Soldatenstuben - Vorläufer heutiger Personal-Restaurants

«Jetzt brauchen wir Taten, keine Worte», sagt sich die 25-jährige Else Züblin-Spiller zu Beginn des Ersten Weltkrieges. Sie gründet den Schweizer Verband Soldatenwohl und richtet Soldatenstuben ein. Nach dem Prinzip der Soldatenstuben sind später die ersten Fabrikkantinen entstanden.

Else Züblin-Spiller ist 25 Jahre alt als der 1. Weltkrieg ausbricht. Die sozial engagierte Journalistin empfindet die Zustände in den Armeeunterkünften als unzumutbar. Die Möglichkeit für Soldaten an der Wärme ein wenig Privatsphäre zu haben und gesund essen zu können, erachtet sie als mangelhaft. Deshalb gründet sie den Verein Schweizer Verband Soldatenwohl und richtet in der ganzen Schweiz alkoholfreie Soldatenstuben ein. Die Stuben sind ein Ort der Gemeinschaft, wo sich Soldaten preiswert verpflegen können.

Porträtbild von Else Züblin-Spiller mit hochgesteckter Frisur, schwarzem Rock und weisser Bluse. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Else Züblin-Spiller (1881-1948) gründete 1914 den Schweizer Verband Soldatenwohl. SV Group

Kantine in der Maschinenfabrik Bühler in Uzwil

1918 erhält Else Züblin-Spiller den ersten Auftrag zur Führung eines Personal-Restaurants. Die Arbeiterstube in der Maschinenfabrik Bühler in Uzwil ist die erste Fabrikkantine, die durch ein unabhängiges Dienstleistungsunternehmen geführt wird. Gesund und preiswert essen, lautet auch hier die Devise. Mit dem Selbstbedienungs-Prinzip werden die Kosten möglichst tief gehalten.

Der Schweizer Verband Soldatenwohl wird 1920 in Schweizer Verband Volksdienst umbenannt. Unter der Leitung von Else Züblin-Spiller und ihren engagierten Mitstreiterinnen entwickelt sich der Verband unaufhaltsam weiter und erweitert seinen Kundenstamm. Was vor 100 Jahren fürs Soldatenwohl eingerichtet wurde, ist heute unter dem Namen SV Group ein Catering-Konzern mit über 8000 Beschäftigten in der Schweiz sowie in Deutschland und Österreich.

Schnipo, Rösti oder Magronen?

Essen im Personal-Restaurant ist heute in der Schweiz für Tausende von Beschäftigten eine tagtägliche Routine. Nur die Essgewohnheiten haben sich im Laufe der Zeit geändert. Ein Salatbuffet, vegetarische Menüs und internationale Gerichte sind nicht mehr wegzudenken. Doch dann gibt es natürlich noch die echten Klassiker, die sogar Kantinen-Muffel auf den Plan rufen. Steht zum Beispiel «Schnipo», sprich Schnitzel und Pommes frites, auf dem Menüplan, muss man sich sputen, um nicht leer auszugehen.