Jubel, Trubel, HEITERE Punktevergabe

An der diesjährigen Ausgabe des Heitere Open Airs räumte ein deutscher Popstar ab. Eine Zürcher Band liess die Sonne aufgehen und ein amerikanischer Rapper stampfte den Berg tiefer. Welche Bands in Zofingen wie ankamen, gibt es hier Punkt für Punkt.

Wiz Khalfia brachte das Heitere Open Air 2017 dröhnend zum Beben. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wiz Khalfia brachte das Heitere Open Air 2017 dröhnend zum Beben. SRF

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Autor: Gregi Sigrist

Autor: Gregi Sigrist

Gregi Sigrist ist Musikjournalist der Fachredaktion Musik Pop/Rock von Schweizer Radio und Fernsehen. Im Musik-Blog schaut er auf, unter und hinter aktuelle Musikthemen und ihre Nebengeräusche.

Höhepunkt: Mark Forster
Wie funktioniert der perfekte Festival-Auftritt? Fragt den deutschen Popstar Mark Forster. Er lieferte am Heitere Open Air eine energiegeladene, perfekte Show, die locker, sympathisch und spontan wirkte – obwohl sie äusserst clever durch orchestriert war. So treten abgeklärte Entertainer auf.

Tiefpunkt: Clean Bandit
Die Briten wirken ein bisschen, wie eine aus der Zeit gefallene Girlband aus den 90er-Jahren. Sympathisch ja. Musikalisch aber leider höchstens „nett“. Gute Radiosongs im Gepäck haben, macht keine Band zu einem guten Live-Act. Vor allem nicht, wenn die Stimmen mit der Intonation kämpfen.

Kernpunkt: Wiz Khalifa
Mit viel Bass, Intensität und einer mit Hochdruckpumpen aufgeladener Coolness, brachte Wiz Khalfia das Heitere Open Air zum Beben. Der US-Rapper spickte seinen Auftritt mit diversen musikalischen Zitaten aus der Pop- und Rockgeschichte und hatte den Hügel von Anfang an in seiner Hand.

Streitpunkt: Marc Amacher & Band
Das Beste auf der Bühne des Brienzers war definitiv seine Band. Mit den Cracks Oli Hartung, Jüre Schmidhauser und Sam Baur möchte wohl mancher Musiker zusammenarbeiten. Leider hat Amacher zu wenig Gespür für Dynamik, als dass die Brillanz seiner Band voll aufblühen könnte.

Pluspunkt: Züri West
Die Zeiten sind vorbei, als Züri West bei Festival-Auftritten alle Herzen zuflogen. Heute interessieren sich viele nur noch für das eine „Herz“, welches Lauener zu verschenken hat. Dabei spielten sie ein tolles Konzert und waren dem Blues von Anfang an ein bisschen voraus. Wie man sich bei einem Züri West-Konzert vor die Bühne stellen kann, um dann hauptsächlich mit seinen Freunden zu quatschen, ist mir jedoch unerklärlich. Diese Band verdient Respekt und die Aufmerksamkeit des Publikums vom ersten bis zum letzten Ton. Oder wie seht ihr das?

Glanzpunkt:
Frank Turner
Frank Turner lebt für und auf der Bühne. Sein Ziel: Das Publikum aus der Reserve zu locken und mit allen zusammen eine schweisstriefende Rockparty zu feiern. Ziel erreicht? Ziel erreicht!

Treffpunkt: Silbermond
Ich gestehe: Meine Band war Silbermond noch nie. Doch die vertonten Tagebucheinträge der Band aus Sachsen stossen nach wie vor auf unglaublich grosse Beliebtheit. Zofingen feierte Silbermond und Silbermond feierte ihre grosse Schweizer Fangemeinde mit einer Show, die alle Fans glücklich machte.

Elfmeterpunkt: Dabu Fantastic
Dabu Fantastic werden von Festival zu Festival besser. Ihre Songs bekannter und ihre Fangemeinde grösser. Keine Frage: Diese Band ist angekommen in der ersten Liga der Schweizer Mundartszene. Am Heitere Open Air glänzten sie durch einen brillanten, sympathischen und hochprofessionellen Auftritt.

Farbpunkt: Vintage Trouble
Bei der amerikanischen Rhythm & Blues-Band sassen nicht nur die Anzüge. Jeder Ton war da, wo er hingehörte. Die Spielfreude der Kalifornier berührte und überzeugte das Publikum am Heitere Open Air nach wenigen Takten.

Superpunkt: Nemo
Der Bieler erlebt gerade den Sommer seines Lebens. Er zieht von Festival zu Festival und darf sich über wachsende Beliebtheit seiner selbst und seiner Songs freuen. Voller Energie war auch sein Auftritt am Heitere Open Air in Zofingen, an welchem er vom Publikum herzlichst empfangen und gefeiert wurde.

Kein Punkt. Dafür ein Fragezeichen: K.I.Z.
Ich habe kein Problem mit rabenschwarzem Humor. Ich habe kein Problem mit provokantem Textmaterial. Auch mit Ironie, Sarkasmus und Zynismus nicht. Was mir aber aufstösst sind dürftige Umsetzungen, plumpe musikalische Darbietungen und unendliche Redundanz. Viele setzen ein Ausrufezeichen hinter diese Berliner Truppe. Ich ein ungläubiges Fragezeichen.