Tschau, Stange! Wir brauen selber - mit einer digitalen Brauerei

Noch vor kurzem hatten wir die Wahl zwischen Lagerbier - und Lagerbier. Heute ist die Biervielfalt grösser. Sogenannte «Craft Biere» gibt es sogar im Grossverteiler. Doch noch vielfältiger wird der Biergenuss, wenn wir selber brauen. Das machen wir. Und zwar digital!

Digital-Redaktor Reto Widmer hält ein Glas in der Hand mit kupferfarbenem Bier. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Selber gebraut: Dieses Bier ist nicht nur farblich abwechslungsreicher, sondern auch geschmacklich. Reto Widmer / SRF

Selber Bier brauen geht schon lange. Es reicht ein grosser Kochtopf. Aber dann ist Geduld gefragt. Mindestens einen halben Tag muss der Hobbybrauer neben dem Topf stehen und die «Malzsuppe» (Maische, das Maischen ist das eigentliche Brauen) immer wieder auf verschiedene Temperaturen erhitzen, dann unterschiedlich lange «rasten» lassen.

Das kann eine tolle Achtsamkeits-Übung sein, verliert aber schnell seinen Reiz und wird endgültig frustrierend, wenn ein Sud nicht trinkbar ist, also alles umsonst war.

Basteln und brauen

Grosse Brauereien haben den Brauprozess schon lange auf Automatik umgestellt. Für den Heimbrauer hingegen gab es bis vor kurzem noch keine vollautomatisierte Lösung. Im besten Fall bekam man Unterstützung von Kochpfannen mit eingebauten Thermostaten und Zeituhren wie etwa dem Braumeister. Oder man half sich mit einer Eigenkonstruktion. Diesen Versuch habe ich bereits in den 80er-Jahren wieder abgebrochen.

Das soll sich nun ändern. Aktuell buhlen auf Crowdfounding-Plattformen meines Wissens drei Projekte um die Gunst der Masse (Ergänzungen bitte unten als Kommentar anfügen):

  • Brewbot: Sieht mit seiner Holzverkleidung so richtig nach Craft Bier aus, benötigt aber viel Platz – und ist noch immer nicht erhältlich
  • Picobrew: Kompakt, mit weniger als tausend Franken Anschaffungspreis relativ günstig, funktioniert aber nur mit speziellen einem «Brau-Fass»

Brewie, die flexible Brau-Kiste

Meine Wahl viel auf die dritte Variante, Brewie. Der Grund: Das Konzept dieser Heimbrauerei dünkt mich am vielversprechendsten und ihr Automatisierungsgrad geht am weitesten:

  • Dank direkter Anbindung an einen Wasserhahn kann Brewie zu Beginn selber Wasser in den ersten Tank pumpen. Anschliessen heizt er das Wasser auf, pumpt es dann in den zweiten Tank, in dem das Malz liegt, eingeschlossen in einem Sack. Nach dem Maischen wandert die Flüssigkeit wieder in den ersten Tank zurück, wo sie erneut gekocht wird. Während des Kochens kommt der Hopfen dazu. Wie bei einer Waschmaschine flutet Brewie dazu automatisch einen kleinen Käfig, in dem sich diese wichtige Zutat befindet.
  • Bis zu vier Hopfen-Behälter stehen zur Verfügung. Die kann man mit verschiedenen Hopfensorten laden. Deren Inhalt wird zu verschiedenen Zeitpunkten während des Kochens zur Würze hinzugegeben. Da lacht das Herz des Craft Bier-Brauers!
  • Nach dem Kochen kühlt Brewie die Würze innerhalb einer halben Stunde automatisch auf Zimmertemperatur ab. Nun ist sie bereit für die Zugabe der Hefe. Erst jetzt – nach rund fünf Stunden automatischer Brauerei – muss ich wieder manuell eingreifen und mit einem Schlauch die Würze in einen Gärbottich pumpen.
  • Bier-Rezepte kann ich direkt aus dem Internet auf Brewie laden oder von Hand eigene Kreationen auf dem kleinen Touch-Screen eingeben.

Analog: Gelungen! Digital: Verbesserungswürdig!

Vor wenigen Tagen konnte ich die Maschine auspacken.

Schönes Design, wertige Verarbeitung. Am «analogen» Teil gibt es nichts zu bemängeln. Die Probleme liegen im Digitalen, in der Software. Die ist derzeit noch sehr anfällig, im Beta-Stadium. Von vier Brauversuchen sind zwei nicht gelungen, weil der Bordcomputer während des Brauens abgestürzt ist. Als «Early Adaptor» bezahlt man zwar weniger. Doch das hat dennoch seinen Preis: Die halbfertige Maschine macht durstig!

Der Brewie-Brauautomat: Eine grosse Kiste aus Chromstahl mit einem kleinen Display vorne in der Mitte. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Chromstahl-Kiste: Der Brauautomat Brewie. ZVG

Die Digitalisierung hat das Brauen zu Hause nicht vereinfacht – noch nicht. Laut Hersteller sollen Software-Updates die Probleme der ersten Geräte in den nächsten Wochen beheben.

Hier gibt's die Videos der Brauversuche mit Brewie. Gelungene und misslungene Versuche – digital-nerdig in jedem Fall.