Von Anne Bäbi Jowäger bis Mary Stuart

Zum 100. Geburtstag erinnert sich SRF Musikwelle an die Schweizer Schauspielerin Margrit Winter. Die Luzernerin verkörperte gerne starke weibliche Charakterrollen, sei es auf der Bühne oder im Film. Vielen bekannt ist sie bis heute als Anne Bäbi Jowäger aus der gleichnamigen Gotthelf-Verfilmung.

Filmszene mit einer Frau, die im Bett sitzt und einem Mann, der sich die Schuhe anzieht. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Margrit Winter und Ruedi Walter als Anne Bäbi und Hansli Jowäger im Film «Anne Bäbi Jowäger». SRF / Neue Film AG / Cinémathèque suisse

In ihrer fast 40-jährigen Karriere wirkte Margrit Winter in 14 Kinofilmen mit: «Romeo und Julia auf dem Dorfe», «Bäckerei Zürrer», «Es geschah am helllichten Tag», «Anne Bäbi Jowäger» oder «Geld und Geist». Mit dem Ende des «alten» Schweizer Films Mitte der 60er-Jahre blieben Rollenangebote im Kino aus.

Am Fernsehen war die Luzernerin unter anderem in der beliebten Schweizer Krimiserie «Ein Fall für Männdli» zu sehen. Grossen Frauennamen verlieh sie auf der Bühne ein Gesicht, zum Beispiel als Mutter Courage, Lady Macbeth oder Mary Stuart.

Schwarz-Weiss-Fotografie von einer Theaterszene mit fünf Protagonisten. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Schweizer Schauspielerin Margrit Winter als Mary Stuart 1994 im Zürcher Gheaterhaus Gessnerallee. Keystone

Von den Spielleuten auf die Leinwand

Margrit Winter wurde am 13. November 1917 in Luzern als Tochter eines Kaufmanns geboren. Nach einer Ausbildung zur Schneiderin startete sie 1934 ihre künstlerische Laufbahn als Mitglied der Luzerner Spielleute.

Das Vreneli in der Gottfried-Keller-Adaption «Romeo und Julia auf dem Dorfe» war 1941 Winters erste Filmrolle. Sali, ihr Geliebter, wurde vom jungen Erwin Kohlund gespielt. Das tragische Ende im Film erhielt eine glückliche Wendung im realen Leben.

1943 heirateten Margrit Winter und Erwin Kohlund und wurden Eltern von zwei Kindern: Franziska (*1949) und Christian (*1950). Beide Sprösslinge sollten später ebenfalls Karrieren im Theater, im Film und am Bildschirm machen.

Passion Freies Theaterschaffen

Ende der 60er-Jahre zog sich Margrit Winter für eine Dekade von der Bühne zurück. Ab 1984 startete sie allerdings noch einmal durch: In der von ihrer Tochter Franziska gegründeten Theatergruppe «Il Soggetto» engagierte sie sich bis zu ihrem Tod für das freie Theaterschaffen. Margrit Winter starb am 18. Juni 2001 in ihrem Heim in Stäfa.

Auszeichnungen

1957 war Margrit Winter die erste Trägerin des Hans-Reinhart-Rings, der bis heute wichtigsten Theaterauszeichnung der Schweiz. 1961 ehrte sie ihre Heimatstadt mit dem Kunstpreis der Stadt Luzern.

Ein Jahr nach ihrem Tod wurde die unvergessene Schauspielerin posthum mit dem Zürcher Armin-Ziegler-Preis ausgezeichnet. Margrit Winter bleibe als Schauspielerin in vielen Filmen und als leidenschaftliche Theaterprinzipalin in Erinnerung, schrieb die Stiftung in ihrer Medienmitteilung.

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