«Bis zu 18 Stunden pro Tag auf Facebook»

Thomas Hutter ist der Mr. Facebook der Schweiz. Er berät Firmen und pflegt persönliche Kontakte zur Europazentrale in Irland. Näher kommt man dem Unternehmen kaum. SRF 3 traf ihn zum Smalltalk über Nacktfotos und Trennungs-Posts.

Thomas Hutter ist Geschäftsführer und Social-Media-Berater bei der Hutter Consult GmbH. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Thomas Hutter ist Geschäftsführer und Social-Media-Berater bei der Hutter Consult GmbH. SRF 3

Er habe es nicht getan, sagt er mit einem Schmunzeln.

Anders als alle Facebooksüchtigen dieser Welt hat er die neue App des Time-Magazins nicht ausrechnen lassen, wie viel Zeit er auf der Plattform bisher schon verbracht hat - oder vertrödelt, je nach Ansicht.

Thomas Hutter schätzt, er sei am Tag zwischen zwei und 18 Stunden auf Facebook.18 Stunden? «Privates und Job fliessen dabei ineinander», erklärt er und schiebt nach: «Ich habe das Glück, dass meine Frau ebenfalls hochgradig süchtig ist.»

Thomas Hutter führt seit mehreren Jahren ein Beratungsunternehmen, das auf Social Media spezialisiert ist. Er zeigt Firmen, wie sie auf Facebook ihre Kunden erreichen und wie sie technische Neuerungen am besten einsetzen.

In Irland und Hamburg

Dabei steht er in direktem Austausch mit den Angstellten des Netzwerks. Die Europazentrale steht in Dublin, wo sich eine Art Silicon Valley im Kleinformat gebildet hat. Die niedrigen Löhne und günstigen Steuern ziehen hippe Online-Unternehmen an. Von Hamburg aus betreut Facebook seine Firmenkunden im deutschsprachigen Raum.

1'600 Facebook-User strömen 2011 unverhofft zu einer Geburtstagsparty einer Teenagerin in Hamburg. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hype des Jahrzehnts 2011 strömen unverhofft 1'600 Facebook-User zu einer Geburtstagsparty einer Teenagerin in Hamburg. Keystone

Das Portal mit dem weissblauen F dominiert das Leben des 38-jährigen Thurgauers. Im Hause Hutter ist Facebook sogar so wichtig, dass man den Ehepartner oft lieber per Nachricht kontaktiert, statt quer durch den Gang zu rufen.

Für die totale Facebookisierung des Lebens hat Thomas Hutter dennoch nichts übrig. Er schildert den Fall eines befreundeten Pärchens, das seine Trennung offiziell über Facebook bekannt gab.

Problematisch, findet Thomas Hutter: «Vor allem bei negativen Sachen, zum Beispiel beim Verlust von Menschen, weiss man dann nicht - wie soll ich als Facebookfreund reagieren?»

Ein Nacktfoto geht um die Welt

So fragwürdig er das Verhalten der Nutzer manchmal findet, so überzeugt ist er von der politischen Bedeutung des Portals. Er glaubt, dass Facebook wie auch Twitter bei den Aufständen in den arabischen Ländern eine entscheidende Rolle spielten.

Eine Studentin in Kairo malt den Facebook-Schriftzug an eine Wand - als ein Zeichen für die Revolution.  Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: 2011 Eine Studentin in Kairo malt den Facebook-Schriftzug an eine Wand - als Zeichen für die Revolution. Keystone

Facebook - ein Symbol der Globalisierung. Das wird deutlich, wenn Thomas Hutter erklärt, wie das Netzwerk als Firma operiert. Wie geht es zum Beispiel mit einem Nacktfoto um, das ein Schweizer User hinauflädt?

«Gesperrt wird das durch Leute, die bei Facebook in Dublin unter Vertrag stehen», erklärt der Experte. Ob diese Mitarbeiter aber in Irland, in den USA oder irgendwo auf der Welt arbeiten, wisse man nicht genau.

Bilder anschauen, den ganzen Tag lang

Es gebe Berichte über so genannte Clickworker aus Billiglohnländern, die nichts anderes tun, als Bilder durchzusehen, sagt Thomas Hutter. «Gemäss den Facebook-Richtlinien entscheiden diese, ob ein Bild auf der Plattform bleiben darf oder nicht.»

Doch Facebook ist genau so riesig wie verschwiegen. Die ganze Geschichte kennt nicht einmal Mr. Facebook.