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15. Januar 2020 Streifzug: Wie hat Ludwig van Beethoven komponiert? (ausgebucht)

Ein Verständnis der Skizzen und Werkstadien führt zu einem besseren Verständnis von Beethovens Schaffen. Ein Roundtable im Radiostudio Basel.

Es gäbe sie ja, die Konversationshefte. Es gäbe Briefe, Aufzeichnungen von Freunden oder als Sekretär Ludwig van Beethoven zudienenden Geistern. Es gäbe Möglichkeiten, darüber etwas zu erfahren, wie Beethoven komponiert hat. Wie er seine Musik zu Papier gebracht hat. Dieser Frage nachzugehen, lohnt. Denn der Werkprozess sagt immer auch etwas über das Werk selbst aus. Unter Umständen sogar darüber, ob es sich dabei überhaupt um ein «Werk» handelt und nicht vielmehr um ein Werkstadium. Eines von vielen möglichen. Was der Interpretin wiederum Handlungsspielraum gibt. Und uns Hörern eine Bandbreite an Möglichkeiten, eine Komposition in verschiedenen Stadien, von verschiedenen Seiten kennenzulernen

Der Streifzug im Überblick

«Einblicke in Beethovens Werkstatt»

  • Mittwoch, 15. Januar, 19.30 Uhr
  • Auditorium, Radiostudio Basel. Meret Oppenheim-Platz 1b

Roundtable mit

  • Hans Feigenwinter (Pianist),
  • NN (Musikwissenschaftlerin),
  • Moritz Weber (SRF-Redaktor).

Anschliessend Apéro.

Eintritt frei. 45 Karten sind über den Kulturclub zu beziehen.

Hier geht es zur Online-Anmeldung für den Streifzug (ausgebucht)

Ein gemaltes Porträt eines älteren Mannes mit rotem Schal (Beethoven), der sich eine Komposition aufschreibt.
Legende: Wie kamen Beethovens Meisterwerke zustande? Joseph Karl Stieler

Ludwig van Beethoven hielt sich zurück. Nicht nur, was Äusserungen über sein Schaffen betrifft, sondern generell: Er habe es sich zum Grundsatz gemacht, nie wieder etwas über sich selbst zu schreiben, noch irgendetwas zu beantworten, was über ihn geschrieben worden sei. Tja … Ebenso wenig hat Beethoven theoretische Schriften hinterlassen. Und, leider, leider, auch die berühmten Konversationshefte, mithilfe derer der taube Komponist kommunizierte, geben über des Meisters Schaffensweise keine Auskunft.

Doch gibt es eine Quelle, eine Ausnahme, eine vielzitierte Äusserung Beethovens, die auch hier der Leserin nicht vorenthalten sei. Und zwar hat sich Beethoven gegenüber dem Violinisten und Komponisten Louis Schlösser geäussert: «Ich trage meine Gedanken lange, oft sehr lange mit mir herum, ehe ich sie niederschreibe. Dabei bleibt mir mein Gedächtnis so treu, dass ich sicher bin, ein Thema, was ich einmal erfasst habe, selbst nach Jahren nicht zu vergessen.» So nachzulesen in Schlössers «Erinnerungen an Beethoven». Im Weiteren steht da: «Ich verändere manches, verwerfe und versuche aufs neue so lange bis ich damit zufrieden bin; dann aber beginnt in meinem Kopfe die Verarbeitung in die Breite, in die Enge, Höhe und Tiefe (…)»

Damit ist ein zentrales Moment des Beethoven’schen Komponierens angesprochen: die Verarbeitung. Beethoven, der äusserst sparsam mit seinem Material umging, oder, um es anders zu formulieren, eine Idee, ein Motiv ausquetschte wie die Zitrone bis zum sprichwörtlichen letzten Tropfen – Beethoven war sich dieser Art der Motivverarbeitung offenbar sehr bewusst.

Doch darf man Louis Schlösser Glauben schenken? Immerhin vergingen zwischen der Begegnung Schlössers mit dem Komponisten und der Niederschrift seiner «Erinnerungen» an die 60 Jahre, und bereits Zeitgenossen Schlössers warnten vor einem wörtlichen Verständnis dieses Berichts. In der Tat hat Schlösser ganze Passage im, wir würden heute sagen copy-paste-Verfahren, aus einem anderen Komponistenbericht, von Mozart, abgeschrieben.

Eine weitaus wichtigere Quelle sind die Skizzenbücher, die Beethoven stets mit sich herumtrug, um auf Spaziergängen, im Gespräch, bei Betrachtungen der Natur und weiteren Gelegenheiten, seine ihm dabei in den Sinn kommenden Ideen notieren zu können. In diesen Skizzenbüchern sind nicht nur Ersteinfälle, gewissermassen das Rohmaterial, dokumentiert. Sie machen auch Verarbeitungsprozesse sichtbar, kritisches Sichten, erstes Feilen. Im Weiteren, so wird dokumentiert, habe sich Beethoven oft noch mit Hut und im Mantel ans Klavier gesetzt, um die flüchtigen Skizzen am Instrument auszuprobieren. Zumindest vor seiner Ertaubung dürfte das der Normalfall gewesen sein. Auch da, neben dem Klavier, türmten sich Skizzenbücher. Für Gäste wirr wirkende Ansammlung heterogenster Materialien aus ganz unterschiedlichen (zukünftigen) Werken auch.

Ein modernes Hochhaus.
Legende: Im Meret Oppenheimer Hochhaus in Basel werden am 15. Januar Beethovens Skizzen unter die Lupe genommen. SRF / Yohnan Zerdoun

Beethovens Skizzenbücher werden seit Jahren in wissenschaftlicher Arbeit untersucht. Das Beethoven-Haus Bonn etwa betreibt seit 2014 das Projekt «Beethovens Werkstatt: Genetische Textkritik und Digitale Edition». Die These der Bonner Forscher: Wenn man die Arbeitsweise Beethovens kenne, werde man auch dessen Werke besser verstehen. In Breite, Tiefe und in Höhe.