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Fanny Egli Erinnerungen zum Kriegsende

Ihr Leben lang war Fanny Egli mit Zürich verbunden. Im Jahr 1915 geboren erlebte sie als 30-jährige Mutter den Krieg in Leimbach, allein, mit zwei kleinen Kindern zuhause. An diese besondere Zeit erinnerte sie sich 50 Jahre später bei einem Radio-Interview.

Das Radio war 1945 ein wichtiges Medium. Über diesen Kanal konnte sich die Bevölkerung aktuell und zeitnah informieren. Dank den Radiomeldungen erfuhr auch die damals 30-jährige Fanny Egli, dass der Zweite Weltkrieg zu Ende war. Die Kirchenglocken läuteten und alle Leute gingen auf die Strasse, tanzten und umarmten sich. Das bekannte Lied «Brüder, zur Sonne, zur Freiheit» wurde am 8. Mai überall gesungen.

Stetige Angst bei Mobilmachung

Fanny Egli und ihr Mann Werner hatten 1945 zwei Töchter im Alter von vier und fünf Jahren. Bei der Mobilmachung oder bei Alarm war die Angst von Fanny Egli besonders gross, dass ihr Mann Werner einrücken musste. Auch nach Kriegsende leistete er nochmals für 18 Tage Dienst. Er war bei der Gebirgssanität die nach wie vor in Bereitschaft war, da man nicht wusste, ob doch noch etwas passieren würde.

Video
Das Kriegsende in der Schweiz
Aus Tagesschau vom 07.05.2015.
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Unbehagen nach Kriegsende

Nach dem Kriegsende war nicht plötzlich wieder alles wie vor dem Krieg. Fanny Egli wusste, dass es eine fünfte Kolonne gab, die Sympathisanten von Hitler waren. Auch in der Schweizer Armee und unter den prominenten Leuten gab es solche. Ein Nachbar der Familie Egli war ebenfalls einer dieser Fanatiker. Er diente während des Krieges den SS-Leuten in Deutschland und kam nach Kriegsende oft zu Besuch.

Eglis wussten, dass ihr Nachbar spionierte und sie bei seinen Besuchen sehr vorsichtig sein mussten. Als bei ihm eine Hausdurchsuchung angeordnet wurde, nahm er sich das Leben. «Wären die Deutschen Soldaten in die Schweiz eingerückt, wären wir bestimmt auf einer dieser Listen gestanden», erzählt Fanny Egli in der Archivaufnahme von 1995.

Scham und Schuldgefühle

Nach dem Kriegsende herrschte bei Fanny Egli nicht nur Freude. Sie fühlte sich mitschuldig an den jüdischen Schicksalen und schämte sich als Schweizerin, weil sie wusste, welche Rolle das Land während des Krieges spielte. Das Bewusstsein, wie schrecklich ein solcher Krieg ist, war zu Kriegsende deutlich spürbar. Man war sich einig: So etwas darf nie mehr passieren.

Doch aus Fannys Sicht hat man nichts aus diesen schweren Kriegsjahren gelernt. Im Interview von 1995 erzählt sie, wie die Welt rücksichtsloser und brutaler geworden sei. Der Frieden bringe zu wenig Gewinn. Ihr sei es nicht nach feiern zumute, die Mitschuld belaste sie zu sehr.

Bessere Welt für Nachkommen

Für ihre Kinder und Enkelkinder wollte Fanny Egli ihre Pflicht wahrnehmen und für sie eine bessere und schönere Welt vorbereiten. Deshalb engagierte sie sich politisch und war aktiv in der Arbeiter-Frauen-Friedens- und Genossenschaftsbewegung. Ihr war es wichtig, mutig für die eigene Überzeugung hinzustehen. «Man muss sich schämen, dass man so etwas überhaupt zugelassen hat», erzählt sie in der Archivaufnahme. Fanny Egli starb im Jahr 2002 mit 87 Jahren. Die Fotos hat uns ihre Tochter Kathrin Spörri-Egli zur Verfügung gestellt.

Lebensgeschichten auf SRF Musikwelle

In der «Sinerzyt»-Serie «Lebensgeschichten» von SRF Musikwelle blicken Seniorinnen und Senioren zurück in die Vergangenheit. Sie erzählen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – von wichtigen Episoden aus ihrem Leben. Manchmal werden diese nur kurz gestreift, ein anderes Mal detailliert geschildert.

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