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Radio SRF 1 «Was machen Sie, wenn Donald Trump Präsident wird?»

Von «Weshalb sind aus Afrika fast nur negative Berichte zu hören?» bis «Was machen Sie, wenn Donald Trump Präsident wird?»: Im Live-Chat stellten sich die Korrespondentinnen und Korrespondenten von Radio SRF den Fragen der Radio SRF 1-Hörerschaft. Hier lesen sie die 12 spannendsten Antworten.

Die 12 spannendsten Antworten der SRF-Korrespondenten

Wie viele Menschen arbeiten mit Ihnen zusammen? Sind Sie eine One-Man-Show?Thomas Gutersohn, Südasien: «Als Korrespondent bin ich angewiesen auf ein ganzes Netzwerk von lokalen Helfern in allen Ländern des Berichtsgebietes. Sie helfen mir, Informationen einzuschätzen oder Interviewpartner ausfindig zu machen. Sie sind enorm wichtig, also alles andere als eine One-Man-Show.»
Weshalb sind aus Afrika fast nur negative Berichte zu hören?Patrik Wülser, Afrika: «Regelmässig berichte ich aus Afrika über schöne, farbige und berührende Dinge. Leider lässt es sich nicht vermeiden, gleichzeitig fast wöchentlich über Terror, Bürgerkriege und Korruption zu berichten. Das ist keine einseitige Gewichtung, sondern ein Abbild der Realität auf diesem Kontinent.»
Was machen Sie, wenn Donald Trump Präsident wird? Bei uns haben ja die Medien ziemlich Mühe mit dem Berichten über Populisten. Ist das in den USA auch so?Priscilla Imboden, USA: «Gute Frage. Herr Trump ist ja für unser Geschäft sehr gut, weil er das Interesse an den Wahlen verstärkt. Als Journalistin sehe ich meine Rolle gegenüber Populisten darin, Aussagen zu überprüfen und nicht jede effekthascherische Aussage einfach weiter zu verbreiten, wie das in den USA zu oft gemacht wird. Und aufzuzeigen, wo er das politische System, die Gewaltenteilung in Frage stellt und was das für die Demokratie heisst. Wir haben aber als Beobachter in einem anderen Land eine andere Rolle als die US-Medien in Bezug auf Donald Trump. Das macht es einfacher.»
Haben Sie auch schon eine Medienkonferenz von Frau Merkel oder eines hohen Regierungsmitglieds geschwänzt? Peter Voegeli, Deutschland: «Ja, sicher. Denn es gibt sehr viele Pressekonferenzen, und häufig dauern sie auch sehr lange, denn die deutschen Journalisten fragen gerne und lange nach. Aber es gibt natürlich Pressekonferenzen, von denen man weiss, dass sie wichtig sind, und die versuche ich nicht zu schwänzen.»
Wie sieht der Kontakt/die Zusammenarbeit mit der Schweizer Botschaft aus?

Karin Wenger, Südostasien: «Ich melde mich meist bei der Botschaft des jeweiligen Landes, in das ich reise. Manchmal kommt es zu einem Treffen, einem Austausch. Oft sind die Botschaften sehr hilfsbereit und helfen mir mit Kontakten oder logistischen Fragen, aber ich stütze mich nicht ausschliesslich auf Botschaftskontakte. Die besten Kontakte sind eigentlich immer jene, die weitab von Politik und Diplomatie sind.»
Die EU wird zunehmend als riesiger, ineffizienter Verwaltungsapparat gesehen. Ist das so? Hat die EU eine Zukunft?
Urs Bruderer, Osteuropa, ehemaliger EU-Korrespondent: «Das Bild vom Moloch EU ist falsch. Die Verwaltung ist ziemlich schlank und im Vergleich zu nationalen Verwaltungen klein. Auf meinen Reisen durch die ehemaligen Ostblockstaaten staune ich immer wieder, wie gross der Einfluss der EU ist, und das nicht nur finanziell: Für mich steht ausser Zweifel, dass die EU massgeblich beigetragen hat zur demokratischen, freiheitlichen und rechtsstaatlichen Entwicklung dieser Länder. Doch wir sehen derzeit auch mancherorts, dass diese Entwicklungen nicht unumkehrbar sind. Und dass zugleich die EU in eine grosse Krise geraten ist. Ob sie auch aus dieser Krise eines Tages gestärkt hervorgeht oder ob sie Schaden nimmt, darüber wage ich keine Spekulationen.»
Welche Ausbildung braucht es, um Korrespondent oder Korrespondentin zu werden?Thomas Gutersohn, Südasien: «Viele Wege führen nach Rom und auch an andere Orte im Ausland. Ich kenne exzellente Journalisten, die das KV gemacht haben. Das Wichtigste ist, schon im Vorfeld journalistisch zu arbeiten, Erfahrungen zu
sammeln.»
Hat der Vielvölkerstaat China Bruchstellen, so dass er einmal auseinanderbrechen könnte wie die UdSSR? Oder ist das gar kein Thema? Gibt es Versuche, Minderheiten zu integrieren?Martin Aldrovandi, China: «Der Zusammenhalt des Landes ist für die chinesische Regierung sehr wichtig. Es gibt bestimmte Bemühungen, z.B. gibt es für Minderheiten zum Teil einfacheren Zugang zu Universitäten, auch die Ein-Kind-Politik wurde für sie vor den Han-Chinesen gelockert. Aber: Kulturell fühlen sich viele Minderheiten natürlich von den Han-Chinesen überrannt, vor allem in ihren eigenen Gebieten, siehe Xinjiang oder Tibet.»
Wird man als Journalist in China von Seiten des Staats stark unter psychischen Druck gesetzt?Martin Aldrovandi, China: «Ich als ausländischer Journalist werde nicht direkt unter Druck gesetzt, muss aber – je nach Thema – meine Interviewpartner schützen. Z.B. kann ich dann nicht den ganzen Namen nennen.»
Kann man den riesigen Kontinent Afrika mit einem Korrespondenten abdecken?Patrik Wülser, Afrika: «In einer idealen Welt mit unbegrenzten Mitteln gäbe es wahrscheinlich in jedem afrikanischen Land oder mindestens in West- und Ostafrika sowie im südlichen Afrika einen Korrespondenten. Ein kleines Land wie die Schweiz und die SRG, welche unter Spardruck steht, können sich das nicht leisten. Aber Sie haben Recht, Afrika wird von internationalen Medien zu wenig beachtet. Zu oft beschränkt sich die Berichterstattung auf Krisen und Katastrophen, die von eingeflogenen ‹Fallschirmjournalisten› abgedeckt wird.»
Inwieweit prägt der Begriff des Karma, hier im Sinne von Schicksal, die indische Mentalität auch heute noch?Karin Wenger, Südostasien: «Sehr stark! Ich denke, es ist ein Grund, wieso es trotz der tiefen sozialen und ökonomischen Gräben nicht (vermehrt) zu Aufständen kommt. Die Leute akzeptieren zu einem gewissen Grad, wo sie auf der sozialen Leiter stehen. Bildung ist ohne Zweifel der Schlüssel dafür, den Leuten mehr Selbstbestimmung zu geben. Leider sind jedoch vor allem die öffentlichen Grundschulen in Indien oft sehr schlecht.»
Wie gut ist holländischer Käse?Elsbeth Gugger, Niederlande: «Zwar komme ich aus dem Emmental, aber ich kaufte schon damals, als ich noch in der Schweiz wohnte, meistens Gouda aus den Niederlanden. Diesen Käse (den jungen, nicht den alten) mag ich bis heute sehr. Schweizer Käse brauche ich nicht zu vermissen, mein Biokäsebauer auf dem Markt verkauft sehr viele Sorten aus der Schweiz.»

Das Chat-Protokoll zum Nachlesen

Die Korrespondentinnen und Korrespondenten von Radio SRF sind auf der ganzen Welt zuhause. Am Korrespondententag in Zürich haben sie am 9. Juni 2016 im Live-Chat Fragen der Hörerinnen und Hörer beantwortet. Sie waren jeweils während einer Stunde im Live-Chat. Leider konnten sie in dieser Zeit nicht alle Fragen beantworten. Das Chat-Protokoll mit allen beantworteten Fragen können Sie hier nachlesen.

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