Vicky Leandros wollte nie nach Lodz

Bis dato sang sie von Sommer und Liebe am Mittelmeer – nun soll eine graue, polnische Industriestadt ihre Sehnsucht erwecken? Bei diesem Gedanken sträubten sich nicht nur bei den Plattenbossen sondern auch bei Vicky Leandros die Haare. Dennoch wurde «Theo wir fahrn‘ nach Lodz» ihr grösster Hit.

Vicky Leaondros in jungen Jahren mit sehnsüchtigem Blick. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Während alle raus aufs Land wollten, zog es Vicky in die Industriestadt. zvg/Vickyleandros.eu

Seine Wurzeln hat der Song im ersten Weltkrieg. Damals lautete der Titel noch «Rosa, wir fahrn‘ nach Lodz» – wobei mit «Rosa» nicht etwa eine Dame, sondern eine Kanone gemeint war. Der Propaganda-Titel für zermürbte Soldatenseelen wurde auch im Film «Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk» verwendet, wo ihn Vickys Vater entdeckte. Leo Leandros war der einzige, der an das Potential des Titels glaubte. Dafür musste natürlich zuerst ein wenig am Text geschraubt werden.

Ein Flop war voraussehbar

Aus Rosa wurde flugs ein Theo. Was blieb, war die Sehnsucht nach der Stadt Lodz, fernab von Misthaufen und holprigen Strassen. Dabei drängten gerade in den 1970-er Jahren tausende von Menschen von den dichtbesiedelten Städten hinaus aufs naturbelassene Land.

Kurzum, der Titel hätte eigentlich ein riesen Flop werden sollen, das Gegenteil war der Fall. Vicky gelang damit ihr einziger Nummer 1 Hit in Deutschland.

Obwohl sie darin ihren «Theeeeoooooo» fast schon penetrant dazu auffordert mit ihr nach Lodz zu ziehen, stattete die Sängerin der polnischen Stadt bis dato noch nie persönlich einen Besuch ab.