Kampf um Aufmerksamkeit: Die digitalen Schaufenster

Tablet, Spielkonsole und Smart-TV bieten Schaufenster für digitale Inhalte, seien es Apps, Filme oder Musik. Was etwa im Appstore besonders prominent gezeigt wird, verkauft sich entsprechend gut. Aber wer bestimmt, welche Inhalte im Schaufenster landen?

Ein weihnachtliches Schaufenster, in dem auch Apps und Games zu sehen sind. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Platz für Publikumsrenner und Sponsoring-Deals: Im digitalen Schaufenster geht es oft zu wie im analogen. Fotomontage: Reuters/SRF

Für Tablets und Smartphones von Apple gibt es über eine Million verschiedene Apps, für Android-Geräte sind es nicht weniger. Genug also, dass noch der Kundigste den Überblick verliert. Ein Schaufenster-Platz in Apples Appstore sei darum bis zu 300'000 Dollar wert, wurde jüngst gerechnet. Soviel kosteten die Werbemassnahmen, um eine App beim Publikum gleichermassen bekannt zu machen. Fragt sich bloss: Wie kommt man an einen der begehrten Plätze im Appstore-Schaufenster?

Qualität und Innovation sind wichtig

Google und Apple legen Wert darauf, dass bei der Auswahl kein Geld fliesst und auch keine Marketing-Deals mit den Herstellern die Platzierung beeinflussen. Wohl aber kann helfen, wenn eine App exklusiv an das jeweilige Betriebssystem gebunden ist. Oder wenn sie bestimmte Features eines Gerätes braucht, die auch dem Geräte-Hersteller wichtig sind.

Die Auswahl erledigt sowohl bei Google wie auch bei Apple ein darauf spezialisiertes Team, das die Qualität einer App beurteilt und auch darauf achtet, wie innovativ sie ist. So geschieht das nicht nur bei Apps: Auch darüber, welche Musik, Filme oder Bücher an prominenter Stelle landen, wird so entschieden.

Blockbuster stehen weit vorne

Nicht überall sind Redaktionsteams allein für die Auswahl zuständig. Bei der Xbox vom Microsoft zum Beispiel werden Promotionen auch in Absprache mit Game-Herstellern gemacht. So kann ein Spiel zum Beispiel während einer Tiefpreisaktion mit einem prominenten Platz im Shop-Bereich der Xbox rechnen.

Ansonsten gelten bei der Auswahl der Games fürs Schaufenster ähnliche Kriterien wie im Appstore: zum Beispiel, ob ein Spiel neu herausgekommen ist oder ob es ein sogenannter Blockbuster-Titel ist.

Wie bei Sonys Playstation entschieden wird, war nicht zu erfahren.

Auch Sponsoring ist möglich

Schaufenster gibt es auch in Settop-Boxen fürs Digitale-Fernsehen. Nicht nur weil sie Filme auf Abruf anbieten, sondern auch weil die meisten Boxen mit Apps bestückt sind. Prominent bei Swisscom-TV sieht man etwa zwei Apps des Autoherstellers Audi, der sich diesen Sponsoring-Deal ein paar tausend Franken kosten lässt.

Andere Apps – es gibt zum Beispiel eine von Facebook – werden von Swisscom danach ausgesucht, ob sie für den Kunden relevant sind und ob sie auch auf dem grossen TV-Bildschirm funktionieren (nach demselben Prinzip sucht etwa auch Samsung seine Smart-TV-Apps aus).

Konkurrent Cablecom steckt mit dem App-Angebot auf seiner Horizon-Box noch in den Startlöchern und arbeitet erst mit ausgesuchten Partnern zusammen. In Zukunft will Cablecom seine Plattform aber allen App-Anbietern öffnen und wie Apple und Google redaktionell die passendsten Apps auswählen.