Werbeblocker: Das Ende der Werbung im Internet?

Die Zeit der Internet-Werbung scheint vorbei zu sein. Die neueste iOS-Version ermöglicht, im Smartphone-Browser zusätzliche Adblocker zu installieren. Unternehmen müssen sich nach neuen Wegen umsehen, um Werbung zu platzieren und Geld zu verdienen.

Eine Frau hält ihre Hand in einer Stop-Geste ins Bild. Auf der Handfläche steht "No Ads". Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Adblocker als Abwehrmassnahme: Nutzerinnen und Nutzer haben genug von aggressiver Werbung. Colourbox/SRF

Alles gratis, dafür Werbung: Das war bisher die Abmachung im Internet zwischen denjenigen, die Inhalte anbieten und denjenigen, die sie konsumieren. Doch Nutzerinnen und Nutzer verweigern sich der überbordenden Werbung im Internet. Die Lösung lautet: Adblocker. Auf Android-Geräten ist es schon länger möglich, Werbung zu blockieren, und nun zieht auch Apple nach.

Aggressiv, invasiv – und ein Sicherheitsrisiko

Der Widerstand ist verständlich. Werbung im Internet sei aggressiv, schreibt etwa Marco Arment, ehemaliger Chef-Entwickler von Tumblr. Zudem verlangsame sie die Surfgeschwindigkeit und missachte die Privatsphäre. Was das anbelangt, so verfolgt das Werbenetzwerk AdSense von Google beispielsweise mittels so genannten Trackern das Surfverhalten der Nutzerinnen und Nutzer, um gezielt Werbung zu schalten.

Zudem sind Werbebanner auch ein Sicherheitsrisiko. Unter dem Stichwort «Malvertising» verbreitet sich immer wieder Schadsoftware über Werbenetzwerke. Wer also keinen Adblocker installiert hat, läuft Gefahr, sich solche Schadsoftware auf das Gerät zu holen. Gerade anfangs August verbreiteten sich solche Schädlinge – Malware – über das Werbenetzwerk von Yahoo.

Werbung: ja. Aggressive Werbung: nein

Adblocker und ähnliche Browser-Addons verhindern all dies – und lassen die Einnahmen derjenigen Unternehmen einbrechen, die ihre Gratis-Inhalte mit Werbung finanzieren. Das Konzept, gegen Werbung Gratis-Inhalte zu liefern, scheint also tot zu sein.

Eine Studie von 2014 kommt zum Schluss, dass rund 40 Prozent aller jungen Leute unter 30 Jahren Adblocker verwenden, mit steigender Tendenz. Die Studie stellt handkehrum ebenfalls fest: Nutzerinnen und Nutzer sind durchaus willens, sich Werbung anzusehen – jedoch nicht in dem überbordenden Mass, wie es bisher der Fall ist. Also Werbung, die automatisch Videos abspielt, mitten auf dem Bildschirm aufpoppt oder den Lesefluss stört.

Eine Lösung: Produktplatzierungen

So müssen Unternehmen mit werbefinanzierten Geschäftsmodellen nach neuen Wegen suchen, um ihre Werbung zu platzieren. Eine Möglichkeit besteht darin, Werbung dort zu einzusetzen, wo sie sich nur schwer blockieren lässt: etwa, wenn Moderatorinnen und Moderatoren in Podcasts neben ihrem Programm auch gleich Werbeblöcke sprechen.

Eine andere Möglichkeit bieten Produktplatzierungen, wie das Youtube-Stars gerne tun. Die Grenze zwischen heimlicher und expliziter Werbung verschwimmt gerade in diesem Bereich immer wieder: So sahen sich etwa die erfolgreichen deutschen Youtuber von Y-Titty letztes Jahr mit dem Vorwurf konfrontiert, Schleichwerbung für bestimmte Produkte zu betreiben.