Digital am Sonntag, Nr. 2: Das Schwert aus Schaum

Am Wochenende hat man Zeit zum Lesen. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesenswert finden.

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Es muss nicht immer Zeitung sein. Gaetan Bally/Keystone, Montage

Mega-Kim

Neuseeland-Korrespondent Urs Wälterlin erhielt als der erste deutschsprachige Journalist seit vielen Jahren eine Audienz bei Kim Dotcom. Der Mega-Mann legt darin ausführlich seine Sicht des Verfahrens um Megadownload dar und preist seinen neuen Dienst Mega. In alter Manier sieht er sich als Sieger:

« [W]ir haben dieses Alleinstellungsmerkmal der Verschlüsselung, die nur der Benutzer knacken kann, mit seinem eigenen Schlüssel. […] Selbst wenn wir wollten, hätten wir keine Möglichkeit, auf die Daten zuzugreifen, die bei uns gespeichert sind. Das ist neu. Das macht keiner. »

An dieser Darstellung kamen diese Woche Zweifel auf, zum Beispiel bei Ars Technica oder bei Heise. Die Vorwürfe sind nicht ohne: Anfängerfehler beim Erstellen der Schlüssel oder mögliche Lücken beim Sicherstellen der Integrität des Verschlüsselungscodes. Ob wirklich nur die Benutzer auf ihre eigenen Daten zugreifen können, wäre also noch zu klären.

LSR und Rhetorik

Unser Beitrag von letzter Woche zur Debatte um ein Leistungsschutzrecht wurde in einigen Blogs aufgenommen und besonders das (stark vereinfachende) Video dazu kritisiert. Ronnie Grob stört sich am saloppen Ausdruck «verwursten» und stellt klar, dass Blogger durchaus eigene Inhalte erstellen. Christian Leu unterstellt uns gar Angst:

« Ich bin sogar der Meinung, dass die Leute bei SRF ein wenig Angst vor uns Bloggern haben. Gerade dieses Verwursteln scheint deutlich gefährlicher zu sein als das reine Aggregieren […]. »

Um einige unserer Aussagen zu klären, habe ich in den entsprechenden Kommentarspalten geantwortet.

Kommentare beeinflussen Artikel

Apropos Kommentare: Dominique Brossard und Dietram Scheufele von der University of Wisconsin untersuchen, wie die Kommentare oder die Anzahl der Likes unter einem wissenschaftlichen Artikel die Wahrnehmung des Inhalts beeinflussen. Sie stellen fest, dass der Gruppendruck wirkt:

« [I]ndependent of the content of an article […], the tone of comments posted by other readers can make a significant difference in the way new readers feel about the article's subject. The less civil the accompanying comments, the more risk readers attributed to the research described in the news story. »

Web Comics geadelt

«The Economist» porträtiert ausführlich das Phänomen der Web Comics, inklusive eines kurzen historischen Abrisses der Bedeutung der «Funnies» in Zeitungen. Und nennt alle meine persönlichen Helden (Ryan North, «Dinosaur Comics»; Randall Munroe, «XKCD»; Kate Beaton, «Hark, A Vagrant») und die Grossen «Penny Arcade» oder «The Oatmeal». Dabei wird nicht nur gefeiert, sondern auch auf Schwierigkeiten hingewiesen:

« This new world, in which humour spreads instantly and globally, threatens webcomic artists at the same time as it liberates them. Cartoons can spread around the web without crediting their creators […]. Cartoonists need to be entrepreneurs, as well as artists. »

Rollenspiele aus Schaumstoff

Sean Gallagher berichtet unter dem grossartigen Titel «Game of foam» von «Bellum Aeternus I», einer Rollenspiel-Veranstaltung in Maryland. Rund 500 Personen kleiden sich in farbenfrohe Pseudo-Rüstungen und verhauen sich mit Schaumstoff-Schwertern. Sogar Belagerungsmaschinen werden gebastelt. Es klingt sehr unterhaltsam:

« [S]omeone throws what looks like a padded trashcan into the field between the armies and hell is unleashed. The two sides close quickly and try to push the can past each other […]. The field is soon strewn with those feigning mortal wounds or even death […]. »

Nun gehet hin und leset! Sollte euch ein Artikel inspirieren, freuen wir uns, wenn ihr eure Gedanken hier mit uns teilt. Auch wenn euch ein besonders schöner Artikel aufgefallen ist: Link in die Kommentare.