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Drei Nati-Spieler zeigen 2018 beim Torjubel den Doppeladler.
Legende: Bei der Fussball-WM in Russland 2018 zeigen Schweizer Nati-Spieler den Doppeladler. Es folgte eine hitzige Debatte. Keystone/Laurent Gillieron
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Sport und Politik Wenn der Sport politisch wird: Diese Bilder bewegten die Welt

Im Jahr 2021 dürfte der Spitzensport so präsent sein wie selten. Nach den Verschiebungen im letzten Jahr stehen nun diverse Grossanlässe an, etwa die Eishockey-WM, die Fussball-EM und die Olympischen Spiele in Tokio. Gesellschaftliche und politische Fragen sollen – so wünschen es sich Veranstalter und Verbände meist – oft aussen vor bleiben.

Die Geschichte hat jedoch immer wieder gezeigt, dass sich Sport und Politik nicht trennen lassen. Ein Beispiel sind die Debatten um die Gastgeber von Grossanlässen. Und immer wieder nutzten Sportlerinnen und Sportler die grosse Bühne für politische Äusserungen.

  • 1. Die Spiele in Nazi-Deutschland

    Berlin 1936: Die Olympischen Spiele werden für die politischen Zwecke der Nationalsozialisten genutzt.

    Goebbels und Hitler auf der Zuschauertribüne bei Olympia 1936.
    Legende: Keystone

    Das Bild zeigt Adolf Hitler und Joseph Goebbels als Zuschauer bei den Olympischen Spielen in Berlin im August 1936. Damals war Nazi-Deutschland der Austragungsort der Olympischen Sommerspiele und nutzte die Spiele in Berlin als Propagandavehikel. Die Nationalsozialisten zeigten sich weltoffen, judenfeindliche Schilder waren für die Zeit der Spiele kurzfristig abmontiert worden.

  • 2. Der Schweizer Boykott 1956

    Olympische Sommerspiele in Melbourne 1956: Vergeblich wartet man beim Einmarsch der Nationen auf die Schweizer Delegation.

    Einlaufen der Nationen bei Olympia 1956 - ohne die Schweiz.
    Legende: Keystone

    Der Eidgenössische Turnverband hatte beschlossen, die Spiele in Australien zu boykottieren. Hintergrund war die brutale Niederschlagung des ungarischen Volksaufstands durch die Sowjetunion.

  • 3. Boxweltmeister und Aktivist

    Muhammad Ali ist für viele nicht nur wegen seiner sportlichen Verdienste eine der grössten Sportlerpersönlichkeiten der Geschichte, sondern auch wegen seiner klaren Haltung in gewissen gesellschaftlichen und politischen Fragen.

    Muhammad Ali und Martin Luther King bei einer Pressekonferenz in den 60ern.
    Legende: Keystone

    Der Schwergewichtsweltmeister kämpfte gegen Rassismus und die Unterdrückung der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA und bezog öffentlich Stellung gegen den Vietnamkrieg. Das Bild zeigt Ali gemeinsam mit dem amerikanischen Bürgerrechtler Martin Luther King im Jahr 1967. Damals kämpfte Ali gegen seine Einberufung in die US-Armee.

  • 4. Die Black-Power-Faust

    Olympia 1968 in Mexiko-Stadt: Der US-Sprinter Tommie Smith holt mit Weltrekord Gold im 200-m-Sprint. Sein Landsmann John Carlos, ebenfalls Afroamerikaner, gewinnt Bronze.

    Black-Power-Faust an Olympia 1968.
    Legende: Keystone

    Bei der Siegerehrung erscheinen sie nur in Socken, während der Hymne senken sie die Köpfe und strecken die schwarz behandschuhte Hand in den Himmel – zum Gruss der «Black-Power»-Bewegung. Indem sie Politik und Sport zusammenbrachten, brachen die beiden ein Tabu – und büssten dafür: Sie wurden aus dem US-Olympiateam ausgeschlossen.

  • 5. Boykottspiele 1980 und 1984

    Was die Schweiz 1956 vormachte, wurde Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre fast zur Normalität: Boykotte der Olympischen Spiele.

    Eröffnungsfeier von Olympia 1980 in Moskau - viele Nationen fehlen.
    Legende: Keystone

    Das Bild zeigt die Eröffnung der Boykottspiele in Moskau 1980. Viele Nationen blieben den Olympischen Spielen wegen des sowjetischen Einmarsches in Afghanistan fern. Vier Jahre später folgten die Boykottspiele in Los Angeles: Die Sowjetunion, die DDR und weitere sozialistische Staaten blieben den Spielen in den USA fern. Es waren die letzten Spiele, die von einem grösseren Boykott betroffen waren.

  • 6. Die Schweizer Nati gegen Atomversuche

    Am 6. September 1995 spielte die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft in Schweden um die Qualifikation zur EM 1996. Während der Nationalhymne rollte die Mannschaft ein Leintuch aus mit dem Schriftzug «Stop it Chirac».

    Schweizer Natispieler entrollen bei der Hymne ein Banner gegen die Atomversuche Frankreichs.
    Legende: Keystone/Karl Mathis

    Hintergrund waren die Atombombentests, die Frankreich auf dem Mururoa-Atoll durchführen wollte. Bestraft wurde die Mannschaft nicht, aber dennoch hatte die Aktion nachhaltige Folgen: Fortan wurden solche Aktionen vom Europäischen Fussballverband UEFA hart geahndet.

  • 7. Di Canio und der faschistische Gruss

    Paolo Di Canio, ehemaliger Stürmer bei Lazio Rom, provozierte 2005 mehrmals, indem er auf dem Spielfeld mit gestrecktem Arm – ähnlich dem Hitlergruss – grüsste.

    Lazio-Spieler Paolo Di Canio macht einen faschistischen Gruss.
    Legende: Keystone

    Nach einem Vorfall beim Römer Derby im Frühling 2005 wurde der Fussballer von der UEFA zwar mit 10'000 Euro gebüsst. Dies hielt ihn aber nicht davon ab, den Gruss später zu wiederholen. Er hat auch immer wieder seine Sympathie für Benito Mussolini bekundet.

  • 8. Knien gegen Polizeigewalt und Rassismus

    Colin Kaepernick, Quarterback der San Francisco 49ers, kniete am 1. September 2016 beim Vorbereitungsspiel gegen die San Diego Chargers erstmals während der US-Hymne.

    Football-Spieler Colin Kaepernick und zwei Teamkollegen knien während der Hymne.
    Legende: Keystone

    Kaepernick drückte damit seinen Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus aus. Schon bald tun es ihm weitere Spieler der American-Football-Liga NFL gleich, wie auf dem Bild Kaepernicks Teamkollegen Eric Reid und Eli Harold. Kaepernick wird für viele Menschen zum Helden, heute gilt das Knien weltweit als Symbol gegen Rassismus und Unterdrückung. Für Kaepernick selbst markierte es jedoch den Anfang vom Ende seiner sportlichen Karriere: Kein Football-Team wollte ihn danach unter Vertrag nehmen.

  • 9. Der Doppeladler an der Fussball-WM

    Fussball-WM in Russland 2018: Beim Vorrundenspiel gegen Serbien zeigen Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka und Stephan Lichtsteiner beim Torjubel den Doppeladler.

    Schweizer Fussballspieler zeigen den Doppeladler beim Torjubel.
    Legende: Keystone/Laurent Gillieron

    Prompt gibt nach dem Spiel nicht der wichtige 2:1-Sieg zu reden, sondern vor allem die provokative Geste. Sie sorgt in der Schweiz wochenlang für hitzige Debatten. Die drei Natispieler kommen mit Geldbussen davon. Xhaka und Shaqiri werden mit je 10'000 Franken gebüsst, Lichtsteiner mit 5'000 Franken.

  • 10. Megan Rapinoe und die US-Hymne

    Die US-Fussballerin Megan Rapinoe entschied sich bereits 2017, Colin Kaepernick in seinem Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus zu unterstützen – und kniete fortan während der US-Hymne.

    US-Fussballerinnen während der Hymne vor einem Spiel.
    Legende: Keystone

    Als der Fussballverband die Spielerinnen aufgefordert hatte, stehen zu bleiben, änderte Rapinoe ihren Protest: Sie weigert sich – wie auf dem Bild von der Fussball-WM 2019 – die Hymne mitzusingen. In den sozialen Medien und bei Reden setzt sich Rapinoe auch sonst politisch ein, etwa für Gleichstellung und gegen die Diskriminierung Homosexueller.

  • 11. Militärgruss nach Syrien

    Beim EM-Qualifikationsspiel zwischen Albanien und der Türkei im Herbst 2019 provozieren die türkischen Nationalspieler mit ihrem Torjubel.

    Die türkische Nationalelf zeigt den Militärgruss.
    Legende: Keystone

    Nach dem Siegtreffer grüssen sie die türkischen Streitkräfte in Nordsyrien mit militärischen Gesten und widmen ihnen den Erfolg, wie der Verband danach erklärte. Der türkische Militäreinsatz in Syrien hatte kurz davor begonnen und wurde international heftig kritisiert. Die UEFA eröffnete nach dem Torjubel ein Verfahren. Das hielt die Spieler jedoch nicht davon ab, den Militärgruss beim Spiel gegen Frankreich, im Bild festgehalten, kurze Zeit später wieder zu zeigen.

  • 12. Händeschütteln mit dem Machthaber

    Im Januar 2021 trafen sich René Fasel, der Präsident des Internationalen Eishockeyverbands, und der weissrussische Machthaber Alexander Lukaschenko, um die anstehende Eishockey-WM in Minsk und Riga zu besprechen.

    René Fasel und Alexander Lukaschenko schütteln Hände bei einem Treffen.
    Legende: Keystone

    Lukaschenko stand zu dieser Zeit schon seit Monaten weltweit in der Kritik, unter anderem wegen Wahlbetrugs und massiver Polizeigewalt. Die Bilder vom Treffen zeigen unter anderem eine innige Umarmung der beiden Männer. Der Schweizer Funktionär Fasel muss sich weit über die Sportwelt hinaus rechtfertigen. Weissrussland musste die Eishockey-WM mittlerweile abgeben, alleiniger Gastgeber im Mai ist Lettland.

Treffpunkt "Sport und Politik" am 10.3.2021 von 10 bis 11 Uhr auf Radio SRF 1

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Wilfred Scheidegger  (Ville Frayde)
    Die Eidgenössische Sportschule Magglingen hat sogar mit dem Militär zu tun ;-))
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  • Kommentar von Franz Wyss  (franzw)
    Ich nehem an, die Schweiz wird da nicht teilnehmen, denn wir Schweizer sthen ja für Demokratei und Menschenrechte.
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  • Kommentar von Dominik Meier  (klippundklar)
    Warum soll der Sport nicht politisch sein? Der soll, nein, muss politisch sein! Wie die Musik, die Kunst, wie der Diskurs am Arbeitsplatz, in der Kantine, im Kreis der Familie und unter Freunden. Politik ist, was bewegt. Und das tut vor allem eines: unser Leben. Also gibt's keine Schranken!
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    1. Antwort von Michael Gutmeyr  (Cambodia)
      @Dominik Meier:
      Sehe ich ganz genau so. Sportler werden doch immer als Vorbilder betitelt - warum also auch nicht in politischer Hinsicht?