Keine Zeit für Schneckentempo: Schneller TV schauen

Youtube kann es, die meisten anderen nicht: Videos schneller abspielen. Serien-Fans mögen «Speed Watching», denn so können sie in derselben Zeit mehr Folgen schauen. Trotzdem wollen Streaming-Anbieter von einer Beschleunigungsfunktion nichts wissen. Wir haben nachgefragt, warum.

Eine Schnecke kriecht über ein Tablet, auf der Anzeige ein Youtube-Video, das mit 1.5-facher Geschwindihkeit abgespielt wird. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Achtsam Videos gucken: Was Schnecke von Natur aus kann, stellt Serien-Gucker auf die Geduldsprobe. SRF

Wer viele Podcasts abonniert hat und immer alle Folgen hören möchte, hat sich vielleicht schon angewöhnt, bei der Wiedergabe die Geschwindigkeit zu erhöhen, damit er oder sie das auch schafft.

Bei Audio-Podcasts kein Problem: Die gängigen Player beherrschen «Speed Listening». Bei Podcasts, in denen vor allem gesprochen wird, leidet die Verständlichkeit deswegen oft nicht. Also eigentlich eine praktische Sache.

Anders bei Videos. Wenn man bewegte Bilder schneller abspielt, sieht jede Bewegung schnell etwas lächerlich aus, wie in Charlie-Chaplin-Filmen. So etwas will sich doch niemand antun – könnte man meinen.

Doch, man will – zeigen Anfragen via Mail und Facebook, die bei SRF Digital immer wieder eintreffen: «Speed Watching» sei toll, das Gehirn gewöhne sich nach 1.2-fachem und 1.5-fachem Tempo schrittweise an eine Verdoppelung.

An diesem 10-Sekunden-Ausschnitt von «Games of Thrones» kann man das sehr gut selber ausprobieren:

1x

1.25x

2x

Wieso können aber die Videoplayern der gängigen Streaming-Dienste die Wiedergabe nicht beschleunigen? Youtube hat schliesslich auch einen solchen Regler eingebaut!

Technisch nicht ganz trivial

Das Bedürfnis nach «Speed Watching» stehe bei ihren Kunden nicht «im direkten Fokus», sagt Sarah Nettel von UPC. Auch bei Swisscom liegt der Fokus bei der Weiterentwicklung von Swisscom-TV woanders.

Screenshots zweier Player mit 2.00x-Beschleunigungs-Funktion. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In Audio-und Videoplayer-Apps ist die Beschleunigungs-Funktion schon heute eingebaut. Screenshots

Ob eine Beschleunigungsfunktion überhaupt möglich wäre, kann Sprecher Armin Schädeli deshalb nicht sagen.

Technisch wäre «Speed Watching» eine Herausforderung, erklärt Roman Reimann von der Internet TV-Plattform Wilmaa. Deshalb sei das Feature auch nicht im Player eingebaut. Und die Wilmaa-Nutzer schauten sowieso hauptsächlich lineares Fernsehen, also live.

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Mikey Mouse-Effekt

Spielt man Videos schneller ab, steigt die Tonhöhe («Pitch»); Menschen klingen dann wie Mikey Mouse. Gutes «Speed Watching» beschleunigt ein Video so, dass sich der Pitch nicht verändert, obwohl der Ton schneller abgespielt wird.

Ählich argumentiert Jörg Meyer von Zattoo: Der Internet-TV-Anbieter müsse sich in erster Linie auf die Verbreitung des TV-Live-Signals konzentrieren . Und um «Speed Watching» da zu ermöglichen, «müssten wir zuerst eine Zeitmaschine entwickeln, die uns erlauben würde, die TV-Signale der Zukunft einzufangen», meint er augenzwinkernd.

Dort, wo es ginge, bei den Nicht-Live-Nutzungs-Szenarien, habe man eine Beschleunigungsfunktion noch nie diskutiert.

Für Konkurrent Teleboy hingegen wäre die Umsetzung technisch relativ einfach, sagt Michael Wendt. Es sei ihm persönlich aber ein Rätsel, wieso es dieses Feature gebe (bei Youtube).

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