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Frau in rosarotem Kleid liegt auf einer Bühne. Neben ihr ist ein menschenkopf in einer silbernen Schüssel zu sehen.
Legende: Gespielt wird Salome von der preisgekrönten Amerikanerin Heather Engebretson. Ingo Hoehn
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29. Februar 2020 «Salome» – Streifzug ins Luzerner Theater (ausgebucht)

Richard Strauss vertont 1905 das Theaterstück «Salome» von Oscar Wilde und nennt es «ein einmaliges Experiment an einem besonderen Stoff und zur Nachahmung nicht empfohlen.» Diesen Winter nimmt sich Herbert Fritsch dieses einzigartigen Musikdramas für eine Neuinszenierung am Luzerner Theater an.

Tobendes Publikum, entsetzte Kritiker

Es soll ein kalter Dezembertag 1905 gewesen sein, als «Salome» in Dresden uraufgeführt wurde. Nach neunzig Minuten war alles vorbei, das Publikum tobte und die Kritiker waren entsetzt. Gustav Mahler nannte es das grösste Meisterwerk aller Zeiten und wollte es sogleich nach Wien an die Staatsoper holen. Aber der Oberzensor wusste das zu verhindern, weil er dermassen angewidert war von der Handlung, die die Sittlichkeit beleidige.

Der Streifzug vom 29. Februar im Überblick

  • Pauschalpreis pro Person: CHF 119.–
  • Anmeldeschluss: 25. Januar 2020
  • Mindest-/Maximalbeteiligung: 14/25 Pers.

Der Streifzug ist ausgebucht.

Was hat die Gemüter so erhitzt? König Herodes bittet seine Stieftochter Salome, für ihn zu tanzen – als Belohnung soll sie einen Wunsch erfüllt bekommen. «Jeden Wunsch, schwörst du?» fragt Salome. «Ich schwöre!» antwortet Herodes. Dann tanzt Salome. Und verlangt anschliessend den Kopf des gefangenen Propheten Jochanaan, von dem sie so fasziniert ist. Herodes muss Wort halten, der Kopf rollt, Salome küsst die Lippen und wird auf Befehl Herodes’ getötet.

Eine Frau in einem Kleid schreit einen am Boden liegenden, nur in Laken gekleideten Mann an, der sich die Ohren zuhält.
Legende: Heather Engebretson gibt mit «Salome» ihr Debüt am Luzerner Theater. Ingo Hoehn

«Lauter perverse Leute»

Es ist eine Familientragödie, in die wir hier hineingeraten. «Lauter perverse Leute» seien die Figuren dieses Stücks, meinte sogar Strauss selbst. Genau diesen Aspekt interessiert auch Regisseur Herbert Fritsch, der mit «Salome» seine dritte Inszenierung am Luzerner Theter vorlegt. Fritsch zeichnet ein genaues Psychogramm der Figuren mit all ihren Begehrlichkeiten und Ängsten, lotet ihre Triebhaftigkeit aus und zeigt, wo sie in Fanatismus zu kippen droht.

Dabei lässt Fritsch, der auch das Bühnenbild entwarf, das Sinnliche nie aus. Die Opulenz und die Morbidität, die Gerüche, Geschmäcker, Bilder und Symbole, die in Wildes aufgeladener Dichtung die Sprache zum Brodeln bringen, finden sich – trotz ihrer Reduziertheit – auch auf der Bühne des Luzerner Theaters: nämlich in zwei übergrossen, goldenen Thronen, die bald an Knochen, bald an Blüten erinnern, und einem spiegelglatten, tiefblauen Bühnenboden. Dazwischen: der Kopf des Propheten, dessen Weltuntergangsszenarien ständig durch den Raum dröhnen.

Mehrere Darsteller auf einer Bühne. Zwei davon sitzen auf riesigen goldenen Thronen.
Legende: Regisseur Herbert Fritsch entwarf auch das Bühnenbild. Ingo Hoehn

Bis an die Grenze der Tonalität

Die Musik, die Strauss auf Wildes Text in der deutschen Übersetzung von Hedwig Lachmann komponierte, ist schön und brutal, kalt und erhitzt, blutrünstig und kindlich. Der Musikdirektor des Luzerner Theaters und der musikalische Leiter der Luzerner Produktion Clemens Heil meint dazu: «Bei dieser Komposition ging Strauss in die Extreme, bis an die Grenzen der Tonalität. Hernach hat er nie wieder so radikal komponiert.

Aber er lässt Salome auch in traumhaften berauschenden Lyrismen baden und schreibt einen Schlussgesang, der in seiner opulenten und weltverlorenen Schönheit sofort als Wiedergänger von Isoldes Liebestod in Richard Wagners ‹Tristan und Isolde› gehört wurde. Dass wir es bei Salome mit nekrophilem Begehren zu tun haben, war damals ein Skandalon, und ist es bis heute geblieben.»

Der «Tanz der sieben Schleier»

Mit keinem Wort erwähnt der Richard Strauss, dass bei Salomes berühmtem «Tanz der sieben Schleier» die Hüllen fallen müssen. Aber seine ganze Fantasie über Salome komponiert er in die Musik hinein. Clemens Heil nennt es «ein orgiastisches Orchesterstück». Die Salome der Uraufführung, Marie Wittich, wurde bei der Premiere gedoubelt von einer Tänzerin, weil sie sich mit den Worten «ich bin eine anständige Frau» geweigert haben soll.

In der Geschichte dieses Schleiertanzes durch die letzten 114 Jahre hindurch gab es viele Ansätze und Versuche, von sexy bis peinlich, von intelligent bis unverständlich, von brutal bis erotisch. Wir dürfen gespannt sein, wie Fritsch dieses Kernstück der Inszenierung umsetzen wird.

Konzipiert und begleitet wird der Abend von Gabriela Kaegi.

Programm

  • Individuelle An- und Rückreise
  • 18.30 Uhr
    Eintreffen im Theater
  • 18.40 Uhr
    Exklusive Einführung mit Benedikt von Peter im Foyer 2. Rang.
    Moderation: Gabriela Kaegi
  • 19.00 Uhr
    Apéro im Foyer 1. Rang
  • 19.30 Uhr
    Beginn der Vorstellung «Salome»
  • ca. 21.15 Uhr
    Ende der Vorstellung