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Lebensgeschichte Griessbrei und Bocuse: Aus dem Leben von Annemarie Wildeisen

Sie gehört zu den prominentesten Köchinnen der Nation, hat eine eigene Zeitschrift, gibt Kochkurse und schreibt Kochbücher am Laufmeter. Ihr 46. Buch «Seelenwärmer» ist soeben erschienen, das nächste «Gemeinsam am Tisch» bereits in Vorbereitung. Am 28. April feiert sie ihren 75. Geburtstag.

Kochen und genussvoll essen ist wie der rote Faden, der sich durch Annemarie Wildeisens Leben zieht. Das Interesse wird schon in ihrer Kindheit geweckt, mitunter durch die Gäste, die der Vater jeweils mit nach Hause bringt. Sie kommen aus Indien und anderen fernen Ländern und bringen häufig exotische Gewürze als Geschenke mit.

Prägend ist auch die grosse Freude am geselligen Essen in der Familie Wildeisen. Dazu gehört auswärts essen an den Wochenenden, zusammen mit Freunden in einer grossen Runde.

Annemarie's Mutter legte grossen Wert auf abwechslungsreiche Mahlzeiten, nicht zuletzt wegen der eigenen grossen Abneigung gegen Griessbrei. Bei ihr zu Hause gab es so häufig Griessbrei, dass sie ihn mit den Jahren nicht mehr sehen, geschweige denn zubereiten wollte.

Der Zürcher «Bocuse»

Auch väterlicherseits erhält die kleine Annemarie Einblick in die feine Küche. Ihr Grossvater waltet als Chefkoch im Löwenbreu in Zürich. Bis heute sieht sie ihn mit seinem hohen weissen Hut stolz durch seine Küche schreiten. Sein majestätisches Wirken brachte ihm den Übernamen Bocuse ein.

Währschaft gut

Doch zu Hause wird Mutters Küche über alles geschätzt und geliebt: Zürcher Geschnetzeltes am Sonntag oder die Quarkteigwähe am Freitag.

Annemarie Wildeisen steht aber auch schon früh selbst am Kochherd. Ihre Mutter ist politisch stark engagiert und deshalb am Abend häufig unterwegs. Deshalb kümmern sich Annemarie und ihre Schwester um das Abendessen, wobei sie meistens etwas aufwärmen. Sie erinnert sich aber auch noch gut an den heiteren Flop mit ihren ersten selbst gekochten Spaghetti.

Die Karriere nimmt Fahrt auf

Als wissbegierige Jugendliche besucht Annemarie Wildeisen nach der obligatorischen Schulzeit die Kantonsschule in Baden. Nach der Matura absolviert sie ein Praktikum bei der Fernsehzeitschrift «Tele».

Das Interesse am Journalismus ist geweckt und sie zieht weiter zum Badener Tagblatt. Hier beginnt für Annemarie Wildeisen die Laufbahn als Kochautorin. Sie schreibt wöchentlich einen Artikel über Warenkunde, Köchin Agnes Bamberg liefert dazu ein passendes Rezept.

Essen als Seelenwärmer

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Eine Frau mit Kochschürze über ihren Notizen.
Legende: Annemarie Wildeisen in ihrem jüngsten Kochbuch «Seelenwärmer». Bettina Hänni

Essen sollte mehr sein als reine Sättigung, lautet das Credo von Annemarie Wildeisen. Deshalb heisst ihr jüngstes Kochbuch «Seelenwärmer». Dazu schreibt sie: «Es gibt Rezepte, die einen ein Leben lang begleiten und glücklich machen, auch wenn man sie schon hundert Mal gekocht hat. In der Regel sind sie bestechend einfach und unkompliziert, ganz nach dem Motto ‹Weniger ist mehr›. Viele davon wurden in unserer Familie schon immer so oder ähnlich gekocht und liessen alle glücklich vom Tisch aufstehen.» Und bereits ist ein neues Kochbuch in Arbeit, das wiederum Annemarie Wildeisens Überzeugung entspricht: Es heisst «Gemeinsam am Tisch».

Die erfolgreiche Zusammenarbeit entwickelt sich weiter. Die beiden Frauen organisieren Abend-Kochkurse. Dabei kann Annemarie Wildeisen auf die Unterstützung ihres Ehemannes zählen. Während sie ihrer Leidenschaft frönt, kümmert er sich zu Hause um die drei Kinder.

Auch Resten sind köstlich

Beim Kochen geht es Annemarie Wildeisen in erster Linie um den Genuss und das gesellige Zusammensein am Tisch. Das Nachtessen spielt für sie dabei die wichtigste Rolle. Wo sonst kommt man sich näher, wo kann man besser diskutieren als am Tisch, bei einem feinen Essen.

Die Vorbereitung ist genauso lustvoll wie das Einkaufen auf dem Markt oder das Zubereiten ohne Abstriche. Mit Butter, ohne Margarine. Mit Speck. Aber genauso wie ihre Mutter: schnörkellos und mit Verstand.

Seit die Kinder ausgeflogen sind, kocht sie trotzdem jeweils drei Portionen, denn aus Resten lässt sich tags darauf wieder eine feine Mahlzeit zubereiten. Zum Beispiel ein Gratin mit Brösmeli nach alter, bewährter Tradition. Das gilt auch für Fleischgerichte: Eine Portion Ragout lässt sich gut einfrieren und später geniessen.

Annemarie Wildeisen ist auch mit 75 Jahren noch voller Energie. Sie ist glücklich darüber, das Tochter Flurina in ihre Fussstapfen getreten ist. Sie führt die Kochzeitschrift weiter und bietet mit ebenso grosser Freude wie ihre Mutter Kochkurse an.

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