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Bushaltestelle von hinten. Fünf Menschen sitzen auf einer Bank. Hinter ihnen ein grosses Gemälde einer Berglandschaft
Legende: Berge statt Werbung: Bushaltestelle in Pjöngjang. Alpines Museum der Schweiz / Katharina Schelling
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Sommer 2021 Streifzug: Berge versetzen im Alpinen Museum Bern

Wenn Berge die freie Sicht versperren, muss man sie versetzen – oder zumindest über sie reden. «Let’s talk about mountains» heisst die neuste Ausstellung, die nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden der beiden Bergnationen Schweiz und Nordkorea sucht und dabei auf Erstaunliches stösst.

Wenn Kim Jong-Un die Schönheit des Paektusan in Nordkorea bestaunt, mag ihn der heilige Berg Nordkoreas tatsächlich an den Eiger, den Mönch oder die Jungfrau erinnern, die er in seiner Kindheit in Bern auch bestaunt haben wird. Man kann es nur erahnen, denn wie über so vielem, das mit Nordkorea zu tun hat, liegt auch über diesem Kapitel bis heute ein Mantel des Schweigens. Auch über die Kinderjahre des grossen Führers des nordkoreanischen Volkes in der Schweiz lässt sich nur spekulieren.

Diesem Schweigen will das Alpine Museum Bern mit der aktuellen Ausstellung «Let’s talk about mountains» nun einen Dialog entgegenstellen, sagt der Leiter des Museums, Beat Hächler, der die Ausstellung konzipiert hat. Die Ausstellung sei ein Versuch, über die Kunst in das abgeschottete Land einzutauchen.

Ein Klassenzimmer. Asiatische Kinder in Schuluniform. Ein Mädchen zeigt eine Zeichnung eines Berges.
Legende: Den Paektusan malen. Zeichenunterricht in der Mittelschule in Pjöngjang. Alpines Museum der Schweiz / Katharina Schelling

Quasi ein Steinwurf vom einstigen Wohnort des heutigen Diktators entfernt, sollen nun die Bilder sprechen, wo uns die Worte oft fehlen. In Videos, die auf mehreren Reisen durchs abgeschottete Land entstanden sind, nähert sich der Filmer Gian Suhner der fremden Kultur an. Es ist sozusagen ein Dialog von Bergler zu Bergler. Der gebürtige Savogniner legt in seinen Arbeiten den Fokus auf die Menschen in Nord- und Südkorea und ihren Bezug zu den Bergen. Wo trennen, wo verbinden die Berge? Wo engen sie ein, wo öffnen sie gar den Blick nach draussen, in die Ferne?

Es sind Interviews mit nordkoreanischen Wanderern, mit Gondelbahnmitarbeitern oder auch mit einfachen Bauern, die zeigen, wie ähnlich und doch komplett verschieden die Realitäten der Bergler hier und dort sind. Auch wenn Suhner damit in der festgefahrenen Koreafrage keine Berge versetzen kann, so sind es zumindest Denkanstösse, die uns eintauchen lassen in eine der letzten fremden Welten auf dieser Erde, die nur wenige im Westen schon von innen gesehen haben.

Zu diesen wenigen gehört zum Beispiel Thomas Fisler. Der pensionierte DEZA-Mitarbeiter hat selbst mehrere Jahre in Nordkorea gelebt und dort das Büro der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit geleitet. Nebst seinem humanitären Auftrag hat auch er im Dialog mit den Menschen vor Ort viel erfahren über das Land, das mittlerweile von der dritten Kim-Generation mit eiserner Faust geführt wird.

In einer exklusiven Gesprächsrunde spricht der ehemalige SRF-Ostasienkorrespondent Pascal Nufer, der Nordkorea ebenfalls mehrmals selbst besucht hat, mit den dreien über heilige Berge und andere heilige Kühe, die man in Nordkorea nicht ansprechen darf.

Als Mitglied des SRF Kulturclubs können Sie dabei sein und sich am Dialog zwischen Bergnationen beteiligen. Erfahren Sie aus erster Hand, wo die Schwierigkeiten liegen, wenn man in Nordkorea einen Film dreht, wenn man Nordkorea als Journalist bereist oder wenn man in Nordkorea humanitäre Hilfe leistet.

Konzipiert und begleitet wird der Nachmittag von Beat Hächler und Susann Bosshard-Kälin vom Schweizer Museumspass, Link öffnet in einem neuen Fenster. Der Streifzug war als Primeur vor der offiziellen Ausstellungseröffnung im Februar geplant – aufgrund der Corona-Pandemie muss der Streifzug nun in den Sommer verlegt werden.

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