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Digital Musik-Streaming-Dienste: Totengräber oder Heilsbringer

Musik mieten statt besitzen: Die grossen Musik-Labels versuchen, sich mit Streaming-Diensten wie Spotify von Apples Marktmacht beim digitalen Plattenladen iTunes zu befreien. Doch unabhängige Labels sehen das boomende Geschäft mit Download-Kauf-Musik gefährdet.

Das Bild zeigt die Logos von spotify/simfy/rdio montiert auf Stick-Image-Bildern der Websites der Anbieter (Menschen).
Legende: Sie versprechen die grosse Musikfreiheit für wenig Geld, sind selber aber stark von den Major Labels abhängig. Screenshots (spotify/simfy/rdio)

In der Schweiz haben 17 Musik-Streaming-Anbieter von der Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik, der Suisa, , Link öffnet in einem neuen Fensterdie Lizenz, ihre Dienste anzubieten. Doch nicht alle tun dies, weil sie auch noch die Verhandlungen mit den Musik-Labels unter Dach und Fach bringen müssen – vorher gibts auf einem Streaming-Dienst legal keine Musik. Spotify, Link öffnet in einem neuen Fenster, Simfy , Link öffnet in einem neuen Fensterund Rdio , Link öffnet in einem neuen Fensterhaben von den drei grossen Labels seit längerem Musik im Angebot.

Musikkonzerne wollen ihre Macht zurück

Die Majorlabels, das sind Universal, Link öffnet in einem neuen Fenster, Warner , Link öffnet in einem neuen Fensterund Sony, Link öffnet in einem neuen Fenster, sind gebrannte Kinder: Auf keinen Fall wollen sie den selben Fehler machen wie vor einigen Jahren, als die Musikliebhaber begannen, ihre Songs im Internet herunterzuladen. Zuerst auf mehr oder weniger dubiosen Plattformen, dann immer mehr auf offiziell lizenzierten Online-Plattenläden wie iTunes. Dort kaufen Musikfreunde ihre Alben – als Dateien, die sie dann besitzen. Der Shop ist ein riesiger Erfolg und Apples Marktmacht und Verhandlungsstellung auch – entsprechend gering ist der Einfluss der drei Majorlabels.

Das soll nun bei den Musik-Streaming-Diensten anders werden. An Spotify sind die Majors beteiligt, können also Einfluss nehmen. «Chancen wahrnehmen anstatt wie damals bei der Einführung von iTunes verpassen», scheint das neue Motto der Industrie zu sein. Für die Labels könnten die Streaming-Dienste also eine Art Befreiungsschlag und Möglichkeit sein, den digitalen Musikmarkt wieder stärker zu kontrollieren.

In Schweden haben sie dieses Ziel schon erreicht: Deutlich mehr als die Hälfte der Personen bevorzugt es, Musik als Abo bei Spotify zu mieten statt in einem Download-Shop zu kaufen. In der Schweiz sind die Verhältnisse noch umgekehrt, aber der Branchenverband ifpi , Link öffnet in einem neuen Fensterregistriert seit Sommer 2012 einen markanten Anstieg des Umsatzes und rechnet damit, dass der Anteil der Streaming-Dienste am digitalen Musikmarkt bald bei zehn Prozent liegen wird. Das sind zehn Prozent, die bei den Downloads fehlen.

Totengräber des Download-Geschäfts?

«Streaming-Dienste sind eine Kannibalisierung der digitalen Downloads», sagt Sylvie Widmer vom unabhängigen Label Sound Service, Link öffnet in einem neuen Fenster, das im Vergleich zu den drei Majors klein ist, «jetzt, da der Umsatz bei Downloads seit Jahren steigt und immer mehr anzieht, begeht die Musikindustrie quasi Selbstmord.» Bei den Downloads verdiene man durchaus gutes Geld, beim Streaming hingegen bliebe nichts hängen.

«Wenn wir unseren Musik-Katalog den Streaming-Diensten anbieten würden, kämen aufs Jahr gerechnet Einnahmen herein, die gerade einmal für ein Nachtessen ausreichen würden», so Widmer. Gleichzeitig gehe die Anzahl der gekauften Download-Musik der eigenen Künstler zurück. Soundservice hat sich deshalb entschlossen, seine Musik nicht via Streaming zu verbreiten – das ist der Grund, wieso bei Spotify und anderen Plattformen Züri West, Stiller Has und Polo Hofer fehlen. Es sind drei der bekanntesten Bands, die bei diesem Label unter Vertrag sind. Ihre Alben und Songs gibt es auch weiterhin nur in den gängigen Download-Geschäften zu kaufen.

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