Exil-Bündner zu Gast bei SRF 3

Der eine ist Polizeisprecher der Stadt Zürich. Der andere bekocht die Reichen am Züriberg. Der dritte ist Chef von Raiffeisen Schweiz.

In Zürich leben die meisten Rätoromanen ausserhalb des Kantons Graubünden. 2013 sprachen rund 1400 Personen der Stadtzürcher Bevölkerung Rätoromanisch als Hauptsprache. Zwei davon besuchen am Dienstag SRF 3.

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Marco Cortesi

Der 57jährige ist wohl bekanntester Polizeisprecher der Schweiz. Mit 16 verliess er Samedan um in Zürich Pöstler zu werden. Er spricht mit seiner Partnerin Rätoromanisch.

Jacky Donatz und Marco Cortesi wuchsen beide in Samedan auf, gingen gar zur gleichen Schule. In den Jugendjahren jedoch lockten die beruflichen Herausforderungen im Unterland. Donatz machte die Kochlehre im Flughafenrestaurant Zürich-Kloten. Cortesi arbeitete zuerst als Pöstler, machte dann die Handelsschule und verliebte sich schliesslich in eine Polizistin, welche letztlich auch seinen beruflichen Weg wies.

Im Interview bei SRF 3 zeigt sich, dass beide mit Stolz von ihren rätoromanischen Wurzlen berichten, aber auch zugeben, dass sie ihr Leben in Zürich so stark im Griff hat, sodass kaum Zeit bleibt für Nostalgie.

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Jacky Donatz

Der 62jährige Starkoch kommt aus Samedan und ist seit 1999 Chef im Fifa-Restaurant Sonnenberg Zürich. Er besuchte die gleiche Schule wie Cortesi.

Zu wenig Zeit für Nostalgie

«Es gibt sogar einen Klub der Samedaner in Zürich», erzählt Starkoch Jacky Donatz. «Aber ich habe neben meinem Job keine Zeit, dort mitzumachen.»

Polizeichef Marco Cortesi träumt hin und wieder in romanisch. «Natürlich vor allem dank meiner Partnerin.» so seien jetzt auch die rätoromanischen Zahlen wieder im Kopf präsent.

Die perfekte Geheimsprache

«Es ist ein richtiger Aufsteller, wenn ich schon am Morgen im Badezimmer romanisch auf SRF 3 höre», erzählt Raiffaisen-Chef Pierin Vincenz. Er komme heute nur noch selten dazu, seine einst gelernte Sprache zu sprechen. «Hin und wieder wenn ich eine Bank in Graubünden besuche, ergeben sich Gespräche in rätoromanisch».

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Pierin Vincenz

Der 57jährige Chef der Raiffeisen Schweiz ist in Chur aufgewachsen und wohnt heute in Niederteufen AR. War im Militär Kadi von vier romanischen Kompanien.

Den eigenen Kindern romanisch beizubringen, das habe er leider verpasst. «Das werfen sie mir heute vor», sagt Vincenz lachend. Es sei halt einfacher gewesen, in Deutsch mit den Kindern klare Worte zu reden.

Verschmitzt erzählt er, dass Rätoromanisch eine wunderbare Geheimsprache sei, denn kaum jemand würde sie verstehen. Kaum. Pierin Vincenz erzählt von einer Szene im Zug, als zwei Frauen gegenüber dachten, sie könnten sich unverstanden in romanisch über Vincenz unterhalten.