«Vor hundert Jahren» von Gertrud Lendorff

In der ersten Januar-Ausgabe der Schweizer Radio Zeitung von 1953 entführen einen idyllische Fotos aus Basel zurück in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie leiten Gertrud Lendorffs erste Mundart-Hörspielreihe «Vor hundert Jahren» ein.

Auf der Schwarz-Weiss-Fotografie schieb ein Mann einen Holzwagen über eine Brücke mit Pflastersteinen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Mittlere Rheinbrücke von Gross- nach Kleinbasel um ca. 1905. Bildarchiv ETH-Bibliothek Zürich

Die Hörspielreihe «Vor hundert Jahren» spielt in einer Zeit, in der noch Mauern und Tore die Stadt Basel umgaben und Jeder Jeden kannte. Am Horizont begannen sich die Vorboten einer Zeit mit Eisenbahn und Ölbeleuchtung anstelle von Gaslicht zögerlich abzuzeichnen.

Dialekt-Ohrenschmaus

Erzählt wird ein Familienschicksal aus dem alten Basel, die Geschichte der Familien Wick und Sternenberger. Es ist nicht so sehr eine vorwärtstreibende, straffe Handlung, die den Reiz des Stückes ausmacht. Vielmehr ist es die Stimmung und Atmosphäre, welche die Autorin vor allem mit dem Mittel der Mundart heraufbeschwört.

Dieser ersten Hörspielreihe folgten bis ins Jahr 1971 noch vier weitere Mehrteiler unter demselben Titel. Die 1900 in Lausen geborene Autorin Gertrud Lendorff (1900-1986) wurde damit in der ganzen Schweiz bekannt.

Mitwirkende: Else Ackerschott (Grossmutter), Gertrud Heffler (Enkelin), Emanuel Suter (Rudolf Wick, reicher Basler Herr), Emmy Hipp (Marie Wick, seine Frau), Elisabeth Witschi (Konstantine, Tochter), Noémie Speiser (Fanny, Tochter), Beatrix Schwabe (Frau «Burgermaischter» Wick), Valerie Steinmann (Anna, deren Dienstmädchen), Hans Haeser (Remigius Sternenberger sen.), Helli Stehle (Trinette Sternenberger, seine Frau), Fritz Schäuffele (Remigius jun., ihr Sohn), Doris Roth (Kätterli, Dienstmädchen bei Sternenberger)

Regie: Hans Hausmann
Produktion: SRF 1952
Dauer pro Folge: ca. 40 Minuten

Die Autorin

Gertrud Lendorff (1900-1986) studierte Kunstgeschichte in Basel und München und promovierte 1932. Bereits vor der Matura schrieb sie Märchen und Kinderbücher. Ihren eigenen Worten nach entdeckte sie ihre Begabung fürs dramatische Schreiben im Basler Dialekt im Rahmen einer historischen Modeschau, die sie im letzten Kriegsjahr als Wohltätigkeitsveranstaltung organisierte. Deutsche Prosafassungen ihrer verschiedenen «Vor hundert Jahren»-Hörfolgen erschienen im Verlag Reinhardt Basel. Das Durchstöbern von Buchantiquariaten könnte sich lohnen, will man Gertrud Lendorffs Geschichten in Prosa nachlesen.

Alle sieben Folgen der Hörspielreihe «Vor hundert Jahren»