Passwort-Chaos im Kopf

Sich einloggen im Büro, auf Facebook, im Online-Shop, beim E-Banking – immer heisst es: «Passwort bitte!». Das Chaos im Kopf ist perfekt. Da hilft nicht mal eine verfressene Katze.

Zu sehen ist eine Zeichnung. Ein bärtiges Männchen mit Bart und Lichtkranz über dem Kopf hält ein fernbedienungs-grosses Kästchen in der Hand. Ein dunkles Wölkchen signalisiert, dass das Männchen sich ärgert. Im Text über dem Kästchen in seiner Hand heisst es: Please enter Password for Urknall. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Am Anfang war das Passwort. SRF/Stephan Lütolf

Der Tag fängt ja gut an. «Falsches Passwort» heisst es im Büro am Bildschirm. Kruzifix! Wie heisst das neue Passwort schon wieder? Erst gestern eingetippt, schon vergessen. Blackout. Ächz. Und kein Knopf im Nastuch kann als Erinnerungs-Hilfe dienen.

Denn erstens hat ohnehin kein Mensch mehr ein Stoff-Taschentuch im Sack, und zweitens bliebe die Frage: an welches Passwort will mich das geknüpfte Taschentuch erinnern? Vielleicht aktiviert ein starker Espresso meine für Passwörter zuständige Hirn-Region?

Kleberli für die Tresor-Tür

 Während ich warte, bis der Kaffee wirkt, mache ich mir eine mentale Notiz, nie mehr einen Kollegen für seine simplen Passwörter auszulachen. Die Passwörter «123456», «password1» und «qwertz» sind zwar ungefähr so sicher, wie wenn man eine Tresor-Tür mit einem Streifen Tesafilm abschliesst. Aber man vergisst sie nicht.

Übrigens: Wer sich wundert, warum «qwertz» ein so beliebtes Passwort ist, der werfe einen Blick auf die Computer-Tastatur. Die sechs Buchstaben sind direkte Nachbarn und deshalb wohl vor allem bei Personen beliebt, die mit einem ausgefeilten Zweifinger-System Texte schreiben.

Telefonnummern, auswendig!

Angefangen hat ja alles mit dem Code für das Bank-Kärtchen. Sechs Stellen, alles Zahlen. Sich das zu merken ist kein Problem. Vor allem wenn man zu einer Generation gehört, die früher tatsächlich noch Telefon-Nummern auswendig wusste.

Später kam das Passwort für den Computer. Der Name der verfressenen Hauskatze: galileo. Sie war unzuverlässig. Nicht die Katze, sondern das Passwort: Grossbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen fehlten.

Zeichensalat und Chaos

Meine Passwörter haben sich deshalb seither nicht nur vermehrt, sie sind auch komplizierter geworden. Es grüssen Wortfragmente kombiniert mit Zahlenfolgen. Das Resultat: Zeichensalat auf dem Bildschirm, Passwort-Chaos im Kopf.

Nach zwei weiteren Espressi lasse ich das Passwort durch den System-Administrator zurücksetzen und tippe ein neues Passwort ein. Ich liebäugle kurz mit dem Passwort «DPvisnm» und der dazugehörigen Eselsbrücke «Dieses Passwort vergesse ich sicher nie mehr». Schliesslich entscheide ich mich für: «1knopf*im!Nastuch+».