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Wanzeninvasion Jetzt ist er da: Der natürliche Feind der Stinkwanze

Die marmorierte Baumwanze kriecht in die Häuser, stinkt und schädigt die Obstbäume. Vor etwa 20 Jahren wurde sie aus China eingeschleppt und hat sich seither massiv vermehrt. Natürliche Feinde hatte sie in der Schweiz kaum – bis jetzt!

Marmorierte Baumwanze und einheimische graue Feldwanze
Legende: Vergleich zwischen der asiatischen und der einheimischen Wanze Tim Haye

Seit sechs Jahren erforscht der Biologe Tim Haye die marmorierte Baumwanze, den robusten Schädling, welcher sich rasant in der Schweiz ausgebreitet hat. Gegen Insektizide ist die marmorierte Baumwanze aus China resistent und sie kennt kaum natürliche Feinde. Deshalb ist sie auch bei Obstbauern gefürchtet. Keine Pflanze, kein Obst oder Beere ist vor der Wanze sicher.

Der Feind der Wanze wurde im Tessin entdeckt

Die Suche nach einem Nützling, welcher der Wanze zu Leibe rückt, läuft bei den Experten auf Hochtouren. In China seien das kleine Schlupfwespen, die das regeln, sagt Tim Haye. Solche sogenannten asiatischen Schlupfwespen haben er und sein Team vom Center for Agriculture and Bioscience (CABI) in Delémont nun im Tessin entdeckt. «Es war eine zufällige Entdeckung», sagt der Biologe. Auf der Suche nach einheimischen Schlupfwespen, sind die Forscher auf die asiatische Schlupfwespe gestossen. Wie diese den Weg in die Schweiz gefunden hat, kann der Haye allerdings nicht beantworten.

Auch einheimische Wanzenarten könnten bedroht sein

In China werden 50 Prozent der marmorierten Baumwanzeneier durch die asiatische Schlupfwespe getötet. In den Monaten Juli und August steigt die Rate sogar auf 80 Prozent. Um die Auswirkung der asiatischen Wespe auch auf einheimische Wanzenarten zu testen, haben Tim Haye und seine Kollegen die beiden Arten in einer Quarantänestation zusammengebracht. Leider habe sich gezeigt, dass sich die Schlupfwespe auch auf deren Eiern entwickeln könne. Eine Gefahr für einheimische Wanzenarten? Es sei noch unklar, ob die Wespe auch in freier Natur einheimische Arten parasitieren wird oder nicht, sagt Haye.

Die Wespe ortet die Eier der Wanze gezielt

Sie ist rund 2 Millimeter gross und könne die Eier der Stinkwanze riechen, erklärt Tim Haye. Die marmorierte Baumwanze legt meistens 28 Eier ab. Wenn die Wespe ein solches Gelege findet, setzt sie sich auf ein einzelnes Ei und legt ihr eigenes hinein. Bei einem Ei bleibt es aber nicht. Die Wespe geht systematisch vor. Sie markiert jedes einzelne Ei der Wanze mit einem bestimmten Stoff, damit sie kein Ei zweimal parasitiert oder eines vergisst. Nach zwei Wochen schlüpfen die jungen Wespen.

Tim Haye und sein Team haben ihre neusten Erkenntnisse im «Journal of Pest Science» veröffentlicht. Nun hofft der Biologe auch für die Schweiz auf eine schrumpfende Population der asiatischen marmorierten Baumwanze. «Ich habe grosse Hoffnung, dass sich das Wanzenproblem jetzt mindestens im Tessin in den nächsten Jahren verbessern wird. Für die Obstbauern wäre das natürlich gut.» Wie lange es jedoch dauern wird, bis die Wespe ihren Einfluss geltend machen kann, kann der Biologe nicht sagen.

Stinkwanze, der blinde Passagier

Tim Haye und andere Biologen vermuten, dass die stinkende Wanze über den Zürcher Flughafen mit Handelsware in die Schweiz gekommen ist. Der älteste Nachweis der marmorierten Baumwanze aus China stammt aus dem Jahr 2004 aus Zürich.

Für Haye gibt es zwei Gründe, weshalb die Wanze jetzt so richtig wahrgenommen wird. Die vergangenen zwei Sommer waren so warm, dass es zur Massenvermehrung gekommen ist. Zudem suche sich die Wanze momentan in Häusern einen Ort zum Überwintern.

Wanze bevorzugt Häuser an sonniger Lage

Die Phase der Wanderung in das Winterquartier daure je nach Wetter zwei bis maximal vier Wochen. In dieser Zeit rät der Experte, die Fenster auf der Südseite möglichst geschlossen zu halten.

Der Wanzenforscher Tim Haye rät auch, den Schädling einzusammeln und zu töten. Er empfiehlt die Wanzen für kurze Zeit ins Tiefkühlfach zu legen. Den Schädling von Hand zu töten sei keine gute Idee, meint Haye - die Wanze sondere ein Abwehrsekret ab und stinke zum Himmel. Im Frühjahr sollte man die Pflanzen auf eine erneute Eierablage untersuchen. Anders könne man dem Stinktier momentan kaum zu Leibe rücken.

16 Kommentare

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  • Kommentar von K. C. Ard (rahTol)
    Gibts seit einigen Jahren auch in der Südschweiz (wohl kaum von ZH-Kloten kommend ;-). Die Viecher versuchen in den Häusern zu überwintern. Die Empfehlung hiesiger Behörden: Ab in die Klosettschüssel damit und runterspülen!
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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Merkt SRF eigentlich, was es mit diesem undifferenzierten Beitrag anrichtet? Wir haben hierzulande unzählige Wanzenarten, die leider wohl alle stinken und sich teilweise sehr ähnlich sehen, aber längst nicht alle sind Schädlinge. Es hat darunter sehr viele Nützlinge auf Bäumen und Sträuchern oder im Garten, die sich von Schädlingen ernähren, ebenso wie Marienkäfer, Ohrwürmer, Florfliegen uvam. Wer also Wanzen tötet, beisst sich uU in den eigenen Hintern oder schadet dem Ökosystem.
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    Das ist halt der Preis der Globalisierung. Auch Pflanzen und Tiere werden importiert und greifen das Einheimische an, genau wie die globalisierte Industrie, der globale Kapitalismus. Keine Frage nach Rahmenabkommen, Richtern oder Eigenständigkeit, sie alle kommen und übernehmen Lebensraum.
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