Open Air Gampel: Höhepunkt, Tiefpunkt und Glanzpunkt

Ein Rapper, der es nicht auf die Bühne schaffte, ein Blueser, der die Bühne vorzeitig verlassen musste und eine Band, die ihren einzigen Hit nicht spielte. So waren die Bands am Open Air Gampel 2017. Punkt für Punkt.

Jennifer Rockstock am Open Air Gampel 2017 Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Jennifer Rostock am Open Air Gampel 2017 SRF

Höhepunkt: The Kills
Das britisch-amerikanische Rock-Duo spielte am Open Air Gampel ein unwiderstehliches Konzert in Bandformation. Diese Band hat den Look, die Songs und die Energie, die es braucht, um zu demonstrieren, wozu Bühnen gebaut werden. So geht aufregender Indie-Rock.

Tiefpunkt: Lil Wayne
Das potenzielle Highlight des Open Airs Gampel wurde zum Debakel. Lil Wayne sorgte für viel Gesprächsstoff: Er traf in Gampel ein, als er längst auf der Bühne hätte stehen sollen und sagte den Auftritt dann aus medizinischen Gründen ab. Gampel war enttäuscht, sauer, skeptisch.

Kernpunkt: Die Toten Hosen
Der Auftritt der Düsseldorfer stand für viele im Zentrum des diesjährigen Open Air Gampel. Vor zwei Jahren musste die Band wegen einer Kehlkopfentzündung von Frontmann Campino absagen. 2017 holten sie ihren Auftritt nach und lieferten eine schweisstriefende, energiegeladene Show ab.

Glanzpunkt: Black Honey
Die britischen Black Honey spielten eine grosse Show vor kleinem Publikum in der gleissenden Nachmittagssonne. Am besten ist diese Band, wenn sie den Twang auspackt. Also dann, wenn die Gitarren ein bisschen nach Lee Hazlewood klingen und sich Izzy Baxters Gesang im Lana Del Rey-Stil darüberschmiegt. Folgt darauf dann eine treibende Gitarrennummer, hüpft das Indierock-Herz.

Orientierungspunkt: Triggerfinger
Dass diese belgische Band an grosse Festivals gebucht wird, hat einen einzigen Grund: Ihr Lykke Li-Cover «I Follow Rivers», mit welchem sie 2012 einen Superhit landeten. Dass sie genau diesen Song am Open Air Gampel nicht gespielt haben, zeugt von Haltung. Leider überzeugte ihr restliches und eigenes Material aber zu wenig, um ihnen einen Weg aus dem One-Hit-Wonder-Status zuzutrauen.

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Autor: Gregi Sigrist

Autor: Gregi Sigrist

Gregi Sigrist ist Musikjournalist der Fachredaktion Musik Pop/Rock von Schweizer Radio und Fernsehen. Im Musik-Blog schaut er auf, unter und hinter aktuelle Musikthemen und ihre Nebengeräusche.

Elfmeterpunkt: Wolfmother
Wolfmother klingen nach Led Zeppelin, Black Sabbath, Deep Purple, AC/DC und The Doors. Der Ansatz zu diesem Soundkonzept ist gewollt und kann eigentlich nur schiefgehen. Nicht so bei Wolfmother. Das Rockzitatgewitter der Australier hat es in sich. Diese Band will nichts sein, was sie nicht ist. Sie wollen einfach spielen und preisen, was sie lieben und machen das mit bestechender Überzeugung.

Streitpunkt: Jennifer Rostock
Wenn man Helene Fischer und Rammstein durch den Fleischwolf dreht, entsteht dabei ein irritierendes Produkt, das sich Jennifer Rostock nennt. Am Open Air Gampel begeisterte die deutsche Band das Publikum mit einer diktatorisch wirkenden Mitmach-Show. Mein Problem mit dieser Band: Die Attitüde von Frontfrau Jennifer Weist wirkt auf mich so echt wie die Wildnis im Dschungelcamp.

Schlusspunkt: Seasick Steve
Rau, echt und kräftig war nicht nur der Auftritt des amerikanischen Bluesers Seasick Steve. Die Wucht des Sturms, der zeitgleich über das Festivalgelände fegte, war so heftig, dass die Organisatoren den 76-Jährigen von der Bühne holten. Er hätte weitergespielt. Ein Rocker – dieser Blueser.

Treffpunkt: Nemo
Der Bieler Rapper lässt nicht nach. Die Freude, die er an seinem Festival-Marathon entwickelt hat, überträgt sich jeweils direkt auf sein Publikum. «Das war es noch lange nicht mit meiner Party», steht auf seiner Visitenkarte – und ich behaupte, die Ansage stimmt.

Superpunkt: Cro
Der deutsche Rapper mit der Panda-Maske hat alles, was es braucht für eine perfekte Festival-Show: Genügend Hits, eine starke Band und viel Ahnung, wie man die Leute bei Laune hält. Am Open Air Gampel begeisterte Cro generationsübergreifend.