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SRF Kulturclub Streifzug Linda Geiser. Eine New Yorkerin aus Bern in Basel

«Chummer heisse mer, u Chummer hei mer» sagt die zarte und blonde Sophie Kummer in Franz Schnyders Film «Die 6 Kummer-Buben». Tagsüber gräbt sie im Garten, hängt Wäsche auf, schabt Kartoffeln und bringt abends ihre sechs Buben zu Bett.

Eine lächelnde Frau. Im hintergrund sind Bäume und aufgehängte Wäsche zu sehen.
Legende: Linda Geiser als Spohie Kummer in «Die 6 Kummer-Buben» – eine Fehlbesetzung? SRF

Mit Sophie Kummer wird Linda Geiser Ende der 60er Jahre schweizweit bekannt. «Aber let’s face it», sagt sie Jahre später darüber. «Ich war für diese Rolle eigentlich nicht die Richtige. Nichts an mir hat physisch gepasst. Sophie Kummer ist eine Landfrau, hat sechs Kinder geboren hat, und ihre Handgelenke waren sicher doppelt so kräftig wie meine – bei den schweren Pfannen, die sie täglich herumschleppen musste! Jedesmal wenn ich ein Kessi in den Händen hielt, musste der Kameramann darauf achten, ja nicht meine Handgelenke ins Bild zu bringen. Auch mein Berndeutsch ist zu städtisch, dort hinten im Fluehüsli haben sie sicher viel urchiger gesprochen. Und trotzdem ist es die Rolle, die mich weit herum und über Generationen hinweg bekannt gemacht hat.»

Bereits als 15-Jährige weiss sie, dass sie einmal Schauspielerin werden will. Sie schmeisst die Schule und nimmt Unterricht bei Margarete Schell-von Noé. «Du bist so begabt wie meine Maria», sagt sie ihr und bringt ihr alles bei, was es für ein erfolgreiches Schauspielerleben braucht. Die Karriere geht dann am Anfang auch ganz flott voran, mit Adolf Spalinger baut sie das Atelier-Theater in Bern auf, wird nach Hamburg ans Thalia Theater engagiert, nach Berlin ans Schiller- und ans Hebbel-Theater, und bereits für erste Filmrollen gecastet. Früh schon kommt Linda Geiser auch zum Fernsehen, «als man alles noch live spielte und nichts aufgezeichnet hat».

Der Streifzug im Überblick

Sonntag, 14. April 2019

Preis pro Person: CHF 48

Anmeldeschluss:
24. März 2019

Hier geht es zur Online-Anmeldung für den Streifzug

Der Liebe wegen packt sie anfangs der 60-er Jahre ein paar Koffer und wandert nach New York aus. Immerhin hat sie eine Green-Card in der Tasche! Mit dem Theater wird es schwierig, die Engagements am Broadway sind eine bodenlose Enttäuschung, und mit der Liebe läuft es auch anders als geplant. Aber Linda Geiser denkt nicht im Traum daran, umzudrehen und heimzukehren.
Um sich über Wasser zu halten, jobbt sie, verkauft peruanische Kunst («ich will gar nicht wissen, wie die Objekte über die Grenze kamen»), arbeitet als hatcheck girl, als Garderobiere, im Casino Russe («die Russen vertrauten mir die Pelzmäntel ihrer Geliebten und ihre Makarow-Pistolen an und gaben mir dafür grosszügig Trinkgeld»), sie macht Schmuck («die Leute rissen mir das Zeug förmlich aus den Fingern») und synchronisiert amerikanische Porno-Filme («ich habe bei zahlreichen Orgasmen Regie geführt»). Dann, in den 70-er Jahren, verkauft ihr ein alter amerikanischer Jude für 36 000 Dollar eine Immobilie an der 5. Strasse: das Red House. «Ein altes Haus aus dem 19. Jahrhundert in einer ziemlich heruntergekommenen Gegend, ein Armen- und Einwandererviertel, wo anfänglich vor allem jüdische Familien lebten.» Linda Geiser beginnt zu renovieren, vergrössert die Wohnungen, baut Toiletten und Duschen ein und vermietet fortan an Stadt und Kanton Bern, später auch an Zürich und an die Westschweiz, die jeweils für sechs Monate ihre Künstlerinnen und Künstler herschicken. Das Red House wird zu ihrem Lebensmittelpunkt, die Landlady ihre Rolle des Lebens.

Als vor zwei Jahren Tia Maria, die alte Heizung, zu stottern beginnt, beschliesst Linda Geiser, dass die Zeit für eine Veränderung gekommen sei: sie nimmt Kontakt mit einer Maklerin auf, und das Red House wird verkauft.

Während der Zeit des Entrümpelns und Zusammenpackens, des Ausräumens und Aussortierens besucht sie die Journalistin Gabriela Kaegi immer wieder und hört ihr beim Nachdenken und Aufräumen zu. Daraus ist ein Buch entstanden: Linda Geisers Biografie. Der Schriftsteller Heinz Stalder zieht etwas weitere Kreise, erkundet mit seinen literarischen Reportagen ein Viertel, eine Stadt, in deren Zentrum eine aussergewöhnliche Frau steht.

Programm

  • Individuelle An- und Rückreise
  • 10.30 Uhr: Türöffnung des legendären Atlantis, Klosterberg 13, 4051 Basel
  • 11.00 Uhr: Gespräch mit Linda Geiser und Gabriela Kägi (Buchautorin: «Auftritt Linda Geiser»), moderiert von Brigitte Häring, Kulturredaktorin Radio SRF 2 Kultur
  • 12.00 Uhr: Mittagessen
    Grüner Salat oder Suppe / Rindsbrassato mit Kartoffelstampf und Gemüse oder Vegi Variante
  • 13:30 Uhr: Live-Aufzeichnung der Radiosendung «Musik für einen Gast» – Michael Luisier im Gespräch mit Linda Geiser
  • ca. 14.45 Uhr: Ende der Veranstaltung

Pauschalpreis pro Person: CHF 48 (Eintritt / Mittagessen mit Mineralwasser oder stillem Wasser auf dem Tisch und Kaffee oder Tee nach dem Essen sind im Preis enthalten)