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Corona-Heldin Katharina: Wir arbeiten unter erschwerten Bedingungen
Aus Input vom 29.03.2020.
abspielen. Laufzeit 16:52 Minuten.
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Corona-Held*innen Intensivpflegerin Katharina Moruzzo baut Brücken zu Angehörigen

Sie leisten in aussergewöhnlichen Zeiten Aussergewöhnliches: Die, die uns pflegen, leer gekaufte Regale einräumen, uns an den Kassen bedienen oder die Post bringen. In einer Spezialserie hören wir denjenigen zu, die uns in Zeiten von Corona den Alltag retten.

Intensivpflegerin Katharina Moruzzo: Wir arbeiten unter erschwerten Bedingungen

Müssen Patient*innen entscheiden, ob sie künstlich beatmet und somit in ein künstliches Koma versetzt werden wollen oder nicht? Sie wissen ja nicht, wie es danach weitergeht. Ob sie wieder aufwachen und weiterleben, oder nicht…

Das ist korrekt. Ich denke, es ist ganz wichtig, dass sich alle vorher überlegen, ob sie das möchten oder nicht und im Vorfeld mit dem Hausarzt darüber reden. Solche Fragen sind nicht nur in der Covid-19 Krise, sondern generell wichtig.

Hast du schon erlebt, wie sich Covid-19 Patient*innen von ihrer Familie verabschiedet haben?

Ich selbst habe das noch nicht erlebt und bin auch froh darüber. Aber ich könnte mir vorstellen, dass das durchaus etwas sein wird, was ich in den nächsten Wochen noch erleben werde.

Auf der Intensivstation sind derzeit keine Besuche erlaubt – wie können Angehörigen trotzdem in Kontakt bleiben?

Wir sind sehr bestrebt, mit den Angehörigen der Covid-19 Patienten, die beatmet werden und nicht mehr wach sind, in Kontakt zu bleiben. Sie werden täglich von uns informiert über allfällige Veränderungen. Wir versuchen so, den Kontakt mit der Familie aufrechtzuerhalten.

Aufgezeichnet am 26.3.2020

Sozialpädagogin Julia Lehmann: Wenn vor Erschöpfung die Tränen kommen

Julia Lehmann, Sozialpädagogin, blonde Frau mit roter Strickjacke
Legende: Julia Lehmann Julia Lehmann (29) arbeitet in einem Kinderheim Céline Raval, SRF

SRF: Du arbeitest in einem Kinderheim. Wie sieht im Moment dein aktueller Alltag aus?

Julia Lehmann: Bei uns sind 12-Stunden-Schichten üblich. Wir haben im Heim Kinder zwischen 0 und 16 Jahren, die teilweise dauerhaft bei uns sind. Weil die Kinder nicht mehr zur Schule oder nicht Nachhause können, kommt es nun vor, dass ich mehrere Schichten nacheinander habe.

Das braucht viel Verständnis vom Umfeld, wenn ich sage: «Ich bin dann mal am Arbeiten, ich bin in anderthalb Tagen wieder zurück.»

Wie schaffst du das, was ist dein Rezept?

Die Erschöpfung ist schon spürbar, das kann ich nicht leugnen. Manchmal, wenn ich im Auto sitze, fehlt noch ein trauriger Song im Radio und dann kämen die Tränen. Mir hilft Humor - wenn mein Freund am Morgen einen lustigen Spruch macht, tut mir das richtig gut. Und: Gut essen, zu sich selber schauen. Das hilft.

Was gibt dir zu denken?

Wir wissen nicht, wie lange der aktuelle Zustand andauern wird, wie lange die Schulen geschlossen bleiben. Wie organisieren wir uns, wenn dieser Zustand sich über Monate hinzieht? Wie schaffen wir das? Wir müssen es nehmen, wie es kommt.

Aufgezeichnet am 20.3.2020

Primarlehrerin Corinne Heiniger: «Ich weiss nicht, wie es den Kindern geht»

Corinne Heiniger an der Wandtafel
Legende: Corinne Heiniger im Schulzimmer ihrer 3. Klasse in Zofingen. SRF / ZVG

SRF: Schule ist ja mehr als Mathe, Grammatik oder den Lebenszyklus der Amöbe kennenlernen. Schule bedeutet auch Regeln, Rituale und Gspändli. Das alles ist jetzt weggebrochen, wie gehst du damit um?

Corinne Heiniger: Das ist im Moment mein grösstes Problem, auch persönlich. Der Sinn meines Berufes ist weg. Ich frage mich, wie damit umgehen und was das mit der Klasse macht. Wir hatten bevor das alles passiert ist einen guten Zusammenhalt in der Klasse, daran haben wir gearbeitet.

Ich habe heute einen Klassenbrief verschickt, in dem ich mich an die Kinder wende und sage, was ich daheim mache und bin gespannt, was zurückkommt.

In deiner Klasse sind 21 Kinder, die jetzt nicht in einem Raum vereint sind – wie erreichst du sie?

Es sind 21 Kinder, bei denen ich nicht weiss, wie oft ihre Eltern die Mails anschauen. In diesem Alter haben Kinder keine eigene Emailadresse oder ein Handy. Im Moment hoffe ich auf die Eltern.

Das heisst, du weisst nicht, was in den nächsten Wochen bei den Kindern geht?

Das ist ein grosses Problem. Ich habe im Moment Kinder mit Familien, in denen es gut läuft - soweit ich das beurteilen kann. Aber wir kennen es alle: Man sitzt daheim, die Eltern sind im Homeoffice. Ich weiss nicht, wie es den Kindern geht. Ich hoffe, die Eltern melden sich, wenn etwas nicht gut läuft.

Aufgezeichnet am 23.3.2020

Sozialarbeiterin Jolanda*: «Wir rechnen mit mehr häuslicher Gewalt.»

Symbolbild - Frau mit Händen vor Gesicht
Legende: Sozialarbeit am Limit Sozialarbeiterin Jolanda* rechnet mir mehr häuslicher Gewalt aufgrund der Massnahmen rund um das Coronavirus Keystone

SRF: Was bedeutet die Coronakrise für euch von der Sozialarbeit?

Jolanda*: Wir können keine Hausbesuche mehr machen. Das ist aber ein wichtiger Teil unseres Jobs. Ich kann zum Beispiel aktuell nicht zu einer Familie Nachhause um zu schauen, wie ein Kind lebt, wie die Wohnung eingerichtet ist.

Du arbeitest im polyvalenten Bereich, hast also mit Kindern UND Erwachsenen zu tun. Was bereitet dir konkret Sorgen?

Familien sitzen Zuhause herum, den Kindern und Erwachsenen fehlt der Ausgleich, zum Beispiel das Hobby. Einige plagen finanzielle Ängste. Was bisher eine Situation stabilisert hat, fällt weg.

Was bedeutet das genau? Rechnet ihr mit mehr häuslicher Gewalt?

Die Zahlen aus China zeigen, dass häusliche Gewalt wegen der Massnahmen rund um Corona zugenommen hat. Wir machen uns also darauf gefasst.

*Name der Redaktion bekannt, aufgezeichnet am 23.3.2020

Altenpflegerin Andrea Hofer*: «Die Bewohner*innen verstehen nicht, warum kein Besuch mehr kommt»

Zwei Hände, die sich halten. Die Hand eines Erwachsenen und die einer sehr alten Person / Symbolbild
Legende: Einige Bewohnerinnen haben das Gefühl, dass sie wegen den Pflegenden keinen Besuch mehr erhalten dürfen. Keystone

SRF: Was kriegen die Bewohnerinnen und Bewohner von der Krise mit?

Andrea Hofer*: Sie merken trotz der Demenz, dass sie isoliert sind und keinen Besuch mehr haben dürfen. Sie vermissen ihre Ehepartner, die nicht mehr kommen dürfen und vorher jeden Tag kamen. Sie sitzen auch beim Essen weiter auseinander, um zwei Meter Abstand zu halten.

Verstehen sie, warum das so ist?

Ein kleiner Teil, der noch nicht dement ist schon, aber die meisten verstehen das nicht.

Wie reagieren sie darauf?

Zum Teil haben sie das Gefühl, dass wir Schuld sind, dass wir es von uns aus verboten haben. Es kommt ja nicht von uns aus, das verstehen sie nicht.

*Name der Redaktion bekannt, aufgezeichnet am 20.3.2020

Gassenarbeiter Michel Steiner: «Ich habe keine Idee, wo Obdachlose ihre Hände waschen sollen»

Gassenarbeiter Michel Steiner vor der Lokalität des Verein Schwarzer Peter
Legende: Gassenarbeiter Michel Steiner ist froh, dass die Gassenküche noch da ist und auf Take-Away umgestellt hat. SRF / Reena Thelly

SRF: Was bedeutet «Stay the fuck at home», wenn man kein Zuhause hat?

Michel Steiner: Wer eh schon draussen schläft, soll draussen im Wald bleiben. Stay the fuck in the woods and be safe! Dort ist man viel sicherer, es hat frische Luft und niemanden, der einem auf die Pelle rückt, im Vergleich zu einer Sammelstelle, wo man knapp zwei Meter Abstand einhalten kann und alle anderen auch vulnerabel und erkrankt sind.

Wo sollen Menschen, die kein Zuhause haben, ihre Hände waschen?

Michel Steiner (nachdenkliches, bedrücktes Schweigen): «No Idea... Ich weiss es nicht. Vielleicht im Coop die Hände desinfizieren?

Fallen Menschen, die eh schon durch's Netze gefallen sind, in der Corona-Krise nochmals durchs Netz?

Ja, klar. Angefangen bei «stay the fuck at home» bis zur Lebensmittelsituation im Moment. Zum Glück sind die niederschwelligen Angebote wie die Gassenküche noch da, die auf Take-Away umgestellt haben.

Aufgezeichnet am 19.3.2020

Handwerker Patrick Auer: «Alles was wir in einer Wohnung anfassen, könnte infiziert sein.»

Sanitärinstallateur repariert Waschbecken / Symbolbild
Legende: Manche Leute haben zur Zeit Angst vor Handwerker*innen. Keystone

SRF: Die meisten Geschäfte haben zu - Handwerker*innen müssen arbeiten?

Patrick Auer: Wir sind Grundversorger. Ich kümmere mich ums Gas - wenn etwas an einer Gasleitung ist und wir nicht kontrollieren können, könnte es schlimmer werden als Corona!

Sie sind im Elsass zuhause - dauerte der Arbeitsweg länger wegen der strengeren Grenzkontrollen?

Ich bin zwei Stunden früher aufgestanden und trotzdem zu spät gekommen, weil alles blockiert ist...

Ist es unangenehm, in diesen Zeiten in verschiedene Haushalte zu gehen?

Wir kennen die Leute nicht. Manche haben Angst vor uns - aber auch wir machen uns sorgen. Alles was wir in einer Wohnung anfassen, könnte infiziert sein. Das ist nicht gerade angenehm.»

Aufgezeichnet am 18.3.2020

Input Spezialserie

In einer Podcast-Serie stellt die SRF 3-Hintergrundsendung Input Heldinnen und Helden in Zeiten von Corona vor.

Der Podcast erscheint jeweils am Mittoch und Sonntag. Die Vertiefung gibt es in Radiosendung jeweils am Sonntag um 20:03 auf Radio SRF 3 und am Dienstag um 20 Uhr im Doppelpunkt auf Radio SRF 1.

Coronavirus-Serie im 10vor10

Video
Coronavirus-Serie: DIE TUN WAS. Heute die Spitex
Aus 10vor10 vom 20.03.2020.
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«Input SRF 3» / «Doppelpunkt» SRF 1

1 Kommentar

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  • Kommentar von Emil Brand  ((Inkognito))
    Mich hat der Beitrag der Lehrerin schon etwas bedrückt. Einerseits das weggebrochene Leben im alltäglichen "fight" mit Kids, dann aber auch der soziale Umgang, der fehlt. Für Lehrer, Dozenten. Die Isolation wird aber auch das eine oder andere Gute hervorbringen. Auf der Primarstufe ist es wohl allgemein besonders schwierig.
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