Grace Kellys ewige Suche nach Liebe

Sie war die kühle, blonde Schönheit, die erst den Hollywood-Olymp erklimmte und später das Herz Fürst Rainiers von Monaco eroberte. Grace Kelly war einerseits verletzlich und dennoch unglaublich stark. Sie hatte unzählige Affären und entschied sich bewusst für die Lebensrolle als Fürstin.

Die junge Grace Kelly im luftigen Abendkleid auf einer Treppe sitzend. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Getrieben vom Wunsch nach Zuneigung und Wärme: Schauspielerin Grace Kelly. keystone

Geboren am 12. November 1929, wächst Grace Kelly in Philadelphia als drittes von vier Kindern in einer streng katholischen Familie auf. Erzogen wird die junge Schülerin von Nonnen in einer Klosterschule. Ihre deutschstämmige Mutter ist pflichtbewusst, ordentlich, preussisch.

Kelly in weissem Samtkleid und weissen Handschuhen hält ihren Oscar lächelnd in Händen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Oscar für «The County Girl» 1954 keystone

Grace – die Willensstarke

Gegen den Willen der Eltern beschliesst Grace, Schauspielerin zu werden. Als sie 17 Jahre alt ist, zieht sie nach New York und besucht die «American Academy of Dramatic Arts».

Grace will ihrem Vater beweisen, was in ihr steckt. Sie will frei und unabhängig sein. Geld verdient sie mit Auftritten in Werbespots und als Model.

Bald schon steht sie in Fernsehspielen vor der Kamera sowie am Broadway auf der Bühne. Mit 22 Jahren dann gelingt ihr der Durchbruch auf der Leinwand: in der Rolle der Quäkerin Amy im Film «High Noon» von Fred Zinnemann.

«  Wenn ich etwas wirklich erreichen will, erreiche ich es meistens. Ich weiss nicht, was daran schuld ist – mein Wille, mein guter Stern oder mein Kelly-Stolz. Wahrscheinlich ist es alles miteinander. »

Grace Kelly

Bing Crosby & Grace Kelly: True love

9:39 min, aus Musikwelle Magazin vom 20.07.2010

Grace – die Getriebene

1955 wird Grace für ihre Darstellung der Ehefrau eines Alkoholkranken in «The Country Girl» mit dem Oscar als beste Schauspielerin geadelt. Der Kommentar ihres Vaters John B. Kelly habe gelautet: «What the fuck is an Oscar?»Grace ist getrieben von ihrem Wunsch nach Zuneigung, Wärme, Geborgenheit. Obwohl streng katholisch, endet kaum einer ihrer Küsse auf der Leinwand. Ob mit Gary Cooper, Cary Grant, Bing Crosby oder William Holden: Im Leben der Hollywood-Prinzessin jagt eine Liaison die andere.

«Sie war getrieben von einem unstillbaren Hunger nach Liebe, und daran war ihre Familie schuld. Sie litt an einem Gefühl gähnender Leere, schrecklicher Einsamkeit», sagte Grace Kellys Schauspiellehrer und und Theaterregisseur Don Richardson, mit dem sie ebenfalls eine kurze Beziehung unterhielt, die sie auf Druck ihrer Eltern beenden musste.

Entzauberung eines Märchenlebens

5:46 min, aus Kulturplatz vom 12.9.2012

Grace – die Vernünftige

Den einen oder anderen Partner stellt Grace ihren Eltern vor. Doch keiner wird für würdig befunden. Der erste potenzielle Heiratskandidat:

Fürst Rainier von Monaco. Ihn lernt die frischgebackene Oscar-Preisträgerin bei ihrem Besuch der Filmfestspiele Cannes kennen. Die Zeitschrift «Paris Match» hat für die Titelgeschichte einen Fototermin im Palast arrangiert.

30 Minuten soll das Rendezvous gedauert haben. Danach sehen sich der Hollywood-Star und seine Durchlaucht erst kurz vor ihrer Verlobung wieder.

Liiert ist sie zu der Zeit mit Oleg Cassini, dem russisch-italienischen Couturier. Grace macht völlig überraschend Schluss.

Cassini muss Grace daraufhin gefragt haben, was sie denn von einem Mann wolle, den sie vor acht Monaten gerade für etwa eine halbe Stunde gesehen habe?! Sie kenne ihn doch überhaupt nicht. ‹I will learn how to love him›, antwortet sie ihm.

Die Fürstenfamilie posiert für ein Foto im Garten des Palasts. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In ihrer Rolle als fürstliche Mutter ging Grace Kelly auf (1976). keystone

Grace – die Fürstin

Mit der Entscheidung, Fürst Rainier zu heiraten, geht ihr lang ersehnter Wunsch in Erfüllung: die Anerkennung ihres Vaters. Von da an fing der Vater an, «sie zu aktzeptieren». Grace willigt ein, sich einem Fruchtbarkeitstest zu unterziehen. Um die Mitgift bezahlen zu können, veräussert sie Aktien. Grace bezahlt eine Millionen Dollar; ihr Vater steuert die zweite geforderte Million bei.

Grace unterschreibt einen Ehevertrag, der besagt, dass im Fall einer Scheidung – egal wer die Ehe löst – die Kinder beim Regenten bleiben. Ihre Schauspielkarriere muss die schöne Frau, die zeitlebens als Stilikone galt, an den Nagel hängen.

Grace – Schauspielerin wider Willen

Grace hat sich für die lebenslange Rolle der Fürstin entschieden; auch aus Angst, als alternde Diva keine Job-Angebote mehr zu bekommen. Für ihren «Job» als Fürstin konnte sie wiederum ihre schauspielerischen Fähigkeiten mit einbringen. Sie musste immer lächeln, Hände schütteln mit Menschen Smalltalk führen - ob sie ihr nun sympathisch waren oder nicht.

Sie spielte ihre Rolle gut. Immerhin hing ihr Job auch davon ab, dass die Ehe mit Fürst Rainier funktionierte.

Am 14. September 1982, stirbt Fürstin Gracia Patrizia nach einem Autounfall. Ihr Wagen stürzt auf derselben Haarnadelkurven-Strecke, auf der sie Jahre zuvor bereits in Alfred Hitchcocks Film «To Catch a Thief» viel zu schnell unterwegs war, in die Tiefe.

Die genaue Unfallursache? Sie drang nie an die Öffentlichkeit. Ihren 85. Geburtstag würde Grace am 12. November 2014 feiern können.