Hans Reif – Liebesbriefe aus der Ferne

Optiker oder Orgelbauer hätte Hans Reif auf Empfehlung des Berufsberaters werden sollen. Doch für den jungen Mann kam aus unterschiedlichen Gründen weder das eine noch das andere in Frage. Also wurde er Uhrmacher und war als solcher zehn Jahre lang in Südafrika tätig.

Alles begann 1946 mit einem Inserat in einer Fachzeitschrift. «Ein Schulfreund rief mich an und sagte, für Südafrika würden Uhrmacher gesucht, das sei doch etwas für uns», erinnert sich der 90-jährige Hans Reif. Über Südafrika habe er damals kaum etwas gewusst, aber die Aussicht dort zu arbeiten, habe ihn irgendwie gereizt. «Wir hatten zu Hause etwas schwierige Verhältnisse, denen ich entfliehen wollte.»

Das Abenteuer kann beginnen

Also melden sich die beiden jungen Männer für diese Stelle in Südafrika. Doch bis sie ein Visum von der südafrikanischen Regierung erhalten, dauert es anderthalb Jahre. «1948 wechselte in Südafrika die Regierung, das Apartheid-Regime kam auf, alles war ein bisschen durcheinander», erklärt Hans Reif das lange Warten auf die Einreisebewilligung.

1949 ist es dann soweit: Der damals 23-jährige Hans Reif macht sich auf die lange und abenteuerliche Reise nach Südafrika. Mit dem Zug von Grenchen über Paris nach Calais, weiter über den Ärmelkanal nach London und tags darauf Richtung Southampton. Dort wartet das Schiff, mit dem er nach zwei Wochen Fahrt sein Ziel erreicht: East London in Südafrika.

Intensiver Briefwechsel

Drei Jahre lang arbeitet der Uhrenmacher aus Gerlafingen bei der gleichen Firma. In dieser Zeit schreibt er fleissig Briefe in die Heimat, an seine Freundin, die er kurz vor seiner Abreise kennenlernte. «Mein Schatz und ich haben uns in diesen drei Jahren jede Woche einen Brief geschrieben.» Über 300 Briefe haben das freundschaftliche Band gefestigt. Zurück in der Schweiz heiratet Hans Reif seine Liebste, reist mit ihr zurück nach Südafrik und tritt eine Stelle in Kapstadt an.

«Das Land erlebte unruhige Zeiten. Das war in Kapstadt stärker zu spüren als in der kleinen Stadt East London», erinnert sich Hans Reif. «Es kam immer wieder zu Schiessereien. Die Polizei lieferte sich Scharmützel mit protestierenden Schwarzen.» Einmal hätten auch sie Tränengas abbekommen.

Aus dem Fotoalbum von Hans Reif

Wertvolle Erinnerungen an spannende Jahre

«Ich und meine Frau haben in Südafrika eine spannende Zeit erlebt», resümiert Hans Reif. Drei ihrer Kinder sind dort auf die Welt gekommen, das vierte wurde nach ihrer Rückkehr in die Schweiz geboren.

Von 1960 bis zu seiner Pensionierung war Hans Reif in verschiedenen Firmen als Montageleiter tätig. Seine berufliche Laufbahn beendete er als Verantwortlicher für Qualitätssicherung in der Waffenfabrik SIG. Heute lebt der 90-Jährige im Alterszentrum Kirchhofplatz in Schaffhausen.

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