Männerhöck zum Thema «Beruf»

«Im Altersheim sind alle gleich, egal welche berufliche Position man früher innehatte», stellt Fritz Nyffenegger am Männerhöck etwas ernüchtert fest. Sechs Männer sind zur Gesprächsrunde im Wohngut Zentrum Breitenfeld in Täuffelen erschienen. Zum Thema «Arbeit und Beruf» wird rege ausgetauscht.

«Wie viele andere, wollte auch ich Karriere machen», meint Fritz Nyffenegger. Dafür habe er auch viel investiert. Er absolvierte die Berufslehre als Mechaniker und bildete sich mit Abendkursen am Technikum weiter. Auch später als Werkmeister in der Firma Mikron, waren Weiterbildungen für ihn selbstverständlich.

Berufswünsche versus Realitä

«Ich wäre gerne Dampfchauffeur geworden», erzählt Paul Mühlheim. «Als Kind bin ich mit meiner Grossmutter oft mit der Dampfbahn von Dotzigen nach Solothurn gefahren», erinnert sich der 86-Jährige.

Wegen familiärer Umstände hat sich sein Berufswunsch leider nicht erfüllt. Mit 10 Jahren verlor Paul Mühlheim seine Mutter, als Teenager seinen Vater. Deshalb verdiente er das Geld für sich und seine Geschwister zuerst als Fabrikarbeiter, später bei Coop.

Dank interner Ausbildungen arbeitete er sich bis zum Vorarbeiter hoch und war schliesslich zuständig für die Abteilungen Früchte und Gemüse sowie Bestellungen und Auslieferdienst.

Der rastlose Handelsreisende

Von seinem Berufswunsch – er wollte Kunstschlosser werden – musste sich auch Alfons Staffelbach verabschieden. Diese Berufslehre schien seinen Eltern aus verschiedenen Gründen nicht passend. Vor allem sahen sie ihren Sohn als Nachfolger für ihren Eisenwarenhandel.

«  Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den lässt er für eine Firma reisen, die stets alle Spesen trägt und nie nach einem Auftrag frägt. »

Alfons Staffelbach
Ehemaliger Handelsreisende

Also absolvierte er eine kaufmännische Lehre. Als diplomierter Handelsreisender war er später jahrelang vor allem in der Westschweiz unterwegs.

Routine war dem heute 85-Jährigen ein Gräuel. Stets brach er zu neuen Ufern auf. Er unterrichtete Verkäuferinnen, war Prüfungsexperte und machte schliesslich sein Hobby Kochen zum Beruf. Zusammen mit seiner Frau führte er zehn Jahre lang das Grenchner Ferienheim in Prägelz ob Ligerz.

Eindrücklich sind die Zahlen, die Alfons Staffelbach zum Einkommen liefert. Als Lehrling hat er im ersten Jahr 50 Franken pro Monat verdient, im dritten Lehrjahr 100. Bei seiner ersten Stelle betrug sein Monatslohn 650 Franken, am Ende seines Berufslebens verdiente er rund 7000 Franken.

Fleiss und Verzicht für eine erfolgreiche Laufbahn

«Ich habe immer ans Geld und an eine höhere Position gedacht», gibt Albert Galli zu. Das habe ihm geholfen seine Ziele zu erreichen und ihn stets angetrieben. Für ein Studium fehlte zwar das Geld, doch mit eiserner Disziplin und Willen holte sich der heute 89-Jährige sein Diplom als Mechanikermeister. Dafür studierte er berufsbegleitend vier Semester an einer Abendschule, während seine Kollegen in der Wirtschaft «umelumpten».

Grammophonnadeln aus Murten

Am Männerhöck im Wohngut Zentrum Breitenfeld in Täuffeln beteiligt sich auch Hans Hugo Laubscher. Er entstammt der Firmendynastie, die heute als Laubscher Präzision AG bekannt ist.

Im Familienbetrieb hat er ganz unten angefangen und sich vom Maschineneinrichter bis zum Geschäftsführer hochgearbeitet. Und dann dreht sich das Gespräch in der Männerrunde plötzlich um die früher weltbekannten Laubscher-Stahlgrammophonnadeln. Rund 10 Millionen Stück pro Woche wurden zwischen 1930 und 1950 im Betrieb in Murten hergestellt und nach Europa, Amerika und Südamerika exportiert.

«  Wenn mancher Mann wüsste, wer mancher Mann wär, gäb mancher Mann, manchem Mann, manchmal mehr Ehr. »

Alfons Staffelbach

Das weckt bei Alfons Staffelbach Erinnerungen: «Als Bub musste ich zu Hause solche Nadeln jeweils auswechseln, denn nach Abspielen von etwa drei Platten waren die Nadeln abgenutzt und mussten ausgetauscht werden.»

Der Bedarf an Grammophon-Nadeln war entsprechend gross. Auch Fritz Nyffenegger hat solche Nadeln hergestellt, allerdings in einer anderen Firma, der Gamma in Biel.

Nur noch an fünf Tagen arbeiten

Zum Schluss dreht sich das Gespräch beim Männerhöck noch um die Arbeitszeiten von früher. «Früher arbeitete man von Montag bis Samstag, später nur noch bis Samstagmittag, schliesslich nur noch von Montag bis Freitag», erklärt Fritz Nyffenegger.

Die Einführung der 5-Tage-Woche haben alle Gesprächsteilnehmer miterlebt. Für die Arbeitgeber sei dies eine grosse Herausforderung gewesen, für die Arbeitnehmer ein Geschenk. «Für mich als passionierter Motorradfahrer war das nicht schlecht», meint Alfred Galli. «So konnte ich am Wochenende mit meiner Harley auf Reisen gehen.»

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