Das Meinungsduell: Online-Shopping vs. «Lädele»

Ersetzt Online-Shopping eine Laden-Tour? Während SRF 3 Tagesverantwortliche Bettina Walch aufs Shoppen im Internet schwört, schätzt Musikredaktor Dominique Iten die physische Entdeckungsreise in der Stadt.

Zwei Personen halten eine Tasche und ein iPad hoch. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Meinungsduell Dominique Iten steht auf Lädälä mit Tasche, Bettina Walch zieht den Online-Weg vor. SRF 3

«Lädele ist Ritual, eine Entdeckungsreise»

Ich muss ja zugeben, dieses Online-Shopping ist schon praktisch und bequem. Und diese Auswahl! Aber genau diese macht mir dann jeweils doch zu schaffen. Wer hat schon Zeit, diese zig tausend Artikel zu durchforsten? Da bin ich in meiner Freizeit lieber drei Stunden an der frischen Luft als vor dem Bildschirm. Und sowieso: Shoppen ist Ritual, ist eine Entdeckungsreise durch die Shops voller Menschen.

«  Da spielen sich ganze Beziehungsdramen ab, scheitern Freundschaften an einem einzigen Paar Schuhe und Zeit für einen gemütlichen Kaffeeplausch bleibt auch noch.  »

Klar, das ist nicht immer gemütlich – aber unheimlich amüsant. Und man hat, je nach Kaufhaus, auch nicht dasselbe an wie all diese «Mausklicker».

«Online-Shopping – die Offenbarung»

Wenn ich mir nur schon vorstelle, ich müsste jetzt in meinem Wintermantel in einen dieser überhitzten Läden und mich ungeschminkt an dieser wunderschön hergerichteten Verkäuferin vorbeizwängen, die auf wundersame Weise verschwunden ist, sobald ich sie brauche. Wääägs!

Und ich weiss, einen Laufkilometer später finde ich mich in einer einkubikmeter-engen Kabine wieder, beim Licht gibt es die Wahl zwischen dem kuschelig-halbmatten Licht, in dem ich nichts mehr erkennen kann, oder dem Superspot-Neonlicht, das einzelne Körperzonen zur Todesfalle für die Psyche werden lässt. Ach ja, und spätestens bei der Kasse merke ich, dass ich das Bonuskärtchen vergessen habe.

Kataloge waren bieder und keine Option. Aber mit der Entdeckung vom Online-Shopping offenbarte sich mir die Welt. Ich kann so lange in Ruhe durch das unerschöpfliche Angebot surfen, wie ich Lust habe, und erst noch mit meiner gewünschten Musik im Ohr. Der direkte Preis- und Modellvergleich kostet mich wenige Klicks und Anprobieren kann ich genau dann, wenn mir danach ist – vor meinem Spiegel.

«  Gefällt’s mir nicht – ab die Post! »

Das ist immer noch der kürzere Weg und viel entspannter als von der Stadt vollgepackt mit dem Velo durch die Autos nach Hause fahren zu müssen. Kein Kind, das quengelt, es wolle nicht in die Stadt – und immer wieder neue, hübsche Überraschungen im Milchkasten. Also ich sehe keinen Grund, je wieder umzusteigen. Ausser bei den Joggingschuhen.