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Korrespondentenwoche Auge in Auge mit dem Bullenhai

Legende: Video Haiexperte Urs Wälterlin abspielen. Laufzeit 01:19 Minuten.
Aus Radio SRF 1 vom 07.03.2018.

In über 30 Jahren Journalismus brauchte ich noch nie einen Bodyguard. Bis heute in Fidschi. In 22 Metern Tiefe. Der junge Mann kniet neben mir auf dem Meeresboden, während uns bis zu vier Meter lange Bullenhaie umkreisen. Immer, wenn einer zu nahe zu kommen scheint, hält der Taucher eine Aluminiumstange hoch. Die Fische drehen sich weg. Aber auch mein Leibwächter hat nur zwei Augen. Nervös schaue ich nach hinten. Und tatsächlich schwimmt direkt ein Hai auf uns zu. Ich stosse meinen Kumpel an. Der hält die Stange hoch. Das Tier dreht ab. Ausatmen.

Korrespondent mit Hai im Hintergrund
Legende: SRF / Urs Wälterlin

Bullenhaie – oder Stierhaie – leben nicht nur im offenen Meer, sondern auch in den Mündungen von Flüssen. Eben dort, wo auch Menschen leben. Sie sind aggressiv, schnell, und gefrässig. Und wunderschön. Ich habe das Glück, von einer Insel in der Yasawa-Gruppe in Fidschi über die Räuber berichten zu dürfen. Der französische Haiexperte Dr. Thomas Vignaud betreibt hier ein ganz spezielles Projekt. Jeden Tag tauchen er und sein Team in die Tiefe und beobachten die Haie.

Forscher und Korrespondent in einem Schnellboot
Legende: SRF / Urs Wälterlin

Länge, Identifikationsmerkmale, Verhalten. Alles wird festgehalten, und danach im Computer wissenschaftlich ausgewertet. Das Besondere: Vignaud nimmt jeweils auch einen oder zwei zahlende Touristen mit in die Tiefe. Damit finanziert er sich seine Untersuchungen.

Plötzlich sind sie da. Aus dem tiefen Blau des Meeres kommen die Haie zum Futterplatz – unerwartet, ohne Warnung. Ihre Tarnung erlaubt es ihnen, ganz nahe an ihre Opfer heranzuschwimmen, bis es zu spät ist für eine Flucht. Vignaud steckt einen Fischkopf an eine Stange, streckt sie hoch und lässt den Köder langsam zum Meeresboden sinken. Schon schnappt ihn sich ein Hai. Mit geradezu eleganter Lässigkeit. Kleine Fische schnappen sich, was übrig bleibt.

Hai von unten mit Fischen
Legende: SRF / Urs Wälterlin

Ich habe mir lange überlegt, ob ich diese Story machen solle. Denn das Anfüttern von Wildtieren für touristische Zwecke ist eigentlich ein Tabu. So liess ich mich von einem der führenden Wildtier- Tourismusexperten der Welt beraten, dem Südafrikaner Graham Howe. Für wissenschaftliche Zwecke gebe es Ausnahmen, meinte der. In diesem Fall sei der Tourismus praktisch der Wissenschaft aufgepfropft. Nicht umgekehrt.

Dass es mehr Wissen braucht über die Meeresräuber, das ist unbestritten. Haie brauchen unseren Schutz. Viele Arten stehen am Rande ihrer Existenz. Hunderte von Millionen werden pro Jahr gejagt – Haifischflossensuppe ist eine beliebte Delikatesse, Fischstäbchen ein billiges Abendessen.

Hai mit Taucher
Legende: SRF / Urs Wälterlin

Doch heute sind für einmal nicht die Haie die Gejagten, sondern ich. Zumindest potenziell. Bullenhaie seien weltweit für die meisten Angriffe auf Menschen verantwortlich, sagt die Statistik. „Mach dir keine Sorgen“, hatte Thomas vor dem Abtauchen gemeint, „die sind ganz freundlich“. Daran denke ich, als ich wieder nervös werde und nach hinten schaue.

Prompt sitzt mir wieder einer im Nacken. Mein Leibwächter hält die Stange hoch. Ausatmen.

Sie sind eingeladen – zum Korrespondententag

Am Mittwoch, 21. März treffen sich die KorrespondentInnen von Radio SRF im Museum für Kommunikation in Bern. Das Publikum kann sich von 9.30 – 19.00 Uhr persönlich mit ihnen austauschen. Die Radiosendungen «Treffpunkt», «Rendez-vous», «Tagesgespräch» und «Echo der Zeit» werden live vor Ort produziert und durch ein interaktives Rahmenprogramm ergänzt. Sie können an diesem Tag nicht nur zuschauen, sondern selber aktiv werden und die Menschen hinter dem Berufsbild kennenlernen.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Roger Fasnacht (FCB Forever)
    Menschen bringen ca. 100 Millionen Haifische um pro Jahr. Umgekehrt gab es 2016 weltweit nur 6 Todesfälle durch Haiangriffe. Dafür starben im gleichen Jahr allein in USA 37 Personen durch Blitzschlag oder 450 Personen als diese nachts aus dem Bett gefallen sind. Davon berichtet aber keiner.... Natürlich soll man Respekt haben vor wilden Tieren, aber die Angst die geschürt wird mit Hollywood Filmen und Sensations-Stories ist fehl am Platze
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