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Friedhof - wo Geschichte begraben liegt
Aus Treffpunkt vom 01.11.2019.
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Faszination Friedhof Hier liegt Geschichte begraben

Friedhöfe interessieren, sie faszinieren. Sie sind geballte Zentren von Kultur und Geschichte, und auch von Erholung. Perfekt also für Ausflüge aller Art.

Manche besuchen die Gräber berühmter Persönlichkeiten. Andere sind begeistert von ihrer Architektur oder besuchen die Ruhestätten, weil sie viel über die Kultur und Geschichte eines Orts erzählen. Wir haben fünf Friedhöfe in Europa etwas genauer angeschaut.

  • 1. Friedhof Sihlfeld in Zürich

    Im grössten Friedhof der Stadt Zürich wurden die beiden ersten Krematorien der Schweiz gebaut. Heute erinnert ein grosser Teil des Friedhofs eher an eine Parkanlage und wird auch als solche rege genutzt, sei dies von Kinderkrippen, Joggern oder Sonnenbadenden.

    Grosse Bäume säumen eine Allee.
    Legende: Ein grosser Teil des Friedhofs Sihlfeld wirkt wie eine Parkanlage. Keystone , Link öffnet in einem neuen Fenster

    Es kann durchaus auch mal vorkommen, dass man scheinbar vandalierten Grabschmuck erblickt. «Das sind die jungen Raben. Die können sich einfach nicht von den Blumen fernhalten», meint Katja Wolf, Assistentin vom Forum Friedhof amüsiert. Auch Rehe und Füchse halten sich immer wieder in diesem Bioreservoir mitten in der Stadt auf. Sogar Pilze sammeln könne man hier.

  • 2. Cimitero San Michele in Venedig

    Die Friedhofsinsel in der venezianischen Lagune hat einen beinahe rechteckigen Grundriss von 460m Länge und 390m, was nach knapp 200 Jahren verständlicherweise Platzmangel nach sich zieht. Um die Verstorbenen nicht wie bisher nach einigen Jahren wieder exhumieren zu müssen, hat die Stadt Venedig 1998 mit dem Projekt einer Erweiterung des Friedhofs begonnen.

    Die Aussenmauern der Friedhofsinsel stehen direkt im Wasser.
    Legende: Der Friedhof San Michele ist eine eigene Insel unweit von Venedig. Colourbox , Link öffnet in einem neuen Fenster

    Seit dem 13. Jahrhundert befand sich auf San Michele ein katholisches Kloster. 1719 verpachtete dieses einen Teil der Insel an die Evangelische Gemeinde Augsburgischer Konfession in Venedig, was zu einem Mauerbau rund um die Insel führte. Die zuständige Gesundheitsbehörde, welche für diese Änderungen verantwortlich war, begründete ihre Verfügung mit notwendiger Rücksichtsnahme gegenüber dem katholischen Kultus. 1804 verbat Napoleon, dass Tote in unmittelbarer Nähe von Kirchen bestattet wurden, woraufhin sich die Insel zum wichtigsten Friedhof der Stadt entwickelte.

  • 3. Jüdischer Friedhof Berlin-Weissensee

    Mit 40 Hektaren ist der Jüdische Friedhof Berlin-Weissensee der flächengrösste noch erhaltene jüdische Friedhof Europas. Doch auch hier hat die Zeit des Nationalsozialismus deutliche Spuren hinterlassen.

    Mit Efeu überwachsene Grabsteine stehen im Baumschatten der Abendsonne.
    Legende: Der Jüdische Friedhof Berlin-Weissensee ist mit 40 Hektaren der flächengrösste jüdische Friedhof Europas. Keystone , Link öffnet in einem neuen Fenster

    So sind etwa viele Gräber sanierungsbedürftig, da nach dem Zweiten Weltkrieg die meisten Juden Berlins entweder ermordet oder ausgewandert waren und es kaum noch lebende Angehörige gab, die die Gräber pflegten. Auch unternahm die Ost-Berliner Stadtverwaltung anfangs nichts, um dieses zentrale jüdische Erbe zu bewahren. Erst in den 1970er Jahren wurde der Friedhof unter Denkmalschutz gestellt. Seit 2010 ist eine umfassende Sanierung der Friedhofsmauer im Gange.

  • 4. Friedhof Père Lachaise in Paris

    Wer in Paris weilt und das Grab einer berühmten Persönlichkeit besuchen will, den findet man unweigerlich auf dem Friedhof Père Lachaise. Musiker liegen hier begraben, zum Beispiel «The Doors»-Sänger Jim Morrison oder Sängerin Édith Piaf. Aber auch Schriftsteller wie Molière oder der erste Literaturnobelpreisträger Sully Prudhomme. Wer weiss, nach welchen Namen Ausschau zu halten, findet auch mehr als eine Geliebte Napoleons.

    Ein Besucher fasst den Lendenbereich der Bronzestatue auf dem Grab des französischen Journalisten Victor Noir an.
    Legende: Die Bronzefigur auf dem Grab des französischen Journalisten Victor Noir (†1870). Keystone , Link öffnet in einem neuen Fenster

    Regen Andrang findet auch das Grab des französischen Journalisten Victor Noir. Er wurde 1870 im Alter von 22 Jahren von Prinz Pierre Napoleon Bonaparte, einem Grossneffen von Napoleon Bonaparte, erschossen. Bekannt ist sein Grab jedoch aus einem anderen Grund: das bronzene Abbild von Victor Noir weist eine deutliche Beule im Lendenbereich auf. Legenden zufolge wird man mit Fruchtbarkeit und einem erfüllten Sexleben gesegnet, wenn man die Lippen der Bronzefigur küsst, den Genitalbereich reibt und eine Blume in den Zylinder legt.

  • 5. Zentralfriedhof in Wien

    Zusammen mit der vielseitigen Architektur und vielen Ehrengräbern machen zahlreiche Gedenkstätten und Kriegsgräber den Zentralfriedhof zu einem geschichtsträchtigen Ort.

    Zwei Rehe wandern zwischen den Grabsteinen des Wiener Zentralfriedhofs umher. Eines der Rehe schaut zurück zur Kamera.
    Legende: Der Wiener Zentralfriedhof ist nicht nur letzte Ruhestätte von Mozart, Brahms oder Falco, auch manches Tier tummelt sich zwischen den Grabsteinen. Reuters , Link öffnet in einem neuen Fenster

    Mit 330'000 Grabstätten und fast 2,5 Quadratkilometer Fläche ist der Wiener Zentralfriedhof einer der grössten Friedhöfe Europas. Berühmtheiten wie Mozart, Brahms oder Falco fanden hier ihre letzte Ruhestätte.

    Dank dem dichten Baumbestand wohnen aber auch viele Tiere auf dem Areal, darunter etwa 20 Rehe. Diese halten sich bevorzugt auf dem alten jüdischen Friedhof auf, da dort immergrüne Pflanzen die Gräber überwachsen und so eine verlässliche Nahrungsquelle darstellen.

Ob man nun Friedhöfe besucht, weil man sich für die Geschichte und die Kultur dahinter interessiert, weil man die Gräber von berühmten Persönlichkeiten besichtigen will, oder schlicht weil man für einen Moment aus der Hektik des Alltags raustreten möchte, eines steht fest: auch am Ort des Todes und der letzten Ruhestätte blüht das Leben. Vielleicht sogar gerade deswegen.