Jagd auf den Bitcoin-Erfinder

Das Nachrichtenmagazin «Newsweek» präsentiert den Physiker Dorian Satoshi Nakamoto als Erfinder der digitalen Währung Bitcoin. Doch Zweifel bleiben – und der Wahrheitsgehalt der Story spielt für die Zukunft des virtuellen Geldes kaum eine Rolle.

Ein 65-jähriger Japaner, umringt von Kameraleuten und Journalisten, hält schützend seine Hände vors Gesicht. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ist er es wirklich? : Dorian Satoshi Nakamoto im Visier der Medien – der Mann, von dem Newsweek behauptet, er sei der Erfinder des Bitcoins. Reuters

Der Mann, der als Erfinder des Bitcoins präsentiert wird, ist wie gemacht für eine Mediengeschichte: Der Physiker gilt als genialer Wissenschaftler und als Exzentriker. Er ist launisch, lebt zurückgezogen und er hat eine dunkle Vergangenheit: Jahrelang soll er an geheimen Projekten gearbeitet haben.

Satoshi Nakamoto wurde 1949 in Japan geboren und wanderte im Alter von zehn Jahren in die USA ein. Nach seinem Physik Studium benutzte er im Alltag den Vornamen Dorian anstelle von Satoshi.

Der Weg zu Satoshi Nakamoto

Die Journalistin Leah McGrath Goodman, die für Newsweek recherchiert hat, ging ganz einfach vor: Sie durchsuchte die Einwanderungsregister und stiess dabei auf mehrere Männer namens Satoshi Nakamoto. Das Profil von Dorian Satoshi Nakamoto passte am besten zum Erfinder des Bitcoins.

Die Journalistin nahm über das Internet Kontakt zu Nakamoto auf. Die beiden unterhielten sich zuerst über Modell-Eisenbahnen, eine der ganz grossen Leidenschaften des Physikers. Als die Journalistin dann auf den Bitcoin zu sprechen kam, brach Nakamoto jeglichen Kontakt zu ihr ab. McGrath Goodman wollte ihn dann persönlich sprechen, doch der potentielle Bitcoin-Erfinder alarmierte die Polizei, als die Journalistin bei ihm auftauchte.

Ach wie gut, dass niemand weiss ...

Dorian Satoshi Nakamoto bestreitet, der Erfinder des Bitcoins zu sein. Die Person, die unter dem Namen Satoshi Nakamoto im Internet mit Bitcoin-Entwicklern kommuniziert und die in dieser Szene als Erfinder des Bitcoins gilt, dementiert ebenfalls, dass Newsweek den Richtigen gefunden hat.

Dass beide die Behauptung zurückweisen, kommt nicht überraschend und beweist noch nichts. Newsweek versucht deshalb, mit Indizien zu überzeugen: Der Programmierstil des Erfinders deute auf eine ältere Person hin, die allein gearbeitet habe. Zudem werden deftige Aussagen eines Bruders des angeblichen Erfinders herangezogen, um die These zu stützen: Satoshi sei «ein Arschloch», erzählte dieser der Journalistin; er habe an geheimen Projekten gearbeitet und er würde alles abstreiten.

Der Programmierer hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto hat eng mit dem Entwickler Gavin Andresen zusammengearbeitet – bis es zum Zerwürfnis kam. Andresen meint, das Einzige, was ihn von der wahren Identität des Bitcoin-Erfinders überzeuegen könne, sei die digitale Signatur, mit der Satoshi Nakamoto aus dem Internet seine Mails unterzeichnet habe.

Wie weiter mit dem Bitcoin?

Zweifellos eine verlockende Medienstory. Doch ob echt oder Ente: Auf die Entwicklung des Bitcoins wird die angebliche Enttarnung des Erfinders wohl kaum einen Einfluss haben. Die virtuelle Währung wurde von Grund auf dezentral konzipiert: Das ist eine der wichtigsten Eigenschaften der neuen Währung.

Auch die Entwicklung der Bitcoin-Software verläuft dezentral. Die Programme werden von einem Entwickler-Team geschrieben, das rund um den Globus verteilt arbeitet. Die Mitglieder koordinieren sich über das Internet, begegnen sich in der realen Welt aber kaum. Fällt ein Entwickler aus, so wird er durch einen anderen ersetzt. Der Bitcoin ist deshalb unabhängig von Mensch oder Maschine – und ihrem Erfinder.