Ein schwerer Schlag gegen Drogen-Plattformen im Internet

Auf der Plattform Silk Road 2.0 wurden Drogen und andere illegale Waren in grossem Stil gehandelt. Nun hat das FBI den Betreiber der Seite festgenommen. Im Rahmen der Aktion «Onymous» nahmen die Behörden insgesamt 17 Personen in 17 Ländern fest und legten über 400 Schwarzmarkt-Seiten lahm.

Ein Mann auf einem Kamel in einer Zelle hinter Gittern. Der Mann und das Kamel sind das Logo der Drogen-Plattform Silk Road. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kamel hinter Gittern: Das Tier mit Reiter war Logo der Silk-Road-Plattform, deren Version 2.0 nun dichtgemacht wurde. Fotomontage SRF

Am Donnerstag hat das FBI bekannt gegeben, dass es den Betreiber der Plattform Silk Road 2.0 in San Francisco verhaften konnte. Der 26-jährige Programmierer sei geständig. Es war eine Festnahme mit Vorgeschichte: Schon vor gut einem Jahr war es den amerikanischen Behörden gelungen, den mutmasslichen Betreiber der Drogen-Plattform Silk Road – der Vorgänger-Plattform – festzunehmen.

Doch es dauerte kaum länger als einen Monat, bis mit Silk Road 2.0 eine neue Seite das Original bis ins Detail kopierte. Geführt wurde die Plattform von einem bis jetzt Unbekannten unter dem Decknamen «Defcon».

Drogen, Geldwäscherei und gefälschte Dokumente

Wie das Original war auch Silk Road 2.0 nur über das Tor-Netzwerk zu erreichen, das die Verbindungsdaten seiner Nutzer verschlüsselt. Und wie beim Original wurden auch bei Silk Road 2.0 die Geschäfte per Bitcoin abgewickelt. Mit der elektronischen Krypto-Währung also, die ein anonymes Bezahlen erlaubt.

Dass der Betreiber trotz dieser Sicherheitsmassnahmen aufflog, ist wohl klassischer Polizeiarbeit geschuldet: Das FBI gibt an, einen Agenten in die Reihen der Mitarbeiter der Silk Road 2.0 eingeschleust zu haben. So sei ein direkter Zugang zu «Defcon» möglich geworden, was schliesslich zu dessen Verhaftung geführt habe.

Auf Silk Road 2.0 war eine Vielzahl von Drogen gehandelt worden, von Marihuana über LSD bis hin zu Heroin. Ausserdem gab es dort Angebote für andere illegale Dienste. «Defcon» wird deshalb nicht nur wegen Drogenhandels angeklagt, sondern auch wegen Strafbeständen wie Computer-Hacking, Geldwäsche und Handel mit gefälschten Ausweisen. Alleine für den Anklagepunkt des Drogenhandels droht ihm eine Mindeststrafe von 10 Jahren, im schlimmsten Fall sogar lebenslange Haft.

Rund 150'000 aktive Mitglieder

In seinem Statement gibt sich das FBI Mühe, mögliche Nachahmer der Plattform abzuschrecken. Wer in die Fussstapfen von «Defcon» trete, müsse sich bewusst sein, dass die Behörden gegen jede neue solche Seite unerbittlich vorgehen würden. «We don't get tired», schreibt das FBI. In Zusammenarbeit mit Behörden im Ausland sollen Betreiber von Schwarzmarkt-Plattformen auch in Zukunft vor Gericht gebracht werden.

Tatsächlich wurde in der «Onymous» genannten Polizeiaktion nicht nur der Silk-Road-Betreiber festgenommen, sondern auch 17 weitere Verdächtige aus verschiedenen Ländern. Die Aktion wurde vom FBI und europäischen Behörden in 16 europäischen Ländern und den USA durchgeführt. In der Schweiz waren die Kantone Waadt und Zürich in die Aktion involviert. Ob es dabei auch zu Festnahmen kam, ist noch nicht bekannt.

Laut eigenen Angaben konnte stellte die Polizei dabei Bitcoins im Wert von 1 Million Dollar sicher und 180'000 Euro in Bar. Bei «Defcon» fanden die Behörden ausserdem 100'000 Dollar in Bar. Sie gehen davon aus, dass der Mann mit Silk Road 2.0 jeden Monat an die 400'000 Dollar in Form von Kommissionen verdiente, die für die Geschäfte auf der Plattform fällig wurden. Auf der Plattform sollen gut 150'000 aktive Mitglieder monatlich Waren in einem Wert von 8 Millionen Dollar gehandelt haben.

Dezentraler Handel als Zukunftsmodell

Drogen-Plattformen im Internet scheinen also ein lukratives Geschäft. Trotz den Bemühungen des FBIs, Nachahmer abzuschrecken, bleibt darum die Verlockung bestehen, damit auf einfache Weise viel Geld zu verdienen. Zumal der Handel im Gegensatz zu Drogengeschäften in der richtigen Welt in relativer Sicherheit erfolgt und auch die Chancen, von den Behörden entdeckt zu werden, kontrolliert werden können. Denn wie schon bei der ersten Silk-Road-Plattform war es auch bei Silk Road 2.0 nicht die Technik, sondern menschliche Unachtsamkeit, die zur Verhaftung des Betreibers führte.

Trotz der Aktion «Onymous» gibt es darum immer noch Plattformen, die nach dem Prinzip der Silk Road funktionieren und zum Teil auch mit Waffen handeln – was bei Silk Road und Silk Road 2.0 nicht erlaubt war. Und mit einem Projekt wie OpenBazaar gibt es bereits einen Markt, der völlig dezentralisiert funktioniert und die Behörden vor weit grössere Probleme stellen könnte als es Silk Road tat.