ihrem Unternehmen Feederleicht ist sie Mitglied bei den Verbänden Swiss-APO (Swiss Association of Professional Organizers) und SVHR (Schweizerischer Verband für Homestaging und Redesign).

Bamert stellte im vergangenen Jahr fest, dass Interessenten nicht nur Oberflächenkosmetik machen wollten, sondern das Projekt Aufräumen ganzheitlich angehen wollten. Überall spüre man den Ballast zu Hause. Manchmal müsse man den Enthusiasmus von «Neu-Aufräumern» aber auch etwas bremsen. Aufräumen sei ein Prozess. Man müsse es lernen. Einer ihrer wichtigster Tipp sei denn auch: «Fangen Sie beim Einfachsten an.»

Nach dem Aufräumen die eigenen vier Wände auffrischen

«Es ist ein regelrechter Boom ausgebrochen», sagt Sabine Bachsteffel-Esposti. Sie ist professionelle Raumgestalterin und Interior Redesignerin. Die Leute mussten sich plötzlich viel intensiver und zwangsläufig mit ihrem zu Hause auseinandersetzen.

Man habe eine Unsicherheit bei den Leuten bemerkt. Corona habe viel aufgerissen und auch in den eigenen vier Wänden Dinge zum Vorschein gebracht, die man lange vor sich hergeschoben hatte und nicht mehr ignorieren konnte. Die Nachfrage nach Homestylings und Interior Redesigns habe sich seit Frühling 2020 enorm gesteigert.

Sabine Bachsteffel-Esposti

Sabine Bachsteffel-Esposti

Präsidentin des Schweizer Verbandes für Home Staging und Redesign

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Sabine Bachsteffel-Esposti arbeitet seit 18 Jahren im Bereich Raumgestaltung und Wohnberatung. Die studierte Innenarchitektin ist Präsidentin des Schweizer Verbandes für Home Staging und Redesign. 2019 gründete sie gemeinsam mit ihrem Sohn das Familienunternehmen Bachsteffel Home GmbH, welches sich auf Home Staging, Home Styling und Interior Redesign spezialisiert hat.

Das klassische Redesign ist sowohl ökonomisch, als auch ökologisch interessant. Statt wegwerfen und alles neu zu kaufen, würden Räume mit bereits Vorhandenem neu definiert. Man gehe quasi «shoppen im eigenen Heim», so Bachsteffel-Esposti. So entdeckt man die eigenen Schätze. Der Raum wird neu strukturiert. Das Ergebnis sei meist verblüffend. Oft brauche es nur noch kleine Ergänzungen.

Die Zukunft der Branche

Die hohe Nachfrage nach Unterstützung beim Aufräumen und bei der Raumgestaltung wird auch nach Corona bestehen bleiben, sind sich Caroline Bamert und Sabine Bachsteffel-Esposti sicher. Ihre Branchen sind Gewinner der Corona-Krise. Das zu Hause als Wohlfühlort sei wichtiger denn je. Die Leute merkten, wie viel es ausmache.

Was sind ihre Erfahrungen?

Haben auch Sie im letzten Jahr ihre Wohnung oder ihr Haus umgestaltet? Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen.

Radio SRF 1, Morgengast, 16. März 2021, 07:15 Uhr

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Alfons Bauer  (frustriert)
    Das wichtigste ging vergessen: Kleiderschrank ausmisten.